Die Zeiten sind wie sie sind. Vor allem sind es aber Zeiten, in denen man sich nicht erlauben kann, Geld auf der Straße liegen zu lassen. Potenziale nicht zu erkennen, oder fahrlässiger noch, sie nicht zu nutzen. Der Markt für Mode mit Format ist da. Unbestritten. Frauen, die sich für Mode interessieren, gerne shoppen und auch bereit sind, das nötige Geld dafür auszugeben. Die aber trotzdem meistens ohne Einkaufstüten nach Hause gehen. Denn modische Teile in ihren Größen gibt es nur selten in den Geschäften in der Fußgängerzone. 46. 48. 50....

Wir haben Frauen, deren Kleidergröße jenseits der 44 liegt, nach ihrem Einkaufsverhalten gefragt. Wo kaufen sie ein? Was sind die größten Probleme, und welche Tricks haben sie, um dennoch schöne Kleidung zu finden? Der Reality-Check.



Barbara Loos (49), Gestalterin für visuelles Marketing: „Ganz ehrlich, mein Lieblingsladen ist die Große Größen-Abteilung bei H&M. Dort finde ich immer super moderne Hosen. Oberteile sind für mich ein größeres Problem. Oft sind mir die Ärmel in meiner Größe zu weit. Ich kaufe mir die Sachen dann und nähe sie ein bisschen um, mache beispielsweise die Ärmel enger. Im Moment ist die Mode ganz dankbar, denn Lagenlook und auch diese kastigen Pullis passen natürlich besser als eine enge, figurbetonte Mode. Ich würde gerne einfach mal bei Max Mara oder Engelhorn einkaufen gehen. Engelhorn hat eine gute Große Größen-Abteilung, aber alles ist da so abgefahren teuer.“



Sabrina Schumann (28), Einzelhandelskauffrau: „Ich kaufe gerne bei H&M, da passen mir meistens die 46er Größen oder auch XL. Ansonsten bestelle ich viel online besonders bei ASOS Curve und Dorothy Perkins. Wenn ich in die Stadt gehe, dann finde ich immer Unmengen süßer Sachen, doch meistens passt mir nichts davon. Ich habe das Gefühl, dass die Händler Große Größen gar nicht in den Läden haben wollen. Oft sehe ich nur Sachen bis Größe 44. Im entsprechenden Onlineshop findet man dann aber meist doch noch 46 oder 48. Da frage ich mich, warum es das nicht auch im Geschäft gibt?“



Birna Björnsdottir (42), Managing Director: „Kleidung zu kaufen ist für mich frustrierend, dabei bin ich so ein lebensfroher Typ. Jedes Mal wenn ich losgehe, um mir was Schönes zu gönnen, komme ich mit Schuhen nach Hause. Extrem problematisch sind schöne Jeans, die haben oft einen seltsamen Schnitt, wie für Schwangere, mit Dehnbund – grauenhaft! Wenn ich dann in ‚normale‘ Geschäfte gehe, habe ich oft das Gefühl, dass die Verkäuferinnen mich gar nicht bedienen wollen, weil sie sich denken ‚ihr ist eh alles zu klein‘. Wenn ich alles kaufen könnte wie eine dünne Frau, dann wäre ich ein ganz anderer Typ, viel modischer. Ich würde auch viel mehr Geld ausgeben. Aber ich muss eben kaufen, was ich bekomme.“



Sylwia Höhne (35), Studentin: „Das größte Problem bei Mode in meiner Größe ist der Schnitt. Meistens sind die Sachen geschnitten, als wären alle Dicken eine Kastanie mit zwei Streichholzbeinen. Aber das trifft bei mir überhaupt nicht zu. Deswegen würde ich auch niemals bei Ulla Popken kaufen, denn die Sachen sind dort echt schlimm. Marken wie z.B. Zara oder Stefanel beachte ich gar nicht mehr, weil ich weiß, dass ich dort eh nichts finden würde. Ich kaufe viel bei H&M, Bon Prix und C&A. Was ich auch schade finde, ist, dass größere Größen meist nicht reduziert sind. Wirkliche Schnäppchen kann man nur selten machen.“



Lisa Kleer (27), Auszubildende: „Ich habe das Gefühl, dass sich die Größen geändert haben. Neulich habe ich zum Beispiel auch mal was bei Vero Moda gefunden, da hat  früher nie was gepasst. Eigentlich bin ich mit dem Angebot schon zufrieden, aber ich finde es ziemlich deprimierend, dass ab Größe 44 schon „Große Größen“ drauf steht. Was mir auch nicht gefällt ist, dass viele größere T-Shirts so eine komische Glocken-Form haben. Das verstärkt doch die Problemzonen noch. Ich kaufe gerne bei H&M, C&A, aber auch bei Primark. Gerne würde ich auch einfach mal bei Zara shoppen, aber das geht leider gar nicht.“



Ilona Manz (47), Einzelhandelskauffrau: „Ich gehe gerne zu Karstadt oder Kaufhof, bei Ulla Popken ist mir die kleinste Größe noch zu groß, und die Sachen gefallen mir auch nicht. Ich bin eher ein sportlicher Typ und würde mir gerne mal eine modische Jeans zum Beispiel von Replay kaufen. Leider ist bei 42 oft Schluss, und auch T-Shirts sind mir dort zu eng. Ich verstehe das nicht, der Bedarf ist ja da, aber die Industrie hinkt da total hinterher. “



Sarah Klein (35), Flugbegleiterin: „In der Stadt ist es eine Katastrophe, Beispiel Einkaufszentrum MyZeil in Frankfurt – hier gibt es keinen einzigen Laden, in dem ich einkaufen kann. Früher war ich schlanker, da habe ich gerne bei Zero, Esprit, Marc O’Polo, Street One oder S. Oliver eingekauft. Besonders schlimm finde ich die Situation bei Unterwäsche und Sportbekleidung. 50 Euro für einen hässlichen Slip in meiner Größe – das sehe ich nicht ein. Eigentlich sollen ja vollschlanke Menschen Sport machen. Aber Sportfunktionskleidung gibt’s nicht! Ich fahre viel Rad und trage dazu immer Funktionskleidung für Männer, da selbst das Frauen XXL einfach viel zu klein ist.“



Eine ausführliche Analyse des Marktes lesen Sie in der TextilWirtschaft 44 vom 01. November 2012. Die digitale Ausgabe steht bereits am 31. Oktober 2012 ab 18 Uhr als Download im iTunes-Store zur Verfügung.