Kenzo setzte nach dem Erfolgsmodell Tiger-Pulli auf Dschungel-Styles und Safari-Looks. Chloé zeigte eine luftig leichte Sommerkollektion mit klaren Schnitten in einer frischen Farbigkeit.  Genau wie Céline. Auch hier setzte man auf dezente Farben, gepaart mit einer schlichten Strenge. Bei Isabel Marant waren Cowboy- und Piraten-Elemente die richtungsweisenden Einflüsse. Und Prada zeigte mit der asiatisch angehauchten Kollektion, wie neue Farben in neuen Mustern kombiniert werden. Die Top 5 DOB-Schauen 2012:

CHLOÉ:
Zum 60.Geburtstag der Marke, den Chloé mit einer Ausstellung im Palais de Tokyo und mit einer Party während der Fashion Week in Paris feierte, präsentierte Designerin Clare Waight Keller eine unbeschwerte Sommer-Kollektion. Sie variierte Kleider und Ensembles, die schlichte Formen mit sparsam eingesetzten verspielten Elementen zeigen. Volants am Ausschnitt, kurze gepuffte Ärmel, aufgesetzte Stoffblumen oder Plissee-Fältchen als Detail in geschichteten, transparenten Cocktail-Styles, etwas Lurex-Glanz und eine frische, helle Farbigkeit gaben knielangen Outfits ihre feminine Note.

KENZO: Kenzos Designer-Duo Humberto Leon und Carol Lim folgten der Dschungel-Thematik, die schon die Menswear für Sommer 2013 geprägt hatte. Die Styles für Frauen sind vorwiegend in Grüntönen von Khaki bis Minze und kräftigen Gelb-Orangetönen gehalten und zeigen eine breite Palette von Prints, die an die Pflanzen- und Tierwelt des Dschungels erinnern und teils grafisch verfremdet und abstrakt daherkommen. Die Garderobe enthält sportliche gegurtete Jacken und kurze Blousons, Mini-Kleider, eine Auswahl an Röcken, auch in der neuen Wadenlänge. In den Outfits, die nicht nur im Urlaub getragen werden können, spielen diverse Hosenformen immer mit.

CÉLINE: Bei Céline hatte Designerin Phoebe Philo anscheinend Wasser in ihren Wein getan. Sie gab ihrer puristischen Strenge weichere Akzente und vor allem fließende und weichere Stoffe, wie Crêpe-Materialien oder leicht schimmernden Satin. Ein wiederkehrendes stilistisches Element bei Tops, Röcken, Kleidern, die eine gewisse Schlichtheit und gerade Linie beibehalten, sind zwei verschlungene Stoffbahnen – fast eine Schleife. Aber eben nur fast. Philo bleibt für den Sommer bei schlichtem Schwarz und Weiß und fügt etwas Khaki-Beige und Rosa hinzu.

ISABEL MARANT: Wenn es nach Isabel Marant geht, wird der Sommer gemustert und farbenfroh. Sie präsentierte die Garderobe der jungen Französin, die in Saint-Tropez Urlaub macht. Ein sexy Mix und Match aus femininen und Casual-Elementen, der Inspirationen aus den 70er Jahren und Amerika zieht. Kurze Sonnenkleider, knappe Shorts oder Volant-Minis, Jacken im Cowboy-Stil, wadenlange Piratenhosen und bestickte Flare-Jeans kommen Schwarz/Weiß bedruckt und handwerklich in Rot überstickt oder in Tücherdruck und Kaschmirmuster in Rosa-Rost-Violett oder Gelb-Hellgrau-Schwarz. Glanz ist ein Thema in Silber-Stickereien und Nieten, die Jeans und Chiffontops zieren.

PRADA: Die Kollektion stand ganz im Zeichen asiatischer Einflüsse. Der Look setzt Assoziationen an japanische Geishas frei. Aber natürlich absolut modern und urban übersetzt. Die kirschroten Lippen, die Falt-Techniken und Binde-Effekte bei ansonsten schlichten Ensembles in schwerer Duchesse-Seide. Die kimonoartigen Jacken und die zurückgenommene Schnittführung schwarzer Mini-Seidenkleider und nicht zuletzt die massiven, an Geta- und Hajakuju-Schuhe erinnernden Holz-Wedges – sie alle stehen für die deutlichen asiatischen Bezüge, die die Kollektion durchziehen. Ebenso durchgängig wie auf das japanische Motiv setzt Miuccia Prada auf plakative Blumen-Prints oder auf origamiartig applizierte Blüten, die die sinnliche, feminine Seite der Kollektion unterstreichen. Denn Prada ist wieder deutlich weicher und weiblicher als noch in der vergangenen Saison. Aber dabei immer absolut modern: Nicht zuletzt durch die klare Formgebung und die absolute Konsequenz, in der der Look durchgespielt wird.

Bei den Männern durfte es wieder prickeln. 2012 war wie ein gut gekühlter Champagner. Mit einer frischen Note, die sich nicht mehr nur über die Farben zeigte. Es ging den Kreativen um den Tick mehr Schliff und Glanz, der sich durch die Kollektionen zog. Ermenegildo Zegna trumpfte mit leichter Seide auf. Bottega Veneta spielte ein extrem entspanntes und federleichtes Layering. Nie zu rustikal, nie zu derb. Selbst Junya Watanabe schickte die Männer mit schlank geschnittenen Anzügen über den Catwalk. Italienische Edelschneider verharrten nicht länger nur in selbstverliebter Handwerklichkeit und zeigten teils schimmernde Looks mit dem Faktor Futurismus. Wertigkeit ist Pflicht, die Kür ist das gekonnte Mischen von verschiedenen Stoffen, von Matt und Glanz, von Technik und Natur. Auf die Qualitäten kommt es an. 2012 war kein Jahr der Retrospektive. Die Kreativen blickten nach vorne. Die Top 5 HAKA-Schauen 2012:

BOTTEGA VENETA: Tomas Maier begeisterte mit luftigem, leichtgewichtigem Layering aus Hemdjacken, Sahariennes, Anorakvarianten, Windbreakern sowie Tunikashirts als stilistischem Dreh- und Angelpunkt. Das alles interpretiert über handschuhweiches Leder, Seidenchiffon, Crêpe de Chine, gewaschene Baumwolle. Die Farben passen zum entspannten Mood: milde Tabaktöne, Grauschattierungen, pudriges Blau. „Ich wollte es simpel und easy", so Maier.

ERMENEGILDO ZEGNA: Smart, schick und einen Tick slick: Ermenegildo Zegna kleidete den arrivierten Dandy erstmals in bedruckte Seidenhemden und sorgte dazu passend bei Anzügen, Hosen und Sakkos für dezent schimmernde Oberflächen. Das Haus ist seit zwei Jahren stolzer Besitzer einer eigenen Seidenspinnerei und lässt nun die frisch erworbene Kompetenz passend zum Zeitgeist in die Kollektion einfließen. Die Farbpalette bleibt an Naturtönen und Blaunuancen ausgerichtet, hier und da sticht etwas Rot ins Auge. Insgesamt ein gelungenes Beispiel, wie seidige Qualitäten dem entspannten Look des Upper Casual zusätzlichen Pepp verleihen.

KENZO: Dschungel in der Judo-Halle: In Kenzos HAKA-Kollektion kam wieder Schwung, seitdem das Stilisten-Duo Humberto Leon und Carol Lim von der US-Marke Opening Ceremony das Design-Zepter übernommen hat. Der Dschungel Asiens inspirierte ihre zweite Kollektion für Kenzo, die verjüngt, modisch und tragbar zugleich wirkt. Eine breite Farbpalette - Grüntöne, Petrol, Mango Wassermelone - prägt die Saison in Coordinates, die sich zwischen entspannter Eleganz und Casual Feeling bewegen. Jacken und Blousons zeigen gute Details und Materialmix, knapp knöchellange Hosen mehr Weite, das Camouflage-Muster kommt farblich verfremdet.

JUNYA WATANABE:
London Feeling: Leicht und jugendlich war die Stimmung in Junya Watanabes Kollektion. Dazu trugen helle sommerliche Farben bei. Die Formen erinnerten an die Beatles im London der 60er Jahre: Das doppelreihige Sakko, auf den Pariser Podien ein Must-Have der Saison, interpretiert Watanabe in junger Manier, etwa aus Baumwoll- und Leinen-Stoffen in Blautönen und hellen Pastellfarben und mit kontrastreichem Innenleben. Oder in Marine locker mit einem Ringel-Shirt und Bermuda kombiniert. Entspannte Eleganz mischt sich teilweise mit Sportswear, die sich sauber gibt, wie schlichte 7/8 lange Mäntel mit kontrastfarbenen Details und Jeans aus Raw-Denim zeigen.

BERLUTI: Berluti ist seit einer Saison nicht mehr „nur“ eine Luxus-Schuhmarke, sondern auch eine komplette Kollektion für Männer mit Anspruch. Die zweite Kollektion von Berluti-Designer Alessandro Sartori präsentierte sich aufwendig inszeniert im Garten des Palais Royal in mehreren nostalgischen Bildern, die an Marcel Prousts Buch über die „Suche nach der verlorenen Zeit“ erinnern. Sie zeigen jedoch einen modernen Berluti-Mann in allen Lebenslagen, im marinefarbenen Dreiteiler à la Chefetage, in klassich-legeren Styles aus Leinen, Leder oder Raw-Denim, und in abendlichen Anzügen aus leicht glänzenden Materialien.