Am dritte Schauentag in Paris brodelt die Gerüchteküche: Zunächst Marc Jacobs. Geht eine Ära zu Ende? Der Vertrag mit Louis Vuitton, der im Oktober ausläuft, soll offenbar nicht verlängert werden. Arbeitet Anthony Vaccarellos bald bei Versace Versus? Was macht Marco Zanini? Von Rochas zu Schiapirelli? Mode gab es auch. Editor's Choice. Die besten Schauen vom Donnerstag:



Balenciaga. Wang - die Zweite. Nach seinem euphorisch gefeierten Debüt für Balenciaga muss sich Alexander Wang in der zweiten Saison als Kreativchef für das französische Couture-Haus beweisen. Und es ist ihm geglückt, aber nicht ganz ohne Einschränkung. Der Einstieg in die Show mit den Bikerjacken und ausgestellten Röcken aus handgeflochtenen Materialien, später die Kleider mit überdimensionaler Rüsche oder die bauchfreien Tops zur Hose mit Schößchen-Detail wirken alle auf ihre Weise sehr modern, aber manchmal doch ein wenig bemüht. Eben nicht ganz so leichthändig und selbstverständlich, wie es ihm für seine eigene Linie immer wieder großartig gelingt. In seinem Element scheint der Amerikaner am ehesten gegen Ende der Show, als er cleane, schlichte Outfits zeigt, die mit transparenten Elementen spielen. An Couture muss er sich noch ein wenig gewöhnen. Aber er will Balenciaga ja ohnehin einen Hauch mehr Lässigkeit verleihen.



Carven. Hervorzuheben ist am Tag zwei auch Guillaume Henrys Kollektion für Carven. Er ließ sich von Skatergirls der 90 Jahre inspirieren. Wer nun Sportswear erwartet, liegt völlig falsch. Mit Spitzen, Karos und Blumenapplikationen bringt er eine couturige Grundstimmung. Materialien mit Stand ziehen sich durch die Arbeit, ob für Jeansjacken-Typen, Kleider oder Röcke. Pastellige Camouflagemuster, Plissees und Ringel bringen Speatwear-Anklänge dazu.



Nina Ricci. Im Kontrast zu Rick Owens die ausnahmslos ästhetische Arbeit von Peter Copping für Nina Ricci. Mädchenhafte Kleider aus exquisiten Materialien, klare Jackenformen, viel Weiß. Mitten in der romantischen Show sprangen zwei barbusige Femen-Aktivistinnen auf den Laufsteg. Unter "Fashion Fashism"-Rufen wurden sie in Windeseile abtransportiert und dennoch tausendfach fotografiert. Medienwirksam war der Aufreger in jedem Fall.



Rick Owens. Der Designer, der für seine Strauches rockige Handschrift bekannt ist, ließ seine starken Models tanzen. Auf die böse Tour. Wütende Gesichter, kriegerische Bewegungen, stampfende Schritte. Das war keine nette Fashionista-Show, im Gegenteil eher eine Demonstration weiblicher Macht. Selbstverständlich passte die Mode dazu: Leder, asiatische Kampfsport-Anklänge und bequeme wattierte Sneaker. Mode als Protest und politisches Statement.



Lanvin. Glamourama. Letztes Mal waren es die großen Broschen und Ketten. In dieser Saison funkeln und blitzen bei Lanvin die Stoffe. Ein Feuerwerk an metallisch glänzenden, oft noch plissierten oder gecrashten Outfits in Rot- und Lila-Tönen, genauso wie in Grünnunacen, Gold und Silber geht da über den Laufsteg. Das ist Disco-Glam in Reinform bis hin zur Jogginghose und zum Fliegerseiden-Overall in Shine and Shimmer. Nach den Statementketten liefert Alber Elbaz damit sicherlich die nächste Kopiervorlage. Dann plötzlich ein brutaler, etwas verwirrender Break und schlichte, taillenbetonte Kleider in Schwarz mit breitem Gürtel. Sehr sophisticated und feminin. Damit die Disco-Braut der Neuzeit, auch mal schick zum Dinner gehen kann.