Die rote Sohle ist sein Markenzeichen. Der Schuhdesigner Christian Louboutin widmet sich jedoch nicht nur glamourösen Luxus-Pumps, sondern hat auch ein Faible für Flats und Sneaker. Im Interview mit der TextilWirtschaft spricht er über Sport, Spaß beim Zeichnen von High-Heels und welche Farbe er selbst niemals tragen wird.


TextilWirtschaft: Herr Louboutin, schwebt Ihnen, während Sie Schuhe entwerfen, ein bestimmter Typ Frau vor?
Christian Louboutin: Ja, schon, aber das ändert sich ständig. Das kann eine Frau aus einer Begegnung sein, eine Frau, die ich auf der Straße gesehen habe oder in einer Performance, die mich inspiriert hat. Es kann eine Frau sein, die ich an mir vorbeilaufen sah und deren Art zu laufen mich fasziniert hat. Ganz unterschiedlich.


Gab es in letzter Zeit eine bestimmte Frau, die Sie beeindruckt hat?
Wer mich zuletzt wirklich inspiriert hat, war Brigitte Macron.


Warum ausgerechnet sie?
Sie hat tolle Beine. Natürlich ist sie auch eine starke Persönlichkeit. Aber ihre Beine sieht man im Moment ständig.


Und welcher Schuh passt Ihrer Meinung nach am besten zu ihr?
Sie trägt immer Absatz. Sie ist keine Frau für Flats.


Lassen Sie uns dennoch über flache Schuhe sprechen. Der Sneaker-Trend und Einflüsse aus dem Sportbereich überstrahlen derzeit alles. Inwieweit beeinflussen Sie diese Tendenzen?
Es war schon immer etwas, das ich auch gemacht habe. Schon vor vielen, vielen Jahren habe ich meinen ersten Sneaker entwickelt. Ich erinnere mich so genau daran, weil es mich unglaublich amüsiert, dass Sport so ein großes Ding geworden ist. Das war es früher nicht. Aber ich erinnere mich daran, immer auch Einflüsse aus dem Sport aufgegriffen zu haben.

„Wer mich zuletzt wirklich inspiriert hat? Das war Brigitte Macron.“

Christian Louboutin
Wenn Sie sich meine Arbeit von vor zehn Jahren anschauen, vor 15 Jahren, vor 20, werden Sie immer auch Flats finden. Doch plötzlich sind alle so fokussiert darauf. Aber es wundert mich nicht im Grunde, Sport ist ein so großartiges Element, so viele Menschen betätigen sich sportlich, von Sport geht so viel Innovation und Technologie aus. Und das ist dann auch das, was es für mich mit Blick auf Design so spannend macht. Mit all den neuen Materialien, die wir in diesem Bereich haben, ist Sport ziemlich wegweisend. Für viele Dinge. Mehr als es Mode ist, würde ich sagen. Wenn man sich klassische Mode anschaut, dann hat sich gar nicht so viel verändert. Aber wenn Sie den Sportbereich aus den 50’s mit dem heutigen vergleichen, hat sich so gut wie alles geändert.


Kommt aus dieser Richtung auch Innovation für Frühjahr/Sommer 2018?
Innovation kommt insbesondere über Materialien und Drucke. Ich habe viel an Drucken gearbeitet, Fotografien in Kombination mit Drucken. Daneben spiele ich viel mit Farbschichten. Die Verbindung von bestimmten Techniken kommt tatsächlich aus dem Sportbereich, Modellieren etc. Für High-Heels und Flats, Männer und Frauen. Man kann fast von bionischen Schuhen sprechen, die sich mit Klassik verbinden. Alles, was man von einem Sneaker erwarten kann, kommt als konstruierter Schuh, für Frauen werden das Boots sein, für Männer Brogues. Man kann es wirklich als Heirat von Technischem mit traditionellen Konstruktionen bezeichnen.

„Ich bin kein großer Freund von Schwarz, Sie werden mich niemals Schwarz tragen sehen.“

Christian Louboutin

Wie bewerten Sie indes den immensen Einfluss, der von Gucci ausgeht?
Mir gefällt das. Alessandro Michele hat ein hervorragendes Gefühl für Farbe, ein tolles Gespür für den Mix. Das ist etwas, was ich überhaupt sehr schätze. Ich bin kein großer Freund von Schwarz, Sie werden mich niemals Schwarz tragen sehen. Ich habe Farben schon immer geliebt. Genauso wie Materialien.


Glauben Sie denn, dass uns die Dekorationswelle noch eine Weile begleiten wird?
Das ist immer eine Frage des Wollens. Was kommt, das geht wieder. Mode bewegt sich permanent zwischen Minimalismus und Maximalismus. Es ist also eine Frage, was man daraus macht. Die Art und Weise, wie ein neuer Designer die Regeln neudefiniert, wie er das Minimalistische oder Maximalistische, das Barocke oder Tradition neuinterpretiert. Aber am Ende ist es immer wieder dasselbe – was ich überhaupt nicht negativ meine. In einem Moment sind die Leute gegen Farben, im nächsten dreht sich alles um sie.


Lassen Sie sich von solchen Trends beeinflussen?
Ich habe mir nie viel aus Bekleidung gemacht, nein. Ich freue mich lediglich, wenn ich das sehe, von jeher liebe ich Farben und den Mix, auch von Kulturen und Ethnizität. Ich folge keinen Trends und bin auch nicht an ihnen interessiert.


Lassen Sie uns über Ihr Markenzeichen sprechen, die rote Sohle. Sie wird immer wieder kopiert. Wie stehen Sie dazu?
Zunächst einmal ist es ja ganz schmeichelhaft, kopiert zu werden. Und dann ist es natürlich so: Wenn man einmal eine Identität hat, ändert man die nicht so schnell, auch wenn man kopiert wird. Die rote Sohle ist eine eingetragene Handelsmarke. Damit ist es für mich aber auch getan. Ich verschwende meine Energie nicht damit, mich mit Handelsmarken und dergleichen zu beschäftigen. Das entspricht nicht meinem Wesen. Ich hebe mir meine Energie lieber für den Design-Prozess auf.


Was macht die rote Sohle so attraktiv für Frauen?
Rot ist Farbe und Nicht-Farbe zugleich. Rot ist anders als andere Farben. Mit jeder Farbe sind ja Symbole verknüpft, Ideen, Assoziationen, in jeder Kultur, jeder Gesellschaft, jedem Land. Bei Rot ist das immer etwas Positives. Das ist interessant, denn wenn man etwa an Weiß denkt, so steht die Farbe in der westlichen Welt für Heirat, in Indien aber ist es die Farbe von Tod. Weiß hat in verschiedenen Ländern also fast gegenteilige Bedeutungen. Grün ist im Nahen Osten mit Religion verbunden, in Mitteleuropa indes mit Umweltdingen. Schwarz ist in gewisser Weise die Farbe von Tod. Rot aber wird buchstäblich überall positiv wahrgenommen. Im Wesentlichen ist es die Farbe von Leidenschaft und Liebe, in Asien ist Rot verbunden mit Gold, es ist die Farbe von Vermögen und Glück. Abgesehen davon mag ich die Vorstellung, dass die rote Sohle wie ein Blitz wirkt. Ein heller Blitz. Eine Frau, die auf roten Sohlen geht, das bedeutet auch grünes Licht, es ist eine subtile Art, um wahrgenommen zu werden.


Mal abgesehen von der roten Sohle, was unterscheidet Christian Louboutin von Namen wie Manolo Blahnik und Jimmy Choo, mit denen Sie oft in einem Atemzug genannt werden? Was ist Ihr USP?
Ich denke, meine Arbeit hat viel mit handwerklicher Qualität zu tun, mit ganz unterschiedlichen Formen der Handwerkskunst und auch mit unterschiedlichen Kulturen. Und sie hat immer etwas Witziges, Spielerisches. Wenn wir über die DNA meiner Designs sprechen, dann haben sie auch immer etwas Erotisches. Da ist Erotik. Erotik, die die anderen genannten Brands nicht haben. Erotik im Sinne von Filmkunst. Anstatt erotisch könnte man auch fotogen sagen. Ich gehe anders mit Körpersprache um. Vielleicht sieht man meinen Schuhen einfach an, dass ich Nacktheit über alles liebe.
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