Das Wochenende in Paris und damit Halbzeit. Die großen Namen zeigen, die wichtigen Modethemen für kommenden Sommer zeichnen sich ab: Midi-Länge, Plissees, Graffiti-Print. Vielleicht das überraschendste Signal: Céline macht Schluß mit Minimalismus. Zumindest für den Moment.



Isabel Marant. Très français, das war Isabel Marants neue Sommer-Kollektion. Sie ist romantischer als die vorangegangenen, mit zahlreichen wäschigen Elementen und gleichzeitig sehr sexy. Weiß und Schwarz, Asphaltgrau und Nude-Töne bestimmen das Farbbild. Kurze Spitzenkleidchen, die teils wie ein Negligé wirken, oder Spitzen-Tops werden zu einem Volant-Mini oder einer wadenlangen Hose aus Leder kombiniert statt über einer Jeans. Das typische Marant-Outfit könnte der lässige Leinen-Blazer mit Trachten-Revers über einem Spitzen-Top und einer wadenlangen Hose mit Schnür-Details sein. Nur Hosen reichen bis zur Wade, für Röcke und Kleider bleibt Marant bei der jungen, sexy Mini-Länge. Alles an der Kollektion ist feminin – dieser Eindruck wird durch zarten, floral bedruckten Voile, Spitze und Stickstoffe, Rüschendetails, auch auf eine Jeansjacke in Hellrosa appliziert, unterstützt.



Kenzo. Drucke waren in Kenzo’s Geschichte stets wichtig, und für den kommenden Sommer gibt es davon mehr als genug. Nach dem Tiger kommt nun der Fisch: Carol Lim und Humberto Leon schickten in Paris das neue Collector-T-Shirt von Kenzo über den Laufsteg. Mit dem Satz „No Fish…No Nothing“ warnt es gegen die globale Überfischung der Meeresgründe. Dieses ökologische Thema zog sich durch die Sommer-Kollektion, mit Fischen als Allover-Druck und einem abstrakten, gestrichelten Wellen-Muster in petroligen Blautönen, die später in Rot übergehen. Kenzo’s Kollektion wirkt erwachsener als die vorangegangenen, vielleicht weil die neue Wadenlänge stark präsent ist, mit schmalen, ein oder zweimal geschlitzten Röcken. Die Formen sind schlicht und zeigen Haut, etwa ärmellose Jacken und Oberteile, vorn angeschlitzte, bis zur Wade reichende Hosen, eine klassische Hemdbluse, die über dem Bauchnabel mit einem wellenartigen Saum endet. Die Modernität der Kollektion liegt in Details, wie mit Hitze aufgetragenen Streifen-Elementen in einem Schwarz-Weiß-Thema, und der Wahl von High-Tech-Stoffen mit beschichtetem Glanz.



Céline. Die Wiedererfinderin des modernen Minimalismus hat in Paris vielleicht eine neue, dynamische Mode-Attitüde eingeläutet. Céline-Designerin Phoebe Philos schickte farbenfrohe und von Graffiti-Mustern geprägte Outfits über den Laufsteg, die alle Strenge vergangener Saisons verloren hatten. Nur wenige Styles in der Show waren monochrom – darunter ein oversized geschnittener Hingucker-Mantel aus einem glänzend beschichteten Bonding-Stoff in Royalblau. Derselbe, voluminöse, gewickelt und gegürtet getragene Mantel kommt in diversen Variationen, auch gemustert, mit Graffiti bemalt. Röcke – auch aus Netzstoff (statt Spitze) oder Plissé – rangieren ganz vorn, die Hose tritt in den Hintergrund. Sie sorgen für die feminine, weichere Attitüde, teils mit zipfeligen Säumen und aus zarten Stoffen, etwa unter Long-Pullis oder –Tops. Schwarz und eine gewisse Strenge tauchen dagegen in Céline’s abendlichen Styles auf.



Chloé. Feminin und lässig zugleich geht die Chloé-Frau in den kommenden Sommer. Designerin Clare Waight Keller setzt in der Kollektion stärker auf eine moderne Sinnlichkeit, in der fließende Materialien und Transparenz-Effekte eine große Rolle spielen. Die sommerliche Garderobe in Oliv-Tönen, Weiß und Petrol zeigt Formen mit mehr Weite, vor allem nach unten hin, Röcke und Kleider haben auch mal zipfelige Säume. Mit Längen wird gespielt: Kurz kommt über Lang, Lang über Kurz - etwa in längeren Tuniken über kniekurzen (Bermuda-)Hosen. Plissé, ein Mode-Thema, das auf allen Laufstegen zu sehen ist in dieser Saison, sieht man in Chloés Kollektion in besonders schönen Varianten, für Kleider, Kurz-Jacken oder Long-Tops. Schulterfreie Tops, transparente Blusen, lasergelochte, hauchzarte Stoffe geben den Blick auf die Haut frei.



Akris. Akris’ Designer Albert Kriemlers Devise für die Sommer-Saison war „Ein Traum aus Stoffen und Natur“, und die setzte der Schweizer in einer optimistischen, farbenfrohen Kollektion um. Fast ethnisch der Start der Show mit knöchellangen Styles aus bedrucktem, wehenden Voile, in denen geometrische Streifen-Dessins und warme Wüstentöne an Afrika erinnern. Später kommen mineralische (Grau-)Schattierungen, Oliv und ein intensiver Fuchsia-Ton. Die Formen bleiben europäisch, man sieht Hosenanzüge, das Hemdkleid, schmale, wadenlange Röcke, schmale Pullis mit U-Boot-Ausschnitt aus hauchzartem Strick. Dessins und Stoffstrukturen sind sehr präsent, und ein abstraktes Spiel mit der Natur in sommerlichen Cocktail-Coordinates – etwa der Kurzjacke aus Glanzstoff über einem langen, halbtransparenten Rock und tief ausgeschnittenem Spitzentop – geht weiter: Man glaubt Wellen oder die Jahresringe eines Baumes zu sehen, Blasen oder rundgewaschene Steine am Strand, schließlich ein sehr konkretes Tigermuster, das zum Detail an einem schwarzen Abendkleid wird.



Givenchy. Riccardo Tiscis Ideen für Givenchy gelten als modische Avantgarde, und in dieser Saison gehört der Designer zu denen, die in Paris neue Wege aufweisen. Im kommenden Sommer verliert die Givenchy-Frau ihre gewohnte kühle Strenge und wird femininer, dekorativer, teilweise aber auch komplizierter. In der Kollektion haben Kleider und Röcke das Sagen. Fließende Materialien bestimmen die Silhouette. Couturig drapierte Ensembles aus Jersey in erdigen Tönen, Orange und Schwarz sind gut wadenlang, betonen oder verhüllen Körperformen. Jacken sind ganz schlicht und gewickelt oder zeigen komplexe, asymmetrische Schnitte. Abendliche Modelle zeigen Lurex-Glanz und metallische Stickereien.