Wer zum Oktoberfest möchte, muss nicht zwangsläufig nach München fahren. Ebenso ist es mit der Trachtenmode. Dirndl und Lederhosen sind nicht mehr nur im Heimatverein beliebt. Seit Saisons ist ein regelrechter Hype um Trachten entfacht. Die Masse hat Gefallen daran gefunden. Und auch die Modewelt. Wie zum Beispiel Karl Lagerfeld, der vor einiger Zeit eine Dirndlkollektion herausbrachte.

Mittlerweile gibt es neben den traditionellen Trachten aus dem Fachgeschäft preisgünstige Varianten vom Discounter bis hin zu Haute-Couture-Kreationen. Wer kauft was wo und warum? Der Reality-Check.

David Fahnenbruck (26), Student, Gießen: „Ich besitze keine Lederhose oder ähnliches. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ich in nächster Zeit Trachtenkleidung kaufen werde. Für ein entsprechendes Event wie das Oktoberfest wäre das vielleicht denkbar. Aber eigentlich möchte ich nicht so viel Geld für etwas ausgeben, das ich höchstens ein Mal im Jahr tragen werde. Alles über 80 Euro wäre mir da schon zu viel.“

Angelika Huber (59), Zahnärztin, Heidelberg: „Ich komme aus Bayern und deshalb besitze ich ziemlich viel Trachtenmode, etwas für jeden Tag. Zu meiner Garderobe gehören Janker, Strickjacken oder ein Leinengehrock. Letzteren habe ich erst vor drei Wochen in einem Fachgeschäft in Bayern gekauft. Ich besitze auch ein Dirndl, aber das trage ich eher selten. Wenn ich Trachtenmode kaufe, lege ich großen Wert auf Qualität. Außerdem muss es klassisch sein, man muss es im Alltag tragen können. Für solche Teile gebe ich 600 bis 700 Euro aus.“

Lea Alb (16), Schülerin, Frankfurt: „Ja, ich besitze ein Dirndl. Das habe ich mir vor zwei Jahren extra für das Oktoberfest hier in Frankfurt gekauft – und es passt immer noch. Wichtig war mir, dass es individuell und besonders ist. Meine Mutter hat mich beraten, sie besitzt selbst mehrere Dirndl. Müsste ich mir ein neues Dirndl suchen, würde ich zu Peek & Cloppenburg gehen. Dann würde meine Wahl wieder auf ein auffälliges Modell mit guter Passform fallen. Preislich gäbe es kein Limit. Wenn es mir gefällt, kaufe ich es.“

Felix Ulreich (70), Arzt, Frankfurt: „Ich trage Trachtenmode gern im Alltag. Beim Einkaufen gehe ich immer in Fachgeschäfte. Zuletzt habe ich mir etwas bei Tostmann in Wien gekauft. Das war vor einem Jahr. Lederhosen trage ich allerdings nie. Dafür gehören Janker, Hüte, Krawatten und Hemden zu meiner Trachtengarderobe. Dabei lege ich vor allem Wert auf Authentizität und Qualität. Darauf kommt es meiner Meinung nach bei Trachtenkleidung an. Durchschnittlich gebe ich dann 600 bis 800 Euro aus.“

Stefan Beismann (39), COO, Frankfurt: „Ich besitze keine Trachtenmode, aber ich könnte mir schon vorstellen, dass ich mir fürs Oktoberfest irgendwann mal eine Lederhose zulege. Generell sehe ich da aber zu wenig Anlässe. Mit dem Angebot habe ich mich auch noch nicht wirklich auseinandergesetzt. Ich weiß nur, dass es bei Stierblut in München ganz coole Trachtenmode gibt. Für ein gutes Teil kann man meiner Meinung nach bis zu 300 Euro ausgeben, aber nur wenn Material und Verarbeitung stimmen.“

Inga Kramer (34), Verkäuferin, Frankfurt: „Ich besitze eine litauische Tracht, die habe ich von meiner Oma geschenkt bekommen. Sie besteht aus einem langen Rock und einer speziellen Bluse. Ich habe sie ein paar Mal getragen, auf Volksfesten in Litauen. Aber gekauft habe ich selbst noch keine Trachtenmode. Wenn dann würde meine Wahl auf eine kurzärmelige Bluse fallen, die man auch mal im Alltag tragen kann. Ausgeben würde ich so 40 bis 50 Euro, bei Handarbeit natürlich mehr. Sowas kaufe ich dann im Fachgeschäft, nicht bei H&M und Co.“

Shirin Lemonde (51), Hotelfachfrau, Lausanne: „In meinem Kleiderschrank befindet sich keine Trachten, dafür in dem meiner Mutter. Die Stücke sind meistens doch recht teuer. Ich kann mir aber vorstellen, mir etwas zum Ausgehen zuzulegen. Also etwas Richtung Abendmode. Dann würde ich gezielt nach einem Dirndl schauen. Am besten im Fachhandel, in kleinen Läden. Am liebsten hätte ich eines in einer hellen Farbe, in Rosa zum Beispiel. Qualität und Schnitt sind wichtig. Dann bin auch bereit, mehr auszugeben. Bis zu 700 Euro wären okay.“

Umfrage: Laura Diegelmann