Nach dem teils sehr lebhaften Celebrity-Rummel der ersten Schauentage bewies ausgerechnet das ehemalige Spice Girl Victoria Beckham, dass es auch bei der New Yorker Mercedes-Benz Fashion Week einen Platz für edle Präsentationen in luxuriösem Stil gibt. Bereits am Eingang der denkmalgeschützten, opulenten Cipriani Great Hall im New Yorker Finanzdistrikt verwöhnte Beckham ihre handverlesenen Gäste am Sonntagmorgen bei gefühlten minus 20 Grad Minus Außentemperatur mit heißem Kaffee und Tee. Genauso elegant und luxuriös wie Standort und Ambiente ist auch die Kollektion. Beckham setzt konsequent auf zeitlose Teile in neutralen Farben. „Ich will Mode kreieren, die die Frauen wirklich tragen wollen und in der sie sich rundherum wohlfühlen“, erklärt sie ihren anhaltenden Erfolg.

Zum kommenden Winter hat Beckham bekannte Silhouetten und Elemente aus DOB und Menswear dekonstruiert und in körpernaher, femininer Form neu zusammengefügt. Ein weiterer Teil ihres Erfolges ist ein extrem selektiver Vertrieb, der die Nachfrage kontinuierlich auf hohem Niveau hält. Hartnäckiger Legende zufolge gehört Victoria Beckham beispielsweise zu den wenigen Kollektionen bei Bergdorf Goodman, aus der die Verkaufsberaterinnen keine Teile zurücklegen dürfen – nicht einmal für Millarden Dollar schwere Stamm-Kundinnen.

Gallery: Victoria Beckham H/W 2015/16


 
Insgesamt kommen diese Saison voraussichtlich rund 270.000 Einkäufer und Pressevertreter nach New York, um sich insgesamt rund 350 Schauen und Präsentationen für Herbst/Winter 2015 anzuschauen. Zu den am besten besprochenen Shows der ersten vier Tage gehörte neben Victoria Beckham auch Jason Wu mit seinem sehr edel interpretierten Military-Look und den bisher üppigsten Pelzen. Besondere Hingucker: Knielange Nerzmäntel mit asymmetrischer frontaler Fuchsverbrämung in sattem Oliv oder blau schimmerndem Schwarz sowie voluminöse Fuchspelz-Westen, die unter legeren Kaschmir-Jacken hervorblitzen.

Gallery: Jason Wu H/W 2015/16


 
Branchenliebling Alexander Wang wollte es genau wissen. Er hat seine Kundinnen befragt, und sie wollen nur eines: Schwarz. Also hat er seine Herbst/Winter-Kollektion komplett in Schwarz aufgemacht – ohne jedoch auf effektvolles Dekor zu verzichten. Die nötige Bewegung kommt durch Ketten- und Nietendekor an rund verlaufenden Teilungsnähten, Säumen, Kanten, Rollkragen, auf grobem Strick, eleganten Handtaschen und punkigen Stiefeletten ins Spiel. Zeitgleich zu Wangs Show hat der New Yorker Luxus-Store Bergdorf Goodman die aktuelle Sommer-Kollektion des Designers in einem ersten Shop-in-Shop, zwei Schaufenstern und einer effektvollen Installation im Erdgeschoss inszeniert.
 

Gallery: Alexander Wang H/W 2015/16



Die bisher aufwändigste Inszenierung lieferte am Valentinstag das edle italienische Outdoor-Label Moncler Grenoble. Unter dem Titel „Love Factory“ repräsentierten 25 in Moncler-Outfits gehüllte Paare auf einer herzförmigen Bühne unter herzförmiger roter Neonröhre jeweils einen anderen Sport - von Surfing über Snowboarding und Eishockey bis hin zu Reiten und sogar Angeln. Jedes Paar stand auf einer eigenen Plattform, die in die Höhe geliftet wurde. Zum finalen romantischen Kuss gab es eine „Braut“ in bodenlangem schneeweißem Daunen-Ensemble mit Pelzmütze aus weißem Fuchs und ein schwarz gekleideter „Bräutigam“ mit Daunensakko und Fellhandschuhen.

Gallery: Moncler Grenoble H/W 2015/16


 
Porsche Design hat sich bei seiner DOB von den bisher typischen, cleanen Sportswear-Looks verabschiedet und zeigt jetzt mutige Looks für starke aber dennoch feminine Frauen. Dabei wurde auch gleich ein neues Must-have gezeigt: Madonna-inspirierte Mieder-Gürtel, die voluminöse Mäntel und Kleider auf Taille trimmen oder zu klassischen Hosen und Röcken gestellt werden. Als Kontrast zu den Ladies mit Wespentaille eine kernige HAKA-Kollektion mit ausgefeilten Military-Elementen.
 
Wer im dichtgedrängten Terminkalender noch Zeit findet, kann sich im Museum des Fashion Institue of Technology (FIT) an der Seventh Avenue/Ecke 27. Straße die noch bis zum 25. April laufende „Faking It: Originals, Copies and Counterfeits“-Ausstellung ansehen. Anhand von 100 Objekten beleuchtet das FIT in dieser Präsentation die u.a. durch Zweitlinien und Lizenzvergaben immer mehr verwischenden Grenzen zwischen originalen Produkten, Fälschungen und Kopien.