Nervös ist er nicht. Kurz vor Beginn der Show, als noch längst nicht alle der 1300 Zuschauer eingetroffen sind, kommt Christopher Bailey aus dem Backstage-Bereich nach vorn, um seine Ehrengäste zu begrüßen. Zum Beispiel Anna Wintour, Chefredakteurin der US-Vogue, die überpünktlich bereits etwas verloren in der Front Row sitzt. Er wirkt entspannt, gelöst.



Nach 17 Jahren als Kreativdirektor für Burberry wird dies die letzte Show für das britische Traditionshaus sein. 17 Jahre, in denen es Bailey zunächst an der Seite der langjährigen CEO Angela Ahrendts gelungen ist, Burberry von einem überlizenzierten Outdoor-Label mit Imageproblem zu einem britischen Luxuslabel zu wandeln.





Selbstverständlich ist Angela Ahrendts − inzwischen bei Apple − an diesem späten Nachmittag auch im Publikum. Sie war 2006 zu Burberry gestoßen, als Nachfolgerin von Burberry-Chefin Rose Marie Bravo. Bravo wiederum hatte Bailey 2001 von Gucci, wo er unter Tom Ford arbeitete, zu Burberry geholt. Ahrendts und Bailey trafen 2006 nicht das erste Mal aufeinander − sie kannten sich bereits von Donna Karan, Baileys erster beruflichen Station.



Allmählich füllt sich das historische Backstein-Gebäude, im 19. und 20. Jahrhundert ein Kraftwerk für die Londoner Eisenbahngesellschaft British Railways. Im Vergleichen zu den Locations vergangener Shows wirkt die Industriehalle mit den Reihen aus schlichten Holzstühlen, wie man sie aus Schulen kennt, deutlich zurückgenommener. Ganz anders als das riesige weiße Zelt, das Saison über Saison im Londoner Hyde Park gegenüber der Royal Albert Hall aufgebaut wurde. Oder wie zuletzt die leerstehenden Häuser, die aufwendig für die Show dekoriert wurden und oft Ausstellungen beherbergten, die danach auch für die Öffentlichkeit zugänglich waren.

In vielen Saisons waren die Shows begleitet von Live-Musik. So sangen zuletzt Alison Moyet, George Ezra, Paloma Faith, Singer- und Songwriter Jake Bugg und die Londoner Sängerin Anna Calvi. Der Soundtrack der Burberry-Shows ist in diesen Tagen passenderweise bei Apples itunes erhältlich.

Für seine letzte Show arbeitet Bailey mit dem Londoner Lichtkünstler-Kollektiv United Visual Artists zusammen. Ihre Lichtinstallation "Our Time" eröffnet die Show. Wie die Pendel einer Uhr schwangen in der dunklen Halle einfache Industrielampen. "Our Time" haben United Visual Artists die Installation überschrieben. Und "Time" ist auch der Titel der Fashion Show.

Dafür hat Bailey sich einmal mehr in die Archive des britischen Traditionshauses begeben. Und interpretiert Klassiker und Vintage-Pieces neu. Der Look ist wie auch schon in der vergangenen Saisons stark Streetwear inspiriert. Und lebt von dem was die Briten gern als "Clash of Character" bezeichnen. Ballkleider zum Hoodie. Spitze trifft auf Stretch. Florale Muster auf Fleecle. Technik und Funktion treffen auf Haute Couture.

Auch das klassische Burberry-Check bekommt ein Update und ist nun mit einem Regenbogen durchzogen. Der Rainbow-Check ist eine Hommage an die LGBTQ+ Community, der die Show gewidmet ist. Der Regenbogen zieht sich wie ein roter Faden durch die Show. Als oversized Puffer-Weste, auf Sneakers, Caps und einer wendbaren Harringtonjacke. Er kommt übergroß, in Batikoptik oder als Graffitispray. Und als langes Regenbogen-Cape mit Kragen in Fake Fur. In diesem beendet Cara Delevigne, die von Bailey entdeckt auch bei Burberry ihr Debut als Model gab, die Show. Sie führt die Reihe der Models zu "Don't Leave Me This Way" von den Communards und Sarah Jane Morris (vom Band) unter einem Lichtzelt in allen Regenborgenfarben an. 

Danach Standing Ovations für Bailey. Der sich ganz bescheiden kurz verbeugt, bevor er nach einem schnellen Kuss für den Ehemann, auch schnell wieder backstage verschwindet. 

Ausgewählte Looks der Show gibt es als "February 2018 Capsule Collection" gleich nach der Show zu kaufen. Auch dies eine Neuerung, die Bailey noch als CEO, einführte. Allerdings ist auch bei Burberry die Anfangs-Euphorie dem Realismus gewichen. Und so setzt man in dieser Saison auf ein zweigleisiges Modell: Neben besagter Kapselkollektion wird es einen Großteil der Kollektion weiterhin klassisch zur Pre-Order geben.

Die ausgewählten Runway-Looks der Capsule-Kollektion sollen in dieser Saison dafür innerhalb Londons bereits 24 Stunden nach dem Ende der Show ausgeliefert werden. Dank einer neuen strategischen Partnerschaft mit Farfetch. Auch für diesen Schritt hat nicht zuletzt auch Christopher Bailey den Boden bereitet, der die Digitalisierung des Unternehmens stetig vorantrieb und etwa auch zu den ersten zählte, die mit großer Selbstverständlichkeit die Schauen als Live-Stream im Internet anboten. Begleitet durch eine perfekt orchestrierte Kampagne in den sozialen Medien. 

Seinen offiziell letzten Arbeitstag hat Bailey am 31. März. Danach steht er noch bis Jahresende Burberry als Berater zur Verfügung. Was danach kommt? Noch offen. Nur auf die Frage eines Journalisten, ob er nun sein eigenes Label gründen werde, kommt ein entschiedenes Nein. 
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