Menswear is the new womenswear. Klare Ansage. Toby Bateman, Chefeinkäufer bei Mr Porter, ist überzeugt davon, dass die HAKA in den kommenden Saisons viel mehr an Raum gewinnen wird. Und nicht nur er: Handel und Industrie wollen kräftig investieren, um Menswear-Kompetenz zu zeigen. Mehr Labels, größere und neue Flächen. Medial gepusht mit Serien wie Suits. Gibt es die Nachfrage dafür? Wie sehr hat sich das Bewusstsein der Männer für Mode geändert? Wie viel Geld investieren sie in Mode, und welche Läden sind bei ihnen besonders angesagt? Der Reality-Check.

Jan Stelzer (20), Banker: „Ich war schon immer modebewusst. Mir ist aber aufgefallen, dass die Männer immer mehr auf sich und ihr Aussehen achten. Wenn ich am Ende des Monats noch genug Geld zur Verfügung habe, gebe ich es auch gern für Kleidung aus, das sind dann im Schnitt 100 Euro. Inspiriert durch Online Werbung ziehe ich los. Allerdings bin ich kein Schnäppchenjäger, sondern kaufe das, was mir gefällt, egal wie viel es kostet. H&M und Jack&Jones sind dabei meine Hauptanlaufstellen.“

Brani Andrejevic (50), Diplom Informatiker: „Ich habe mich in den letzten Jahren sehr entwickelt: Mein Aussehen und meine Kleidung sind mir sehr wichtig geworden. Deshalb bin ich weg von den Anzügen hin zu schicker Casualmode.Übrigens ist mein ganzer Freundeskreis heute viel modebewusster als früher. Hauptsächlich gehe ich zu Bailly Diehl, wo ich mich beraten  lasse, was gerade in ist. Im Monat geben ich dann für Bekleidung  500 bis 800 Euro aus. Zusätzlich würde ich mich über einen  Dondup oder Drykorn Store in Frankfurt sehr freuen.“

Patrick Star (20), Schüler: „In der Schule achte ich nicht besonders auf mein Aussehen, da gehe ich auch mal in Jogginghose hin. In meiner Freizeit hingegen ist es mir wichtig, gut angezogen zu sein. Dass es bei anderen Männern ähnlich ist, glaube ich aber nicht. Die meisten Outfits anderer Männer, die ich auf der Straße sehe, gefallen mir nicht. Deswegen habe ich eher das Gefühl, dass die Männer sich in Bezug auf Mode zurückentwickelt haben. Gerade auf Schuhe lege ich besonderen Wert und gebe dementsprechend viel dafür aus. 300 bis 400 Euro im Monat sind da schnell weg. Zu meinen Lieblingsläden gehört natürlich der Nike Store, Klamotten kaufe ich aber auch bei Zara und P&C.  Ich unterhalte mich viel mit Freunden über die angesagten Trends und informiere mich zusätzlich im Internet.“

Thorsten Drescher (38), Filialleiter: „Ich bekomme oft Komplimente von Frauen, dass ich gut angezogen bin, dementsprechend halte ich mich schon für modebewusst. Die Männer, die beruflich mit Mode zu tun haben oder aus der Stadt kommen achten generell mehr auf ihr Aussehen als die Männer auf dem Dorf. Da ich meine Größen gut kenne und einschätzen kann was mir steht, bestelle ich viel im Internet, beispielsweise bei Ebay. Außerdem habe ich ein Händchen für Schnäppchen, sodass ich von Freunden schon oft um das ein oder andere günstig ergatterte Teil beneidet wurde. Ansonsten bin ich auch gerne mal in Second- Hand-Läden unterwegs, zu Primark hingegen würde ich niemals gehen. Alles in allem geben ich im Monat ca 200 Euro für Mode aus.“

Thomas Hoeneß (45), Marktforscher: „Ich finde in den letzten Jahren hat sich gerade bei den jungen Männern in Sachen Modebewusstsein was getan, wohingegen vor allem die deutschen, älteren Männer meiner Meinung nach Modemuffel sind. Mode und Bekleidung haben in meinem Leben schon immer eine große Rolle gespielt. Daher gebe ich auch gerne Geld für Bekleidung aus. Wenn ich im Schaufenster etwas sehe, das mich anspricht, dann will ich das unabhängig vom Preis haben. In einem Monat können das dann mal 500 bis 600 Euro sein, im nächsten gebe ich wieder gar nichts aus. Die Ralph Lauren- Abteilung im P&C ist toll, vor allem weil ich dort immer gut beraten werde. Bei Hugo Boss kaufe ich meistens meine Unterwäsche ein, manchmal auch Hemden. Was mir in Frankfurt ein bisschen fehlt, sind die kleinen Boutiquen, die ihre eigenen Kreationen verkaufen. Trends interessieren mich nicht, ich  trage meinen ganz individuellen Stil.“

Kaweh Fallahzadeh (23), Student: „Seitdem ich von zuhause ausgezogen und selbständiger geworden bin, ist mein Interesse an Mode stetig gestiegen. Ich gehe gerne shoppen und kaufe mir neue Sachen, vor allem bei Bershka und H&M. Dort finde ich immer was, auch wenn ich nur wenig Geld ausgeben will. Schade nur, dass es nicht mehr Läden mit dieser Stilrichtung gibt. Wenn ich mal mehr Geld zur Verfügung habe, kaufe ich mir auch mal was von Diesel. Zudem finde ich, dass das Angebot an Bekleidung für Männer bei Weitem nicht so vielfältig und ansprechend wie das für Frauen ist. Die Herrenabteilung ist leider meistens viel kleiner als die der Damen.“

Richard Schwarz (43), Verwaltungsfachangestellter: „Das Modebewusstsein unserer ausländischen Mitbürger, vor allem der Italiener und Türken, überträgt sich zunehmend auf die deutschen Männer. Ich selbst war vor fünf Jahren noch nicht so sehr an Mode interessiert wie ich es heute bin. Bei meiner Suche nach modisch ansprechenden Kleidungsstücken lasse ich mich sowohl von Menschen, die ich auf der Straße sehe, als auch von Internet- und TV-Werbung inspirieren. Trotzdem bin ich auf keine bestimmten Läden oder Marken fixiert. Mal kaufe ich bei Primark billig ein, dann wieder bei Anson’s oder im Einkaufszentrum MyZeil die hochwertigeren Kleidungsstücke. Im Großen und Ganzen komme ich dann auf 200 Euro im Monat, die ich in Mode investiere.“




Umfrage: Barbara Gundling