Karos auf dem Catwalk, in der Front Row, auf der High Street. Dazu Regenmäntel, oversized, in allen Farben oder bedruckt. Die London Fashion Week, die am Dienstag zu Ende ging, präsentierte sich in diesem Herbst very british. Wie ein roter Faden ziehen sich Key-Pieces wie der Raincoat oder Tartan-Muster durch die Kollektionen.

Donatella Versace kombiniert für Versus Versace klassische Karos mit Rodeo-Elementen, Nieten und auch mal im Patch mit Logo als Reminiszenz an die Logo-Shirts der 90er oder als Fischerhut. Erdem setzt auf das dezentere klassische Prince of Wales-Karo in Schwarz/Weiß, das als Blazer auch in den Zuschauerreihen in dieser Woche bereits omnipräsent war. Der Designer setzt die Checks dagegen als Mantelkleid mit Fransenkante um. Louise Trotter geht für Joseph auf Farbe und zeigt etwa einen Overall in lila Karos oder ein oversized Blusenshirt in smaragdgrünem Karo.

Neben Karos und Tartans waren es die Regenmäntel und Windbreaker, die ins Auge fielen. Christopher Kane zeigte einen langen Plastikmantel mit Blumenprint. Nylon und Ballonseide dominieren auch Mary Katrantzous farbenfrohe Kollektion, etwa bei einem grauen Ballonrock mit rosa Colourblock und gelber geschlossener Bluse mit Tunnelzug. Pringle of Scotland umhüllte seine Strick-Styles mit transparenten hauchzarten Windbreakern.

Bei Burberry treffen schließlich Karo und Plastik zusammen. Kreativdirektor Christopher Bailey kann sich seit Juli wieder ganz aufs Design fokussieren und überrascht mit seiner September-Kollektion als Neuinszenierung der britischen Traditionsmarke. Der Sprung von der fast schon an Haute Couture erinnernden Kollektion zu einer jungen, Streetwear inspirierten Kollektion ist groß, aber nicht weniger gelungen.

Der Einfluss von Gosha Rubchinskiy, mit dem Burberry im Juni eine Kollaboration bekannt gab, ist unverkennbar. Während im Hintergrund die Musik der Pet Shop Boys läuft, zeigt Bailey eine Bomberjacke in den typischen Burberry-Checks zum Plastikregenmantel in Rosa, und kombiniert einen Kilt in Midilänge zum transparenten Plastik-Windbreaker in Weiß. Tartanmuster zieren dabei nicht nur die Kleidung, sondern werden auch als Cap oder als oversized Shopper umgesetzt.

Auch in dieser Saison ist die Kollektion direkt nach der Show in den Burberry-Stores und online erhältlich. Ebenso die Topshop-Kollektion wie auch die Styles von Aufsteigerlabel Nicopanda. Nichola Formichetti kooperiert für die See Now, Buy Now-Kollektion mit dem Online-Händler Amazon, der die Styles innerhalb von London bereits eine Stunde nach der Show ausliefert. Am Dienstagabend schloss dann schließlich Tommy Hilfiger die London Fashion Week mit seiner großen "See Now, Buy Now"-Show, die nach New York und Los Angeles nun erstmals in Europa gezeigt wird. Hilfiger ist nicht der einzige, der vom Image Londons als progressive Modestadt profitieren möchte. Auch Giorgio Armani präsentierte zum ersten Mal seit 2006 Emporio Armani in der britischen Hauptstadt. Die Aufmerksamkeit der Fashion Week nutzten auch in dieser Saison wieder Tierschützer. Anti-Pelz-Demonstranten protestierten wie bereits seit einigen Saisons vor den publicity-trächtigen Shows und traten diesmal deutlich aggressiver auf. Vor Shows wie Burberry oder Versus Versace skandierten sie „Shame on London Fashion Week“ oder gingen Fashion Week-Besucher auch persönlich an und hielten ihnen Laptops mit Videoclips von gequälten Tieren ins Gesicht. Die Stimmung kochte derart hoch, dass die Besucher der Show durch ein Spalier von Polizeibeamten zu den Taxis geleitet wurden.

Mehr zur London Fashion Week
London Fashion Week

Die 25 Top-Looks der ersten Tage

Mary Katrantzou
London Fashion Week

Burberry launcht „Here We Are”-Fotoausstellung

Burberry Ausstellung2
Schauen

Londoner Männerschauen: Nur drei statt vier Tage

Kompakter. Der Veranstalter der London Fashion Week Men’s, das British Fashion Council, hat die Januarausgabe um einen Tag verkürzt. Dadurch soll mehr Spielraum zwischen der Ferienzeit zum Jahresende und dem Beginn der Schauen gewonnen werden, so die Veranstalter.