BALENCIAGA. Die Entwürfe für Balenciaga sind jung, frisch und vor allem sehr, sehr sexy. Nicolas Ghesquière selbst beschreibt sie als „die sinnlichste Kollektion“, die er jemals entworfen habe. Die Vielzahl an Drapage-Elementen, die vor allem Röcke und Kleider opulent zieren, ist dabei nie zu laut. Der straighte Charakter der Kollektion bleibt erhalten. Anzüge kommen farblich in mädchenhaften Pastelltönen, während die Silhoutte an den Garconne-Stil der 20er Jahre erinnert. Dazu kombiniert Ghesquière knappe Bustiers. Mit einem starkem, femininem Statement treten auch die Kleider auf, die mit Federoptiken spielen. Sehr mutig sind vor allem die Bouclé-Kombinationen aus Blazer zu Rock und Bustier, die teilweise sogar bauchfrei daherkommen.

CARVEN. Carven hat seinem zeitgenössischen Pariser Chic eine Prise subtiler Strenge verliehen. Neben dem großen Part an Outerwear domieren Kleider und Konfektion: So kommen Blazer aus gekochter Wolle mit abgerundetem Revers und Schulterriegeln ebenso selbstverständlich zur verkürzten, ausgestellten Bundfaltenhose wie zum gemäßigtem Tellerrock oder dem bedruckten, weiß fließenden Seidenkleid. Der Bubikragen, leicht verlängert und zugespitzt, taucht in allen Produktgruppen auf. Cut-outs in Herzform sorgen für Entspannung bei den mitunter scharf geschnittenen Blazern, mit Spitze überzogen verleihen sie dem Kleid einen verführerischen Charakter. Zu den Highlights gehört ein rotes Langarm-Etuikleid mit Schulterriegeln, Bubikragen und Cut-outs unterhalb des Schlüsselbeines.

ANN DEMEULEMEESTER. Die Säume fallen in dieser Saison in Paris, und Ann Demeulemeester zeigte, dass Lang nicht nur am Abend interessant aussehen kann. In ihren Tages-Outfits dominieren jedoch Mini-Röcke oder Shorts, getragen unter 7/8-langen Blazern mit betonter Schulter oder geraden Blousons, teils mit geschlitzten Ärmeln, in Schwarz oder Silber. Für abendliche Zwecke wählt die Belgierin lange, fließende Kleider, überwiegend in Schwarz, die in der Taille von breiten Gürteln zusammengehalten werden und mit Sadomaso-Leder-Accessoires modische Spannung erhalten.

BALMAIN. Hingucker für den roten Teppich sendet Balmain über das Podium. Opulenter und (neu-)reicher ist bisher keine Kollektion in Paris. Viel Handwerklichkeit sieht man in knappen Minikleidern und kurzen, schulterbetonten Jacken aus opulenten, gehäkelten, bestickten und lurex-glitzernden Stoffen in Schwarz und Weiß. Die Silhouette ist sexy, manchmal bauchfrei, aber nicht nur eng. Neben knappen Leggings – aus ebenso reichen Materialien wie das Oberteil – sieht man die weite Hose mit hoher Taille aus Handschuh-Nappa. Streifen und Rhombenkaros in Schwarz/Weiß, Schwarz/Gelb und Schwarz/Himmelblau sorgen für noch mehr Wow-Effekt.

RICK OWENS. Rick Owens entfernt sich mit seiner Sommer-Kollektion von seinem gothischen, dunklen Stil, wie er es im Juli schon mit seiner Menswear getan hatte. Wie von einem anderen Stern wirken von Gustav Klimt inspirierte, lange, feminine Silhouetten aus federleichten, teils beschichteten, laminierten Materialien und in hellen Muschelfarben. Layering, typisch für den avantgardistischen Stil von Owens, überspielt Taille und Hüften. Die Formen sind lose, blusig gerafft. Ein Hauch von Gold schimmert auf Lamé-Stoffen und kehrt in Ketten-Sandaletten wieder.

LANVIN. Eine Saison nach seinem 10-Jahre-Lanvin-Event im März zeichnet Alber Elbaz in seiner Sommer-Kollektion eine neue Lanvin-Frau. Sie wirkt tougher, strenger, grafischer. Den Auftakt der Schau bilden vom Smoking und vom Kimono inspirierte Koordinates und Kleider. Die Hose – weit geschnittene Formen zwischen Baggy und Haremshose – ist deutlich stärker präsent. Schwarz beherrscht die Kollektion, in die Elbaz etwas Opulenz mit glänzenden Stickereien bringt. Zum Schluss kommen Farben und das, wofür Lanvin bekannt ist – moderne Cocktailkleider, auch sie grafisch, in Lila, Flaschengrün, Bordeaux, Orange und Fuchsia.