Dior. Man fragt sich, wie sich Bill Gaytten fühlen muss. Seit John Gallianos unrühmlichem Ende vor einem Jahr ist er Interimsdesigner bei Dior, letzte Saison wurde darüber spekuliert, ob Marc Jacobs bald den Chefposten übernehmen wird, aktuell ist Raf Simons im Gespräch dafür. Dabei hat Gaytten mit dieser Kollektion erneut gezeigt, dass er ein würdiger Nachfolger ist. Durch ihn ist Dior klarer, reduzierter, aber auch ein ganzes Stück moderner geworden, ohne dass die feminine Handschrift der Marke verloren gegangen ist.

Mit seinen schwingenden Röcken und leicht skulpturalen Jacken in Rosenholz- und Lilatönen interpretiert Gaytten Christian Diors New Look auf wunderbar zeitgemäße Weise. „Soft Modernity” lautet denn auch der Titel der Kollektion. Backstage sagte er,  „er habe die Dinge etwas bereinigen wollen”. Das hat man gesehen, und das hat der Kollektion gut getan. Gayttens Entwürfe sind sicher nicht mehr so schillernd und schrill wie die von Galliano, dafür modern und verkäuflich. Die Frage ist, was Bernard Arnault und Sidney Toledano für die Marke Dior langfristig wollen.

Lanvin: Alber Elbaz feierte sein 10-jähriges Jubiläum für Lanvin schon vor der Show mit einer Riesentorte auf dem Laufsteg. Um dann das zu zeigen, was Lanvin durch seine Arbeit ausmacht. Nämlich ausgearbeitete Kleider mit Schößchen und Drapés, mit Volants, Schmucksteinen und auffälligen Applikationen, die Raffinesse, Schneiderkunst und unglaubliches Stilgefühl vereinen. Man kann Lanvin nur wünschen, dass Elbaz der Marke noch möglichst lange erhalten bleibt. Der Party nach zu urteilen –  Alber  Elbaz sang nach der Show auf einer mit Lichterketten geschmückten Bühne „que Sera” und anschließend ging es mit Musik und Champagner weiter – stehen die Chancen für das Erfolgsduo gut.

Isabel Marant: Amerika ist Isabel Marants große Liebe, und das sieht man auch in dieser Kollektion wieder deutlich. Hemden mit farblich kontrastierenden Passen und Blumenranken zu knackigen Lederröhren und Booties fügen sich perfekt zu einem Western-Look zusammen, ohne auf Marants typischen lässigen, rockigen Stil zu verzichten. Auch die femininen Wäsche-Tops und Flatter-Miniröcke im zweiten Teil wirken cool und sexy − eben so, wie man das von der Pariser Designerin gewohnt ist.