Editor's Choice. Die besten Schauen zum Herbst/Winter 2013 aus Paris. Die Höhepunkte am Freitag waren Christian Dior, Isabel Marant und Maison Martin Margiela. Wenig aufregend, aber größtenteils vielversprechend und gut verkäuflich.

Christian Dior. Die ganz große Aufregung herrschte in dieser zweiten Saison von Raf Simons für das altehrwürdige Pariser Haus nicht mehr. Doch gespannt war das Publikum durchaus, wie der Belgier sich auf Dauer in die  französische Marke hineinfindet. Simons nutzt einen Kunstgriff – im wahrsten Wortsinn: Er bezieht sich auf die große Affinität Christian Diors für Kunst und variiert frühe Skizzen von Andy Warhol als unterhaltsames Element auf schlichten Seiden-Teilen. Sie bringen Leichtigkeit und Charme in die Kollektion, sind aber trotzdem nicht so stark wie viele andere der ruhigen und exakt geschnittenen Modelle. Denn die Kollektion bewegt sich in Schwarz, Weiß, Grau – ab und zu kommt ein kleiner Farbklecks hinzu. Meist aber genügt schon der rote Lippenstift der Mannequins als Belebung.

Simons inszeniert – ganz anders als sein Vorgänger John Galliano – eher die Dior-typische Eleganz und Makellosigkeit. Aber vorsichtig führt er sie in die Moderne: Er kombiniert das klassische Bar-Sakko zu weiten Herrenhosen mit Denim-Anmutung, er interpretiert die taillierten, wadenlangen Kleider in schwarzem Nappaleder. Immer wieder tauchen Asymmetrien und sanfte Drapierungen auf, wie man sie bislang weniger von Simons kennt. So wird diese ruhige, zurückhaltende Kollektion vom Publikum als vielversprechend und verkäuflich eingeschätzt, wenn auch nicht als wegweisend. Doch das wird auch nicht der Auftrag für Raf Simons gewesen sein.

Isabel Marant. Jung. Lässig. Viele Lagen. Sehr kurze Röcke und Shorts, sehr schmale Hosen beziehungsweise Leggings. Isabel Marant hat diesmal überrascht, manche vielleicht sogar ein wenig enttäuscht. Denn sie ist farblich total zurückhaltend, beschränkt sich weitgehend auf Schwarz-Töne, Weiß und einen schwarz-weißen Alloverprint. Von Nieten lässt sie aber nicht, da gibt es sehr dekorative kleine Jacken, allover besetzt mit Silber, genauso wie winzige Wickelröcke, die rundherum mit Studs verziert sind. Die Jerseyteile, von denen der Look weitgehend lebt, sind unterschiedlich dicht gearbeitet. So ergibt sich bei ihrem Layering immer wieder ein Spiel von transparent und blickdicht. Dazu, noch einmal Wedges, diesmal als Ankleboots aus Ponyfell.

Maison Martin Margiela. Wie entwickelt sich das Avantgarde-Label weiter, nachdem sein Namensgeber seit vergangenem Jahr nicht mehr an Bord ist? Diese Frage lässt sich auch jetzt noch nicht wirklich beantworten. Zu sehen ist in Paris schon auf den ersten Blick typisch MMM: Strenge Anzüge mit weiten Hosen zu Jacken mit überlangen Ärmeln, dekonstruierte weiße Herrenhemden, die als schulterfreie Korsage daherkommen, Uniform-Jacken und dunkle Fliegerblousons zu weiten Nadelstreifenhosen. Schlicht, aber sehr dekorativ: die von Hand aufgetragenen Pinselstreifen in Farbe, die mal seitlich an einer Hose den Galon imitieren, mal die Manschette einer Jacke. Auf den zweiten Blick ist die Linie dann doch erkennbar weniger experimentell als früher. Das Team greift zurück auf vorhandene Schnitte, Ideen, Teile, Bilder. Was nicht zwangsläufig ein Nachteil sein muss oder gar ein Kritikpunkt. Zählt doch die Idee des Recyclens seit jeher zum Kern der Marke.