Am Dienstag geht die Fashion Week in Mailand zu Ende. Die Fashion-Community zieht weiter nach Paris. Es bleibt der Glanz eines gelungenen Comebacks. Jil Sander ist wieder Jil Sander. Nach ihrem Wiedereinstieg als Kreativ-Chefin Anfang des Jahres stand zunächst die HAKA an. Jetzt zeigte Jil Sander ihre erste DOB-Kollektion in Mailand. Neustart bei Null. So stand es auf der Kollektionsbeschreibung. So frisch, so klar, so modern, so perfekt dann die Kollektion. Und sogleich die Frage: Ist sie besser als ihr Vorgänger Raf Simons? Oder nur anders? Beide brachten neue Impulse in die Kollektion. Ein direkter Vergleich:

Li.: Raf Simons für Jil Sander F/S 2012 ; re.: Jil Sander F/S 2013
Li.: Raf Simons für Jil Sander F/S 2012 ; re.: Jil Sander F/S 2013
DAS ERÖFFNUNGSBILD. Der erste Eindruck. Während Raf Simons zum Frühjahr 2012 mit Weiß startete, relativ unspektakulär mit schlichten, modifizierten Hemdblusenkleidern, überraschte Jil Sander gleich im ersten Bild mit zwei Statements: Bordeaux ist die Farbe der Saison. Und das Trägerkleid zum schlichten Shirt könnte ein neuer Key-Look werden.

Li.: Raf Simons für Jil Sander F/S 2012 ; re.: Jil Sander F/S 2013
Li.: Raf Simons für Jil Sander F/S 2012 ; re.: Jil Sander F/S 2013
DAS BLAU. Wohl kaum eine Kollektion wird so sehr mit der Farbe Blau verbunden wie Jil Sander. Mit ihr als Kreativ-Chefin bekommt Blau wieder den Stellenwert, den es mal hatte. Jetzt noch moderner als wie in Tinte getauchter Ton. Sehr klassisch, sehr stilvoll, eben typisch Jil Sander. Raf Simons hat zuletzt wenig Blau gezeigt, im Sommer 2012 gar nur in Kombination mit Weiß als Vichy-Karo. Dafür aber ein Flaschengrün, das der Kollektion auch gut zu Gesicht stand. Jil Sander kann ein wenig mehr Farbe vertragen. Es waren auch die neuen Farbakzente wie Orange und Bordeaux, die in der Kollektion für Frühjahr 2013 von Einkäufern gelobt wurden.

Li.: Raf Simons für Jil Sander F/S 2012 ; re.: Jil Sander F/S 2013
Li.: Raf Simons für Jil Sander F/S 2012 ; re.: Jil Sander F/S 2013
DER BLAZER. Schlicht und stark von Raf Simons. Jil Sander geht einen Schritt weiter, zeigt neue, verkürzte Blazer mit subtil gesetztem Volumen an den Ärmeln. Wagt die Anspielung auf ein Kimono und trifft damit genau den Zeitgeist.

DER ANZUG. Das Meisterstück. Bei beiden in Formvollendung. Schmale Hose, Mantel-Blazer. Bei Raf Simons sinnlicher. Jil Sander zeigt mehr Volumen, punktuell am Rücken eingesetzt. Die leichte A-Linie bringt Schwung in den Anzug.

Li.: Raf Simons für Jil Sander F/S 2012 ; re.: Jil Sander F/S 2013
Li.: Raf Simons für Jil Sander F/S 2012 ; re.: Jil Sander F/S 2013
DAS KEY-ACCESSOIRES. Der Schwachpunkt bei beiden: Taschen fehlen gänzlich in der Kollektion. Das wird seit Jahren von Einkäufern bemängelt. Daran hat die Wiederkehr von Jil Sander auch nichts geändert. Konzentration auf Schuhe. Absolut gewagt: weiße Pumps bei Raf Simons für Jil Sander im Sommer 2012. Er tritt damit aber einen Trend los, den man noch diese Saison auf den Laufstegen beobachten kann. Aber auch Jil Sander beweist hier ihre Innovationskraft, zeigt moderne Stiefeletten mit Blockabsatz und einer Art Manschette. Ebenfalls in Weiß.

Li.: Raf Simons für Jil Sander F/S 2012 ; re.: Jil Sander F/S 2013
Li.: Raf Simons für Jil Sander F/S 2012 ; re.: Jil Sander F/S 2013
DER MATERIAL-MIX. Die Königsdisziplin: Stoffvielfalt und gleichzeitig Minimalismus präsentieren. Es gelingt Jil Sander besser. Ihr Outfit ist reich an Materialien, doch erscheint alles aus einem Guss. Der Mix definiert die Proportionen, so wird die Taille mit einer dezenten Lederpartie betont und das Dekoletee mit transparenten Stoffen geformt.

DIE SILHOUETTE. Mädchenhaft bei Raf Simons. Seine Jil Sander-Frau ist verspielter, sinnlicher. Jil Sander bleibt strenger. Zeigt Röcke und Hosenröcke wie sie selbst sagt mit "kontrolliertem Schwung". Die leichte A-Linie setzt sich durch.

Raf Simons ; Jil Sander
Raf Simons ; Jil Sander
DAS ABSCHLUSSBILD. Beide emotional. Raf Simons hat alle Erwartungen erfüllt. Er hat den Stil des Hauses respektiert und moderne Kollektionen gezeigt, eine neue, moderne Weiblichkeit kreiert. Dafür hat der Designer weltweit Anerkennung von der internationalen Presse bekommen. Dennoch hat das Unternehmen seit Jahren mit rückläufigen Umsätzen und hohen Verlusten gekämpft. Von einem Neuanfang mit Jil Sander als Kreativchefin versprechen sich Einzelhändler viel. Stilistisch gibt es keinen Bruch, es geht mit Jil Sander für Jil Sander jetzt nur mehr zu den Ursprüngen der Marke zurück. Sie führt ihren Stil weiter, hat ihn aber konsequent auf den aktuellen Stand gebracht. Das war viel Arbeit, was man in Mailand auch am letzten Bild sieht. Eine erschöpfte, aber glückliche Jil Sander.