Der Look der Monarchie wird oft belächelt: zu antiquiert die kniebedeckten Röcke, zu possierlich die überladenen Hüte der Royals bei öffentlichen Auftritten. Und überhaupt: die Verehrung der Blaublüter scheint nicht mehr zeitgemäß. Trotzdem gibt es noch eine Reihe von Ländern, die von Königs&Co regiert werden. Zum Beispiel die deutsche Handelslandschaft. Hier herrscht König Kunde. Doch die Laune des Monarchen ist schlecht in diesem Jahr.

Grund dafür sind in erster Linie die Sortimente: Zu vorhersehbar, zu langweilig, zu konstruiert. Die Vorhut klopft dieser Tage laut an die Ladentür, im Gepäck die ersten Liefertermine für die neue Saison. Währenddessen wird es eng im Sommerlager, wo sich die rotgepreisten Restanten stapeln. Rückblickend wird deutlich: Vielerorts hat der Mut gefehlt, die Sortimentsstruktur grundlegend zu modifizieren. Dabei waren die Aufgaben für Frühjahr/Sommer doch eigentlich ganz klar formuliert: Flächenpartnerschaften sollten überdacht und neuen Labels als Motor für Inspiration ein Platz im Sortiment gegeben werden.

Glanz: Einer der verzweifelt gesuchten Trends. Foto: Asos
Glanz: Einer der verzweifelt gesuchten Trends. Foto: Asos
König Kunde will aktuelle Trends reflektiert und kundenspezifisch beim Händler seines Vertrauens finden. Seine Wünsche waren dem Hofstaat schon vor der Orderplanung bekannt. Umso bitterer die Enttäuschung als klar wurde, dass auf vielen Flächen alles beim Alten blieb. Verzweifelt gesucht waren Metallics und Drucke, ein frischer Dreh bei Blazern und Blusen sowie neue Styles wie Sarouel-Hosen und Vokuhila-Oberteile. Für das Ergebnis fehlender Flächenverjüngung stehen nun volle Läger und hohe Abschriften. Wen wundert es, dass König Kunde nicht zugreift, wenn die zentralen Artikel im Sortiment fehlen, um einen neuen Look zu definieren?

Jetzt sorgen magere Umsätze zum Ende der Saison landauf, landab für lange Gesichter bei den Verantwortlichen, und zwar vorrangig dort, wo das Quäntchen Mut bei der Order gefehlt hat. Sicherlich: König Kunde hat zunehmend hohe Ansprüche. Heute schon sucht er im Geschäft nach dem It-Teil, das er erst gestern im Modemagazin gesehen hat. Wird er nicht fündig, kauft er nicht. Schnell soll es also gehen, auch im stationären Einzelhandel. So wünscht es der König. Der Weg vorbei an Entwicklung, Produktion, Einkauf und Auslieferung ist lang, doch das interessiert den Monarchen nicht. Warum hängt das It-Piece immer noch nicht in der Rückwand des örtlichen Modehauses? Bei den Vertikalen klappt es doch schließlich auch.

Trotzdem ist eines ganz klar: Aufgeben zählt nicht. Zu groß ist das Potenzial der Modehäuser, mit dem sie den Vertikalen die Stirn bieten können. Spannende Sortimente, eine durchdachte Wareninszenierung sowie engagierte und informierte Verkaufsmitarbeiter sind die Stellschrauben, an denen kräftig gedreht werden kann und muss. Für die anstehende Orderrunde geht es einmal mehr darum, Mut zu beweisen, um für Überraschungen auf den Flächen zu sorgen und Inspiration zu zeigen. Sicherlich hat dann auch König Kunde wieder gute Laune und kauft.