Der Jugendwahn hat ein Ende. Denn die Menschen in Deutschland werden immer älter. Alterspyramide, Altersschere und demografischer Wandel – das sind die Schlagworte, wenn es um die Gesellschaft der Zukunft geht. Das alles ist nichts Neues. Doch es wird langsam Zeit, sich mit diesen Fakten auseinanderzusetzen. Was das konkret heißt: Die neuen Zielgruppen sind Menschen jenseits der 50. Sie haben Geld, aber keine Zeit. Und sie shoppen gerne – online wie offline. Das zumindest sagt die Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen. Das renommierte Zukunftsinstitut beruft sich dabei auf statistische Daten, die, richtig ausgewertet, auch für die Textilbranche wichtige Informationen bergen.

Diese neuen Zielgruppen haben oft keine Kinder und deshalb besonders viel Geld zur Verfügung. Doch sie sind deshalb nicht automatisch verschwenderisch. Im Gegenteil. Durch zahlreiche Wirtschafts- und Finanzkrisen haben sie gelernt, zu sparen. Sie leben die „Luxuse“, wie die Stiftung für Zukunftsfragen es nennt. Sie kaufen bei Aldi ein, gönnen sich aber gleichzeitig ein Essen in einem schicken Restaurant. Oder anders gesagt: Sie kaufen günstige Basics bei H&M, gönnen sich dann aber die Handtasche von Louis Vuitton. Generell werden Märkte aus dem unteren Preissegment, sowie Luxusprodukte boomen, sagt die Stiftung. Die Kunden sind immer auf der Suche nach dem Besonderen. Produkte aus der mittleren Preisklasse bleiben langfristig auf der Strecke. Ein Produkt muss entweder besonders günstig sein, oder besonders exklusiv, um den Kunden der Zukunft zu überzeugen.

Zeit wird die kostbarste Ressource der Zukunft – auch das geht aus der Studie hervor. Deswegen sind neue Shoppingkonzepte gefragt. Jetzt kommt es darauf an, spannende aber zeitsparende Shopping-Modelle zu entwickeln. Im besten Fall mit Erlebnisfaktor oder Wohlfühlcharakter. Denn durch die Verknappung der Freizeit soll der Einkauf immer etwas Besonderes sein. Curated-Shopping-Angebote, herausgestellte Highlights und neue Visual Merchandising-Ideen sind gefragt. Unübersichtliche Sortimente auf großen Flächen passen nicht mehr. Der Kunde von morgen wird außerdem durch intensive Internetnutzung zunehmend informiert sein. Eine intelligente Verzahnung von online und offline wird unumgänglich. iPads für das Verkaufspersonal und Lounges mit Internetzugang für die Kunden sind nur zwei mögliche Beispiele.

Es gilt, diese Zielgruppe mit passenden Angeboten und Produkten in den Fokus zu nehmen. Hier steckt das Geld der Zukunft. Und die Deutschen haben Lust auf Shopping. 44% würden gerne öfter einen Einkaufsbummel machen und 33 % hätten Lust auf mehr Onlineshopping. Bei der Frage nach Konsumwünschen liegt Kleidung auf dem vierten Platz, hinter Reisen, Wohnen und Essen. Interessant sind auch die Shopping-Gewohnheiten: Die meisten Deutschen, nämlich 29% kaufen Kleidung „mehrmals im Jahr“, gefolgt von „einmal pro Monat“ (19%). Verglichen mit dem Wunsch nach öfterem Shopping ist also noch Luft nach oben. Ganze 14% geben allerdings an, Kleidung seltener als einmal jährlich zu kaufen. Ob man sie jemals zum Shopping bewegen wird, bleibt fraglich.