Am sechsten Tag der Paris Fashion Week prallen Expressionismus und Minimalismus, Luxus-Gaucho-Look und russische Opulenz sowie Schneiderkunst und Streetwear-Elemente aufeinander. Highlight war ganz klar die minimalistische Kollektion von Designerin Phoebe Philo fur Céline.

Céline. In den letzten Tagen wurde viel über Jil Sander und Minimalismus diskutiert. Nach der Show von Phoebe Philo fur Céline erübrigt sich zumindest modisch die Frage, ob Frau Sander eine Lücke schließen muss. Philo ist die Vertreterin des Minimalismus für eine Frauengeneration, die gut angezogen und nicht verkleidet sein möchte. Vielleicht liegt es daran, dass die Britin selbst so ist. Berufstätig, bald Mutter von drei Kindern, verkörpert sie genau diesen Frauentyp. Hochschwanger mit ihrem dritten Kind, hatte sie einem ausgewählten Kreis von 40 internationalen Einkäufern und Journalisten, ihre Kollektion präsentiert. Lässige Hüllenmäntel über simplen Ledertops und Hosen, kastig geschnittene Oberteile zu lässig geschnittenen Hosen, zweiteilige Leder-Kleider. Pullover und Blusen, die mit Streifen, auch in verschiedenen Materialien spielen. Das ist alles so selbstverständlich, so unkompliziert und so modern. Das ist Minimalismus im Jahre 2012.

Akris.
In dieser Saison inspirierte sich Albert Kriemler an dem amerikanischen Maler und Vertreter des abstrakten Expressionismus Franz Kline. Kriemler spielt mit abstrakten Flächen in verschiedenen Farben für kragenlose Jacken und kurze Boxy-Jackets, die er zu weiten Herrenhosen kombiniert. Besonders konsequent setzt der Schweizer dies bei den Mänteln um, immer kragenlos, werden nicht nur Farben, sondern auch Materialien miteinander gemixt: Doubleface mit Leder oder Cashmere Double mit Pelz, die eindrucksvoll den Reichtum und luxuriösen Anspruch der Kollektion demonstrieren. Sehr modern auch die Kaftankleider, die im Rücken mit Faltenpartien und damit mit Volumen spielen und mit einem Ledergürtel die Taille markieren. Mit dieser Kollektion hat Kriemler wieder einmal Qualität und Modernität zusammengefügt.

Hermès. In seiner dritten Saison für das Haus Hermès geht Christophe Lemaire einen Schritt weiter. Nach dem Auftakt in der wiedereröffneten Ecole des Beaux Arts, wo er mit Lederensembles und Fransen-Capes einen Luxus-Gaucho-Look präsentiert, zeigt er im zweiten Part der Show russische Anklänge – mit  gemusterten Kaftan-Blusen zu pluderigen Hosen und Kleidern mit floralen Dessins zu Blümchenstrumpfhosen. Das ist möglicherweise ein Versuch, Hermès auch für eine etwas jüngere Kundin zu öffnen. In jedem Fall hat es etwas mehr Facetten und einen größeren Spannungsbogen in die Kollektion gebracht.

Givenchy.
In einer eiskalten Halle mit Neonlicht und Trommelschlägen zeigte Ricardo Tisci seine Kollektion für Givenchy. Scharf geschnittene Blazer zu Seiden Jodphur-Hosen und Overknee-Stiefeln, Kleine Felljacken mit verlängertem Rücken und Schmucksteinen, gesteppte Lederblousons und Hosen, Kleider im Materialmix von Leder und Fell, die fast wie Rüstungen anmuten. Tisci schafft es immer, Schneiderkunst und Streetwear-Elemente miteinander zu verbinden, für einen  toughen und sehr selbstbewussten Look.