Halbzeit in New York. Die ersten Themen formen sich. Vor allem die Schauen von Alexander Wang und Jason Wu senden starke Signale, und zeigen, wohin es nächste Saison gehen könnte. Editor's Choice: Das sind die besten Schauen bisher:



PETER SOM. Ein bisschen Mod, eine Prise Flowerpower und jede Menge Karo-Psychedelics. Peter Som verabschiedet sich zum kommenden Winter von süßlichen Mädchen-Outfits und ließ sich stattdessen von herben 60er Jahre-Looks a la Jane Birkin inspirieren. Anzüge, Kostüme und Kleider sind aufgemacht in blauen Wollstoffen, oft im Materialmix mit schwarzem Leder. Bei den Dessins dominieren verwischt wirkende Rosendrucke in leuchtendem Orange auf Neutrals (und umgekehrt) sowie interessante Karos in psychedelischem Patchwork-Look. Auffällig sind Kleider mit voluminösen Rockteilen oder Schößchen aus wehenden Marabufedern – besonders in grellem Orange. Abgerundet wird die Kollektion durch eine Reihe eleganter, bodenlanger Abendkleider und edle Pelze im Leoparden- oder Fischgrat-Muster. Ein gekonnter Mix von Verspieltheit und Eleganz.



JASON WU. Black Magic Woman. Zackige Anzüge für hochkarätige Business-Meetings sowie elegant fließende Cocktail- und Abendkleider. Dazu warme Kuscheljacken und klassische Blazer-Mäntel mit interessanten Details wie quadratische Knöpfe. Jason Wu, der auch Präsidentengattin Michelle Obama zu seinen treuen Fans zählt, weiß, in welchen Outfits sich coole Power-Frauen wohlfühlen. Nicht zu verspielt, nicht zu sexy und auf keinen Fall zu männlich. So stellt er zum Power-Anzug gern transparente Tops. Semi-transparente Stoffe für Blusen und lange Kleider sind partiell mit Pannesamt beflockt. Fließende Kleider aus Seiden-Pannesamt und –Satin werden gekonnt mit wuchtigen Bomerjacken aus dickem Shearling oder kastigen Boyfriend-Blazern aus luxuriösem Kaschmir kombiniert. Das ganze abgerundet mit Handtaschen aus coolem Reptil-Leder oder flauschigem Pelz und spitzen Zickenschuhen.



RAG & BONE. Marcus Wainwright und David Neville setzen zum kommenden Winter auf einen frechen Mix von klassischen und sportiven Elementen. Knielange Wollröcke mit fransigem Saum werden zu kastigen Reißverschlußwesten gestellt, und schmale Röcke aus schwarz/weißem Mohair-Karo erhalten in Kombination mit sportiven Leggings und schimmernden Jerseyblousons einen sportlichen Appeal. Ungehemmt kombinieren die beiden Designer klassische Anzugstoffe und -styles mit sportiven und eleganten Teilen aus Satin, schimmerndem Retro-Sportjersey, Leder und Neopren. Bei den Dessins dominieren Karos, Pollock-inspirierte „Kleks“- und Marmor-Drucke in Schwarz/Weiß sowie interessante patchworkartige Intarsien beim Strick. Wie immer bietet die Kollektion eine Flut an coolen Einzelteilen hochgeschnittene Hosen, Kurzjacken, Parkas und Shearling-Jacken - die sich nahtlos in die bestehende Garderobe der typischen Rag & Bone-Kundin integrieren lassen.



PRABAL GURUNG. Der aus Nepal stammende Designer zeigt zum nächsten Winter jede Menge Bein. Den Auftakt machten hochgeschlitzte, mehrlagige Zipfelröcke aus zartem Chiffon, kastige Pullis im Strickmuster-Mix, Westen und Jacken aus flauschigem Pelz – und ein männlicher Flitzer mit Goldkrone und G-String unter dem Trenchcoat. Im ersten Moment war nicht ganz klar, ob der Halbnackte mit zur Show gehört – bis er kurzerhand von den Security Guards vom Laufsteg gejagt wurde. Die Show ging weiter mit edelstem Patchwork: Luxuriöse Rundhals-Mäntel aus geschorenem Nerz, flauschigem Fuchs und Wildleder; asymetrische Kleider in Tapetenmustern im Mix mit Unis und graphischen Prints; schmale Hosen mit kontrastfarbiger Passe und integriertem, kleinem Schößchen; dekonstruierte Blazer mit Durchzügen aus gerafftem Satin. Zum Abschluß fließende Abendkleider mit opulent in Swarovski-Steinen dekoriertem Oberteil. Jedes Teil ein Kunstwerk für sich. Da war der Flitzer schnell wieder vergessen.



ALEXANDER WANG. Alexander Wang zeigte seine Kollektion diesmal als bisher erster und einziger Designer in Brooklyn. Ab halb acht sammelten sich die geladenen Gäste am Pier 11 an der Wall Street, um per Fähre zur Show im Duggal Greenhouse in den Navy Yards geschifft zu werden. Die nächtliche Reise, die mit einem wackeligen Gang über einen vereisten Bootssteg endete, hat sich jedoch gelohnt: Der momentan hoch gefeierte Designer überzeugte erneut mit einem coolen urbanen Sportswear-Look, diesmal mit Referenzen an maskuline Outdoor-Sports wie Jagen und Mountain Climbing. Grundthema der Kollektion sind laut Wang „Extrembedingungen und Überleben“. Entsprechend stark vertreten war diesmal wieder die Kategorie Outerwear mit Daunenjacken aus Wildleder, Shearlings und Anoraks aus Seide. Selbst Mini-Kleider in A-Linie erhielten durch viele aufgesetzte Taschen für Handys, Feuerzeuge und Lippenstifte einen ungewöhnlichen “Utility”-Look.



ALTUZZARRA. Luxuriös und edel. Der Liebling der US-Einkäufer überzeugt auch diese Saison wieder mit einer ausgefeilten Kollektion in extrem ausgefeilter Schnittführung. Die Kollektion von Joseph Altuzarra gehört seit einigen Saisons zu den Top Favoriten der internationalen Einkäufer. Im September 2013 hat sich der französische Luxuskonzern Kering (vormals PPR) minderheitlich an dem Label beteiligt. Mit dieser Finanzspritze – und dem zugrundeliegenden Vertrauensbeweis – scheint die Hand des 31jährigen Designers noch sicherer geworden zu sein. Zum Herbst/Winter 2014/2015 überzeugt er mit einer zurückhaltend wirkenden Kollektion in edlen Materialien und mit sehr sparsam aber dennoch extreme wirksam eingesetzten Details. Die Show startete mit perfekt sitzenden Doubleface-Mänteln, deren breite Schalkragen die kontrastfarbige Abseite des Doubleface nach außen kehren. Hingucker auch seine edel dekonstruierten Kleider mit teils offenen Teilungsnähten, die den Blick auf die Haut oder auf das darunter liegende neonfarbige Futter freigeben. Für besonders kalte Tage hat Altuzarra geschorenen Nerz in aufwändiger Kleinstarbeit per Intarsien zu einem leuchtenden Karo-Dessin zusammengesetzt.



VICTORIA BECKHAM. Klare Linien, klare Farben – Schwarz, Weiß und ein kleines bisschen Rot. Victoria Beckham bleibt bei ihrer klaren, minimalistischen Handschrift. Zum Herbst/Winter 2014/2015 setzt das ehemalige Spice Girl auf knie- und wadenlange Blazermäntel mit glatter Front, tiefen Revers und seitlichem Kettenverschluß. Dazu schmale elegante Hosen, die auch zu schlichten Rundhalstops mit dreiviertellangen Ärmeln gestellt werden. Ärmellose „Blazer“-Kleider mit gleichem Verschluß werden kombiniert mit groben multicolor Tweedmänteln. Die Ketten kommen darüberhinaus auch als Gürtel bei Kleidern zum Einsatz. Vereinzelt spielt Beckham mit interessanten kontrastfarbigen Intarsien und transparenten Einsätzen, aber das Grundbild bleibt extrem schlicht und zurückhaltend. Nur über voluminöse, blumenartige Rüschendekors an Schulter, Front, Hüfte und Saum kommt vereinzelt eine spielerischere Note ins Spiel.



DEREK LAM. Bekannt ist der aus San Francisco stammende Designer für klassische Separates in edlen Materialien. Dieser Handschrift bleibt Lam auch für den kommenden Winter treu. Neue Impulse kommen diese Saison durch ungewöhnliche Farb- und Material-Kombinationen sowie interessantes Colorblocking. So stellt Lam einen Cognac-farbenen Ponyfell-Rock mit schwarzem Rolli zu einer schlichten Rundhals-Jacke in Puderrosa und kombiniert wadenlange Röcke und Kleider mit gerade geschnittenen Kurzmänteln aus Flanell, Kaschmir, Leder und kuscheligem Bouclé. Besonders edel ein schmaler, knielanger Patchwork-Rock aus Wild- und Glattleder in Schwarz, Weiß, Braun und Grün. Dazu ein schlichter schwarzer Rolli und ein schwarzes Kaschmir-Sakko. Für die Puristen unter seinen Fans gibt es auch diese Saison wieder eine ganze Reihe von Looks ganz in Schwarz, Weiss oder Schwarz/Weiß. Den krönenden Abschluss bildet eine Gruppe von Kleidern mit “offenen” Teilungsnähten, die den Blick auf viel Haut und wenig Unterwäsche freigeben.