Die Frequenz im Handel ist niederschmetternd. Es sind zwar viele Personen unterwegs, aber sie kaufen kaum. Was könnte sie dazu verführen? Kunden wollen neue, spannende Läden abseits vom Mainstream. Ansprechende Präsentationen. Ehrliche Beratung.

Detlef Stoffel, Foto: Grey Hutton
Detlef Stoffel, Foto: Grey Hutton
Detlef Stoffel (62), Berater und Projektmanager, Bielefeld:
Mich lockt die Vielfalt, die Lebendigkeit in die Stadt. Ich möchte dort Neues entdecken. Ich gehe auch lieber in die Stadt als in Shopping-Center, die sind mir meistens zu glatt. Aber auch in der City fehlen spannendere Läden, es gibt einfach zu viel Mainstream, zu wenig Aufregendes. Ich wünsche mir mehr Geschäfte, die nicht nur einer Marke oder einem Stil verpflichtet sind. Ich wünsche mir auch mehr Kultur in der Innenstadt. Heute sind die Kinos in großen Cineplex-Centern am Rande der Stadt. Früher gab es in den Fußgängerzonen mehrere Kinos, jetzt sind Klamottenläden drin, leider eher langweilige. Am stationären Handel schätze ich die Haptik. Gerade beim Kauf von Bekleidung kann das kein noch so ausgeklügelter Online-Shop ersetzen. Auch die Möglichkeit, mehrere Artikel direkt nebeneinander zu legen und zu vergleichen, gibt es nur in richtigen Läden. Und schließlich schätze ich gute Beratung und nette Verkäufer. Diese Form der direkten Kommunikation lässt sich einfach nicht ersetzen.

Lukas Kröger
Lukas Kröger
Lukas Kröger (15), Schüler aus Berlin:
Mich locken am ehesten Elektronik-Läden wie Media Markt und Saturn in die Innenstadt.

Bernd Hielscher
Bernd Hielscher
Bernd Hielscher (40), Psychologe aus Berlin: Ich lasse mich gern in den Trendstores von Mitte inspirieren, schaue mal bei Boss vorbei oder bei Fred Perry. Ich mag auch die kleinen, individuellen Läden mit Berliner Designern und quatsche gern mit Leuten, die einen guten Blick haben. Das Persönliche, vor allem richtig gute, charmante Beratung. Das schätze ich am stationären Handel.

Martin Reifenrath
Martin Reifenrath
Martin Reifenrath (23), Student aus Frankfurt: Studentenfreundliche Freizeitangebote, Rabatte, weil man sich die Ware ja praktisch selbst abholt. Mir fehlt eine bessere Struktur. Was ich bei Google in zwei Sekunden finde, muss ich in der Stadt zwei Stunden suchen.

Judica Albrecht
Judica Albrecht
Judica Albrecht (40), Schauspielerin aus Berlin: Ich kaufe gar nicht online. Ich nutze das Internet nur für die Arbeit. Bekleidung muss ich sehen, fühlen, probieren. Werbung für schöne Dinge spricht mich an. Wenn ich in der Vogue neue Trends und neue Kollektionen sehe, bekomme ich auch Lust zu shoppen. Edle Läden, nette Atmosphäre gute Aufenthaltsqualität – so was lockt mich in die Stadt. Ich schätze am stationären Handel das Persönliche, Individuelle, eine interessante Auswahl und eine ansprechende Präsentation. Bedienung und Beratung sind mir nicht so wichtig. Ich liebe es, allein zu entdecken und zu stöbern, aber ich will inspiriert werden.

René Leibold
René Leibold
René Leibold (45) Geschäftsführer, lebt am Ammersee: Der Mehrwert, sich mit Freunden zum Kaffee zu treffen, lockt mich. Oder ein Apple-Store. Das ist ein POS, der mich anspricht. Ich mag kleine, individuelle Geschäfte, zu deren Inhabern ich eine persönliche Bindung aufgebaut habe. Ich fände es schön, wenn es noch mehr individuellere Geschäfte gäbe. Concept Stores, so wie in München im Glockenbachviertel, die aber noch bezahlbar sind. Von dieser Art Läden gibt es vor allem in Kleinstädten immer weniger. Der Reiz zum Window-Shopping fehlt dort völlig. Shopping-Center hasse ich. Wenn ich in Berlin die Wahl habe zwischen einem Bummel in Mitte oder in dem Einkaufszentrum am Potsdamer Platz, fällt meine Entscheidung immer auf Mitte. Den Einkaufszentren fehlt es an Charakter.

Michaela Driessen
Michaela Driessen
Michaela Driessen (33), Brand Manager Konsumgüterindustrie aus Frankfurt: Ich gehe gerne in die Stadt zum Zeitvertreib und wegen des Spaßfaktors – Kleidung anzuschauen, anzufassen und anzuprobieren bereitet mir einfach Freude. Manchmal lockt mich auch der Sale in die Stadt, oder ich sehe ein tolles Teil in einer Zeitschrift oder an einer Freundin, das ich dann gerne selbst mal probieren möchte. Ich vermisse eine Alternative zu P&C. Der H&M-Generation bin ich entwachsen, und wenn ich etwas Business-Taugliches suche, das gleichzeitig modisch ist, tue ich mich schwer. Zwischen T-Shirt mit Jeans und Anzug fehlen mir noch attraktive Angebote.