Sonntag, später Nachmittag, New York, Offsite. Trotzdem sind alle gekommen. Noch bevor der letzte Ton von „I See, I Say" von Ebony Bones erklingt, wird das Publikum lautstark applaudieren, sein Wunderkind feiern ob seiner innovativen Kollektion für Frühjahr/Sommer 2014. Alexander Wang ist erst 29, trotzdem bereits zehn Jahre im Geschäft. Er hat sich in nur wenigen Saisons zum Liebling der New Yorker Modeszene katapultiert. Die Berufung zum Chefdesigner bei Balenciaga hat das nur noch beschleunigt. Seine ersten beiden Kollektionen für das französische Couture-Haus haben - trotz hoher Vorlage - überzeugt.

Das Ausnahmetalent steht für einen sauberen, pragmatischen Lässig-Look, der die Mode nachhaltig prägen wird. Möglicherweise so wie Céline es tut. Seine Stücke haben Wiedererkennungswert, ein zentrales Kriterium in unserer von Bildern geprägten Welt. All das tut der Stadt gut: Zusammen mit einer neuen Generation junger Designer wie Jasun Wu, der jetzt neben seiner Kollektion auch für Hugo Boss arbeitet, stärkt er die Zugkraft von New York.

Nun, wie wird der Sommer 2014 in Wangs Augen? Auf den ersten, flüchtigen Blick wie der Sommer 1994: Boxershorts, Baggy-Pants, Spaghetti-Träger, Nylon-Blouson, Pastelle, bauchfrei, Logos, kein Make-up. Die Neunziger, wie wir sie einst etwa von Donna Karan kennen. Und lieben. Wang bringt sie ohne naive Nostalgie auf das nächste Level. Plissierte, schwingende Miniröcke, hohe Schlitze, Babydoll-Silhouetten und rückenfreie Kleider bringen mehr Weiblichkeit in den pragmatischen Look, ohne zu sexy zu sein. Leder macht es cool, modern. Das passt in unsere Zeit. Die Highlight-Teile, und garantiert Kopiervorlage von Zara & Co.: die cropped Hemdbluse mit leichten Kimono-Ärmeln, Faltenrock aus Leder und das perforierte boxy Ledershirt.