Editor's Choice. Die besten Schauen aus zum Herbst/Winter 2013, Tag drei. Die Highlights: Lanvin überzeugt mit feminineren Entwürfen, Carven setzt auf Pastelle, Balmain punktet mit Glamour und Rick Owens zeigt Avantgardistisches mit neuen dekorativen Elementen.

Lanvin. Viel Lanvin - und etwas weniger Alber Elbaz auf der Suche nach einem Neubeginn. War der Designer in der vergangenen Saison, seinem zehnten Jahr bei Lanvin, mit fast intellektuell anmutenden Variationen des Rechtecks noch einmal zurück auf Anfang gegangen, so zeigt er diesmal eine facettenreiche, femininere Kollektion mit unglaublich delikat geschnittenen und dank Drapierungen sich anschmiegenden Seidenkleidern. Feminin aber auch in den unzähligen Mantelversionen - von schlanken Mantelkleidern mit Neopren-Anmutung bis zu taillierten Cashmeremänteln, die hinten länger sind als vorne. Elbaz zeigt viele Kleider, viele Röcke, sowohl schmal als auch richtig voluminös im Tellerrock-Stil gearbeitet. Besonders auffällig ist, dass sie nicht nur zu aufsehenerregenden Stilettos kombiniert werden, sondern auch immer wieder zu Herrenschnürern. Denn nur so kommt ein moderner Aspekt ins Spiel: durch die Spannung zwischen dem Femininen und dem Zurückhaltenden, der Strenge. Auf dieser Klaviatur spielt Elbaz mit sehr interessanten Material- und Stileffekten.

Carven. Guillaume Henry schickt gleich zu Schauenbeginn eine ganze Palette pastellfarbener, flauschiger Jacken und Mäntel auf den Laufsteg. Einer mit Kimono-Ärmel, der nächste mit Fledermaus-Ärmel, dann ein Teil mit äußerst exakter Schulter. Und so, wie er Schnitte variiert, so dekliniert er auch die Pastelle durch. Rosa und Bleu monochrom, das kann nur mit sehr guten Materialien und abwechslungsreichen Oberflächen funktionieren. Dazu gibt es viele oversized Outdoor-Teile, die schlanke Kleider oder kurze Röcke begleiten. Und sogar beim Dessin, das sich durch viele Farb- und Stoffthemen zieht, geht Henry konsequent vor: das verfremdete Animaldessin tritt als kaum wahrnehmbare Reliefstruktur auf, als dekorativer Ausbrenner, in Camouflage-Anmutung und als ganz sanfter Druck auf Seide. Dieses Muster werden wir noch oft sehen. Doch es gibt noch mehr zu berichten von dieser Kollektion: von Burgund zu Naturtönen, von einer Rehkitz-Maserung als Dessin, von breiten Gürteln, prüden Hängerchen und hochgeschlitzten Röcken - Carven lässt sich unterschiedlich auslegen und vielschichtig nutzen. Diese Offenheit ist das Moderne.

Balmain. Unverändert glamourös. Schwer von Schmucksteinen, reich drapiert und sogar mit üppigen Bundfalten herausgeputzt. Balmain ist immer noch Glamour-Spitzenreiter. Doch mitunter kommen so viele dieser Elemente zusammen, dass es ein wenig an die ,Entführung aus dem Serail' erinnert. Bis jetzt fehlt der Linie unter Olivier Rousteing noch immer diese Brise Aggressivität und Schärfe, die Balmain vor einigen Jahren zum Hype hat werden lassen.

Rick Owens. In dieser Saison wirken Rick Owens’ avantgardistische Looks leichter, weniger dark, und weniger minimalistisch als in der Vergangenheit. Seine ikonischen Styles, oversized geschnittene Mäntel und T-Shirts, setzte er für Winter besonders einfallsreich in Szene. Knöchellange Mäntel und Jacken mit weiten Kimonoärmeln zeigen handwerkliche Flecht- und Schnüreffekte, die den Modellen eine für Owens ungewohnt dekorative Note geben und an die Gewänder von Samurai-Kämpfern erinnern. Je geradlininger die Körpersilhouetten, desto voluminöser kommen die Ärmel daher, mal in Trompetenform, mal als Fledermaus-Variante. Dieser Kontrast spiegelt sich auch in Owens Farbwahl wieder: Kühle, technische Materialien in Schwarz treffen auf Wolle und Fell in Creme. Auch Glanz spielt eine große Rolle.