Es ist ein bisschen wie bei der Tankstelle: Es steht zwar Benzin drauf, aber ihren Gewinn machen die Pächter schon lange vor allem mit Chips, Zigaretten und Bier. Vom netten Zusatzgeschäft zur Umsatzbank. Das gilt auch immer mehr für Accessoires und Schuhe. Kaum ein Modehändler verkauft heute nur noch Kleidung. Der Schuh zum Kleid, die Kette zur Bluse – die Kunden verlangen nach gut zusammengestellten Outfits. Und nach frischen Namen bei Taschen, Schuhen und Schmuck. Für alle, die auf der Suche nach Accessoires für ihr Sortiment sind: Labels to watch, zusammengestellt von der Moderedaktion der TW.



Charlotte Simon.
„Mich begeistert die markante Haptik einer klassischen Panzerkette genauso wie das Zierliche und Leichte“, sagt Charlotte Simon, die bereits 2011, während ihres Grafikdesign-Studiums, Schmuck entwarf. Und so geben in ihrer Kollektion abwechselnd mal starke Panzerketten, aber zusammengefügt zu einer weichen, flexiblen Form, den Ton an, mal sehr fein gearbeitete Ketten, Armbänder, Ringe und Ohrringe. Wie in Simons letzter Roségold-Kollektion „Casual Rose“, die sie aus rosévergoldetem Silber in ihrem Berliner Atelier fertigt. VK-Preislagen: im Schwerpunkt zwischen 29 und 39 Euro. Die Kollektion wird seit neuestem durch ein überschaubares Programm an Leder-Accessoires, Taschen, Gürteln und Portemonnaies ergänzt.



Mum & Co.
Der Rucksack als Statment. Der Zugbeutel als Statement. Der Shopper als Statement. Das funktioniert mit klarer Silhouette, minimalistischem Design und hochwertigem Leder. Auf diese Komponenten setzt „Mum“ aka Dorota Bielska bei ihren Entwürfen, zu denen sie ihre beiden Töchter Kasia und Agata animierten. Seit dem Gründungsjahr 2012 wird im Warschauer Atelier alles von Hand gefertigt. Von Mum und ihren Töchtern. Zum Beispiel die abgeräumte Clutch im Patch aus zartroséfarbenem Glatt- und Veloursleder für rund 65 Euro EK. Oder der cleane Shopper aus grauem Rauleder für 72 Euro. Oder aber der von Kurierfahrern inspirierte Rucksack für knapp 150 Euro, wahlweise in pudrigem Rosa oder Grau. Zum Herbst sollen mehr Farben zum Einsatz kommen, die auch Männer ansprechen. E-Mail: contact@mumand.co.



Stilnest. „Designerschmuck zugänglich machen. Sowohl vom Preis her als auch vom Wissen – das ist unser Ansinnen“, beschreibt Geschäftsführer Julian Leitloff die Idee hinter dem 2013 gegründeten Hightech-Schmucklabel. „Wie andere nach Büchern suchen, suchen wir nach internationalen Künstlern“, so Leitloff weiter. Deren Entwürfe werden dann über CAD (Computer Added Design) in Schmuckstücke verwandelt, zum Teil aus hochmodernen Materialien, die unter anderem im Dental-Bereich zum Einsatz kommen, aber auch aus Sterling-Silber. Mit jedem Stück wächst die Kollektion. Massivere Objekte kosten um 150 Euro, eine größere Kette um 230 Euro. Die Lieferzeit beträgt drei bis sechs Wochen.



Icon brand. Cooler Schmuck für hippe Typen. Das hat Icon Brand aus Australien zu bieten: wie Lederarmbänder mit Holzperlen, rustikale Ringe oder Lederhalsbänder mit Totenköpfen aus legiertem Zink. Aber auch geprintete Caps und Canvas-Portemonnaies finden sich in zwei umfangreichen Kollektionen pro Jahr (rund 250 Teile pro Saison). Kunden wie Fronlineshop, Urban Outfitters, Wormland, Asos, Topman und Peoples Place, Wiesbaden, gehören zu den ersten Kunden des Labels, das im deutschsprachigen Raum von der Agentur P4, Düsseldorf, vertreten wird. Im EK liegt Icon Brand bei acht bis 15 Euro.



B.U. Ein Schutzengel oder anderer Talisman an einem zarten Armband, ein Amethyst oder Art déco-Symbol an einer filigranen Kette, Armreifen mit kurzen Sinnsprüchen und klaren Aufforderungen. So lassen sich Wünsche, Träume und Hoffnungen mit am schönsten ausdrücken. Durch Schmuck. Solche Pretiosen, aus Sterling-Silber gefertigt, zum Teil vergoldet, sind Teil der Kollektion von B.U. (für „be you“), dem Schmuck-Label für junge Frauen mit Sitz im US-amerikanischen Pittsburgh. Hinter B.U. steht Mary Steratore, die nach dem Archälogie-Studium nach Rom ging, um zu malen und Skulpturen zu fertigen. Den Schmuck sieht sie als konsequente Fortsetzung ihrer kreativen Arbeit. Gefertigt wird in Italien und Pittsburgh, geliefert innerhalb von acht Wochen. EKs: 20 bis 30 Euro. Über P4, Düsseldorf.



Filling Pieces. Alle Welt will Sneaker. Da kommen neue Namen gerade recht. Wie Filling Pieces. Das Label aus Amsterdam verspricht gute Qualität zu guten Preisen – bei High- wie Low-Tops, bei cleanen Retro-Modellen wie modernen Hybriden. Die in einer kleinen Manufaktur in Portugal gefertigten Modelle für Damen und Herren kosten, bei einer Marge zwischen 2,8 und 3,0, zwischen 65 und 100 Euro im EK. 2009 von Guillaume Philibert gegründet, kommt Filling Pieces jetzt über Brandpool, Offenbach, auf den deutschen Markt. International findet man die Kollektion bei 10 Corso Como in Mailand, Colette in Paris, oder in dem New Yorker Footwear-Store Kith. Zum Sommer 2015 sollen 50.000 Paar in Produktion gehen. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst: Denn in der Saison kann nichts nachbestellt werden.



Gregio.
Die Kollektion des in Athen sitzenden Familienunternehmens ist vor allem eines: umfangreich. 1800 Teile, und jeden Monat kommen neue dazu. In Griechenland ist Gregio an über 250 Verkaufspunkten zu finden – und kommt jetzt über die Schmuckagentur Marco Meducci nach Deutschland. Die Hand der Fatima und ähnliche Symbole, die die Mythologie zitieren, finden sich an Armbändern, Ketten und Ringen, die aus 18 Karat vergoldetem Silber gearbeitet sind. Der Set-Gedanke ist in der Kollektion stark ausgeprägt, allerdings bilden Armbänder den Schwerpunkt der Kollektion. Sie liegen – bei einer Marge von 2,5 – zwischen 47 und 74 Euro im VK.



Giordana Castellan.
In den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten hat sich Giordana Castellan bereits einen Namen gemacht. Nun kommt sie über die Schmuckagentur Marco Meducci auch nach Deutschland. Skulpturale Linienführung und avantgardistische Anmutung der Schmuckstücke entstehen durch die Methode des sogenannten Electroforming, die selbst sehr große Entwürfe leicht und tragbar macht, obwohl sie beispielsweise aus Silber gearbeitet sind und mit 18 Karat 2,5-fach vergoldet werden. Die Kollektionen sind themenbezogen, spielen häufig mit architektonischen Elementen und können von Kunden mit Hinblick auf die Auswahl von Steinen und Oberflächen (matt oder glänzend) individualisiert werden. VKs: 120 bis 860 Euro, Marge: 2,5.

In der TW 30 vom 24. Juli 2014 beleuchtet das große Schuh- und Accessoires-Spezial das Segment en detail: Status quo, Preisentwicklungen, Produktkonjunkturen, Topseller, Trends und Potenziale. Die digitale Ausgabe steht bereits am 23. Juli 2014 ab 18 Uhr als Download im iTunes-Store zur Verfügung.