My coat is my castle“, das hat sich bei den Schauen in Paris einmal mehr bestätigt. Der Mantel spielt modisch wieder ganz vorne mit. Seine Omnipräsenz auf den internationalen Laufstegen ist bemerkenswert. Vielerorts kommt er so großräumig daher, manchmal auch zeltförmig, dass eine halbe Familie sicher darin Zuflucht finden könnte.

Doch auch an einer Frau allein wirken die neuen Wollhüllen, oversized Jacken in A-Silhouette, Bademantel-Typen in Flausch-Waren schon extrem wohlig, ja wohnlich. Und wie stets, wenn ein Produkt Konjunktur hat, fällt den Designern auch wirklich viel dazu ein. Outdoor hat mannigfaltige Erscheinungsformen. Alber Elbaz zeigt superschlichte Blazermantel aus High Tech-Stoffen mit Reißverschluss, die auch als Kleid durchgehen können. Er bringt sehr feminin geschnittene Mäntel, die hinten lang ausschwingen. Und immer wieder: Modelle im Materialmix oder mit Doubleface-Effekt, die auch als Wender dienen können. Hussein Chalayan lässt ebenfalls die Grenze zwischen Kleid und Mantel verschwimmen, während bei Issey Miyake superleichte Bonding-Stoffe zum Wenden einladen.

Nicht nur Barbara Bui schmückt leichte Staubmäntel partiell mit Stickereien und Federborten. Dries van Noten dekoriert seine kernigen, voluminösen Outdoorteile mit auffälligen, glamourösen Applikationen. Überall sind die weiten Teile mit überschnittener Schulter zu sehen – doch nirgendwo so konsequent wie von Guillaume Henry für Carven umgesetzt. Hier gehen sie alle miteinander über den Laufsteg: die Bademäntel, Kimono-Jacken, schwingenden Kurzmäntel, mal mit, mal ohne Gürtel, mal ein- mal zweireihig, immer in flauschigen Stoffen. Sie leben vom kuscheligen Stoff, von einer hier lange nicht gesehenen Raffinesse in Schnitten und Nähten und durchaus gelegentlich von etwas Glitz und Glam, wie Dries van Noten es beispielhaft zeigt. Denn natürlich geht es keineswegs bloß um Schutz und Wärme, sondern auch um Kommunikation. Um Selbstdarstellung – und dafür bieten die neuen Großteile reichlich Raum.