Starke Debütanten. Das Jahr 2017 hat bei den internationalen Luxus- und Design-Häusern die ersten Kollektionen zahlreicher Neuzugänge in den Ateliers gebracht. Je nach Brand geht mit einem neuen Kreativchef oft auch eine komplett neue Unternehmens-Ausrichtung einher. Prominentestes Beispiel des Jahres dürfte die Marke Calvin Klein sein. Seit der Modekonzern PVH die komplette Kontrolle über die Marke hat, wird sie strategisch auf Wachstum getrimmt, „wir können alles, außer Nische”, sagen die Manager scherzhaft. Dass die Kreativität dabei nicht auf der Strecke bleibt, sondern ganz im Gegenteil, zum Maßgeblichen Treiber wird, dafür soll der neue Mann an der Design-Spitze sorgen.

Raf Simons bei Calvin Klein

Der neue Store in New York ist spektakulär. Leuchtend gelb statt clean, schwarz/weiß und zurückhaltend, wie viele es vielleicht zunächst mit Calvin Klein assoziiert hätten. Raf Simons hat andere Pläne. Edgy, sichtbar, und doch niemals platt. Und das mit Gespür für kommerzielle Möglichkeiten. Schnell hat er die Herzen vieler internationaler Top-Einkäufer mit seinen Catwalk-Kollektionen gewonnen. Ein neues Spiel mit Farben und Qualitäten. „Ich liebe es, wie Raf Simons die Idee von Americana weiterdenkt, mit Silhouetten, die die 50er und 60er zitieren und Utility-Nylons”, sagt etwa Stylebop-Einkäuferin Coco Chan.

Lucie und Luke Meier bei Jil Sander

Das Debüt des neuen Kreativ-Duos wurde mit Spannung erwartet. Man kann sagen: die Premiere ist geglückt. Die beiden zeigten im Sommer in Mailand an neuer Location unter freiem Himmel und nicht wie gewohnt in der Firmenzentrale an der Via Beltrami. Schon damit unterstreichen sie, dass sie neue Wege gehen wollen. Das tun sie auch in ihrer modischen Handschrift: über eine sinnlichere, weichere, femininere Interpretation des Jil Sander-Purismus, der zuletzt auch unter dem ehemaligen Kreativ-Chef Rodolfo Paglialunga im Fokus stand. Die Meiers präsentieren natürlich auch Anzüge in typischer Sander-Manier, akkurat geschnitten und mit schmaler Schulter. Aber das allzu Cleane brechen sie auf. Mal über Transparenz, mal über Raffungen, mal über Puffärmel-Varianten oder Makramee-artig geflochtene Überwürfe, die über weiße Blusen oder dunkle Anzüge getragen werden.

Natacha Ramsay-Levi bei Chloé

Es war eine der meist beachtesten Premieren der Pariser Schauenwoche: Das Debüt von Natacha Ramsay-Levi bei Chloé. Schließlich tritt die Französin ein schweres Erbe an. Ihre Vorgängerin Clare Waight Keller hat für Chloé einen kommerziell unglaublich erfolgreichen, immer wieder erkennbaren Stil etabliert. Die Chloé-Frau ist mädchenhaft, frisch mit leichter Bohemian-Attitüde. „Natacha Ramsay-Levi hat dem Chloé-Girl mehr Haltung gegeben, was mir sehr gefällt”, sagt Harvey Nichols-Modechefin Anita Barr im Anschluss an die Schauenwoche gegenüber der TW.

Maria Grazia Chiuri bei Dior

Sie hatte große Fußstapfen zu füllen. Maria Grazia Chiuri hat beim traditionsreichen Luxushaus Dior die Nachfolge von Raf Simons angetreten, der jetzt Calvin Klein auf ein neues Level heben soll. Sie selbst war zuvor bei Valentino tätig und ist die erste Frau an dieser Position bei Dior. „Sie wird ihre weibliche Vision der Frau, elegant und modern, die perfekt mit der DNA des Hauses und dem kreativen Erbe von Monsieur Dior harmoniert, zu Dior bringen“, sagt Dior- und LVMH-Chef Bernard Arnault im vergangenen Jahr, als die Personlie bekanntgegeben wurde. Er sollte nicht ganz falsch liegen. Die im Jahr 2017 gezeigten Kollektionen von Chiuri bekamen exzellentes Feedback. Der Konzern wiederum scheute keine Kosten und Mühen und setzte die erste Kollektion von Chiuri weltweit mit Pop up-Stores in Szene.

Claire Wight Keller bei Givenchy

Vorsichtiges Debüt statt radikaler Rundumerneuerung. Die Ex-Chloé-Designern treibt als neue Kreativchefin von Givenchy die Veränderug eher sanft voran. Und bekommt dafür von Top-Einkäufern gute Noten. „Natürlich haben auch wir die Givenchy-Schau — das Debüt von Clare Waight Keller — mit Spannung erwartet. Es war schön zu sehen, dass sie nicht zu viel verändert hat und dem Markenkern treu geblieben ist”, sagt Anita Barr von Harvey Nichols. Blaue Military-Mäntel mit Goldknöpfen. Zarte Volantkleider mit einer freien Schulter. Kernige, kastige Lederjacke zum asymmetrischen Rock mit flatterndem Plissee-Einsatz schickt sie über den Laufsteg. Am selbstverständlichsten gelingt ihr der Neustart über Schuhe und Accessoires: mit Cowboy-inspirierten Langschaftstiefeln und einer neuen Icon-Tasche, beide gleichermaßen Hotseller-Anwärter.
Mehr News vom Catwalk
Designerschauen Herbst 2018

Stühlerücken auf den Männer-Catwalks

Prada
Chanel-Kollektion

Catwalk in der Elbphilharmonie

Chanel Métiers d’Art
Luxusmode

Salvatore Ferragamo legt Catwalk-Schauen zusammen

paul_andrew