Acht Messen gibt es derzeit in Berlin. Wer alle in drei Tagen abklappern will, muss sich ranhalten. Eigentlich kaum zu schaffen. Oft sind es dann die kleinen Messen, die vom Timetable fallen. Doch gerade hier gibt es viel zu entdecken: junge Labels, frische Namen, die erst wenig bekannt sind. Oder die in Berlin ihre erste Kollektion überhaupt vorstellen. Schlummerndes Potenzial, das es aufzuspüren gilt. Bei diesen Labels lohnt sich ein genauerer Blick:

Feral Stuff.
Eine Mütze mit austauschbarem Bommel brachte den Hamburger Gründer Trutz von Klodt auf die Idee, Sweats mit wechselbaren Motiven zu machen. Vorher besaß er ein kleines Holzbrillenlabel, das er aber nicht weiterführen wollte. Im Oktober 2013 rief er dann das Label Feral Stuff ins Leben. Feral, was so viel heißt wie wild, ungezähmt, steht für Sweats und T-Shirts, die immer wieder neu kombiniert und dekoriert werden können. Herzstück ist ein Klettverschluss-Dreieck, das nach Belieben ausgetauscht werden kann. Auf der Homepage kann man unter vielen Motiven wählen. Oder ein eigenes Motiv hochladen und sich an sein Shirt kletten. Mittlerweile umfasst die Kollektion auch Hoodies, Beutel und Mützen. Preislich liegen die Produkte zwischen 8 Euro EK für Mützen und 27 Euro EK für Hoodies. Die dreieckigen Patches kosten 6 Euro im EK. Während die Bekleidung in der Türkei hergestellt wird, kommen die Patches aus einer Hamburger Produktion. Mittlerweile gibt es auch schon einen kleinen Feral Stuff-Laden in Hamburg. Der Vertrieb läuft über das Label selbst.


Trinitas/Fun Time.
Im Jahr 2009 taten sich drei Stuttgarter Freunde und Grafiker zusammen, um einige witzige T-Shirts zu gestalten. 2013 entstand dann die erste richtige Kollektion unter dem Namen Trinitas. Die Kollektion ist in Schwarz/Weiß gehalten, hat immer ein bestimmtes Thema und zeichnet sich durch grafische Prints aus. Mittlerweile umfasst die Kollektion auch Hemden, Jacken, Longsleeves und Jogg Pants. Seit 2011 betreibt einer der Mitbegründer außerdem das Label Fun Time, das dem eher düsteren Trinitas etwas Witz entgegensetzt. Auf den Shirts sind witzige Botschaften zu lesen wie „Boys do cry“ oder auch „Live slow, die old“. Es spielt mit einem Augenzwinkern mit der Hip Hop/Ghetto-Ästhetik der 90er. Die Preise reichen im VK von 40 Euro für einfache Shirts bis zu 130 Euro für Sweats mit Allover-Print. Den Vertrieb machen die Stuttgarter aktuell noch selbst.


Whitetail.
Coolen, minimalistischen Style und Nachhaltigkeit zusammenzubringen, das war der Anspruch der aus Estland stammenden Designerin Margit Peura. 2014 hat sie deshalb in Helsinki das DOB-Label Whitetail gegründet und jetzt in Berlin ihre erste Kollektion vorgestellt. Die Kollektion bewegt sich vornehmlich im Farbspektrum Schwarz/Weiß/Grau und zeichnet sich durch klassische Stücke mit Twist aus. Dabei teilt sie sich in zwei Linien. Einmal die Exclusive Collection, zu der eine weiße Seidenbluse mit einem ganz besonderen Kragen aus Bio-Seide ebenso gehört, wie ein wolliger Mantel im Trenchcoat-Style oder ein Oversized Blazer aus kuscheligem Alpaka. Daneben gibt es noch die Basic-Linie mit Rollis, Shirts und Longsleeves. Für beide Linien werden nur Naturmaterialien, wie Baumwolle, Alpaka, Rentierleder und Seide aus nachhaltiger Produktion verwendet. Die Preise reichen von 48 Euro für ein Basic Top aus 100% biologischer Merino-Wolle über 180 Euro für eine Seidenbluse bis hin zu einem Kleid aus nachhaltigem Rentierleder für 354 Euro im EK. Nachhaltige Bekleidung reicht der Gründerin allerdings nicht. Gerade plant sie ein Health Care Projekt in Peru, um die Alpaka-Produzenten vor Ort zu unterstützen.


Nicce.
Gerade mal etwas mehr als ein Jahr alt, aber schon ziemlich erfolgreich – das ist das Londoner Label Nicce. Die lässige Londoner Streetwear kam so gut an, dass sie derzeit schon bei Topman und Asos verkauft wird. Die Kollektion besticht durch cleane aber funktionelle Teile, wie Sweatshirts mit dem prägnanten Nicce-Schiftzug, Print-Hemden, Hoodies und Jacken. Vor kurzem wurde der HAKA-Kollektion auch eine kleine DOB-Kollektion zur Seite gestellt, die vor allem aus Oberteilen mit dem Nicce-Schriftzug besteht. Preislich bewegen sich die Teile zwischen 11 Euro für ein simples T-Shirt und 53 Euro für eine warme Winterjacke im EK. Produziert wird in Nepal. Der Vertrieb läuft aktuell noch über das Label selbst. Sie sind aber auf der Suche nach einer deutschen Vertriebsagentur.


Kancha.
Eine Reise nach Kirgistan markiert den Beginn des Labels Kancha, das für nachhaltig produzierte iPad-cases und iPhone-Hüllen steht. Denn als Tobias Gerhard, einer der drei Gründer des Labels, in diesem Land unterwegs war, faszinierte ihn die Filz- und Stickkunst. Er interpretierte die traditionellen Fertigungsmethoden neu und setzte im Sommer 2013 zusammen mit Sebastian Gluschak und Oskar Kim und dem Designer Jonas Görtz das Konzept im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne um. Herausgekommen sind farbenfrohe iPad-Cases, Portemonnaies und iPhone-Hüllen, die vollkommen nachhaltig produziert sind. Mittlerweile haben sie eine eigene Produktionsstätte in Kirgistan, in der sie nicht nur auf hochwertige Materialien sondern auch auf faire Löhne Wert legen. Jedes Produkt kommt mit vom jeweiligen Hersteller handsignierten Handmade-Label. Die Cases kann man derzeit an 25 POS in Deutschland, Österreich und der Schweiz kaufen, unter anderem auch bei Gravis. Kostenpunkt: kleines Visitenkartenetui 29 Euro VK, iPad-Case 68 Euro VK.


Void watches.
Was macht ein schwedischer Designer mit Ingenieurshintergund – Uhren, was sonst! Das Label Void Watches wurde 2008 von einem Schweden in Hongkong gegründet. Es steht für Uhren Made in China, die einem hohen Qualitätsanspruch genügen. Die Uhrwerke stammen aus Japan, gefertigt wird in Chinas besten Uhrenfabriken. Mittlerweile werden die Uhren an etwas 100 POS weltweit verkauft, vor allem in den USA, Japan und Korea. Jetzt soll auch der Sprung auf den deutschen Markt geschafft werden, was angesichts der schönen Silhouetten und angenehmen Farbkombis auch klappen könnte. Es gibt zwei Haupt-Formen. Einmal eine klassisch runde Uhr für Männer und Frauen in verschiedenen Farben und zwei Größen. Außerdem eine futuristisch anmutende rechteckige Uhr mit Digitalanzeige. Preise liegen bei 66EK/165VK für eine runde Damenuhr und 73 EK/180VK für eine runde Herrenuhr.


Nebel.
Ein Paar aus Hamburg, er Designer, sie erfahren in Marketing und Vertrieb. Ihre bisherigen Arbeitsstationen: Filippa K., Acne und Herr von Eden. Ihr Traum: Ein eigenes Label. Diesen Traum haben sich Hanna Lundvall und Daniel Bartels jetzt mit ihrem Label Nebel erfüllt. Auf der Seek präsentierten sie ihre erste Kollektion. Die Besonderheit: Es handelt sich dabei um eine Unisex-Kollektion, die von Mann wie Frau gleichermaßen getragen werden kann. Wie ihre Arbeitsstationen schon vermuten lassen, ist die Kollektion minimalistisch, nordisch, clean. Schwarz, Weiß und Grau sind die prägenden Farben. Raglanärmel sorgen dafür, dass die Stücke an breiten wie schmalen Schultern gleichermaßen gut aussehen. Ein langes Sweat ist bei ihr ein Oversize-Kleid, bei ihm ein lässiges Shirt. Es gibt alle Stücke in vier Größen, die schlicht 1/2/3/4 heißen. Alles wird in Europa produziert. Dabei legen die Macher Wert auf Nachhaltigkeit und gute Arbeitsbedingungen. Besonders wichtig ist ihnen aber auch hohe Qualität in der Fertigung, was sich durch besondere Schnitte, aufwendige Nähte und gute Passform auszeichnet. Shirts kosten im VK 90 Euro, ein aufwendiger Strickpulli 370 Euro.


AMH.
Seit 2009 gibt es das Label AMH, das nach seinem Gründer Ashley Marc Hovelle benannt ist. Es wurde u.a. schon im Pariser Concept Store Colette verkauft. In Deutschland ist das auf hochwertige Streetwear für Männer spezialisierte Label bisher kaum zu finden. Softe, sehr hochwertige Materialien, Retro-Elemente in den Schnitten und gedeckte Farben zeichnen die Kollektion aus. Besonderen Wert legt der Designer auf Logos und Bilder, die mal als Stickerei, mal als Druck auf der Kleidung umgesetzt werden. Die aktuelle Kollektion steht unter dem Motto „Covered in Daydreams“ und spielt mit Wolkenprints und -stickereien. Produziert wird in Portugal in den gleichen Fabriken, in denen, so Ashley Marc Hovelle, auch für Kenzo und Givenchy genäht wird. Im März soll ein erster Store des Labels in Berlin eröffnen. Basic Shirts kosten 20 Euro im EK, Sweats 48 Euro und ein Sweat mit aufwendigen Wolkenstickereien 90 Euro.

Kyme. Lateinisch: Welle. Und Kyme schlägt auch bereits hohe Wellen. Erst seit drei Saisons ist die Brillen-Kollektion auf dem Markt, und wird in Italien schon als It-Label gefeiert. Eine Kooperation mit MSGM hat Kyme auf den Radar von Bloggern, Stylisten und Einkäufern gebracht. Es gibt zwei Kollektionen im Jahr, mehr oder weniger unisex, mit jeweils zwölf Modellen in verschiedenen Größen, Farbstellungen, Verspiegelungen, Matt/Glanz-Effekten. So ergeben sich jede Saison 105 Kombinationen. Die einfachen Modelle starten im EK bei 57 Euro, aufwändige Styles, zum Beispiel mit Leder oder Neopren bezogene Frames, liegen bei rund 89 Euro. Alles wird in Italien produziert.

Menckel. Noch so eine schwedische Kollektion, die man auf den ersten Blick liebt. Weil sie beides ist: ruhig in der Stilistik und Gesamtaussage, aber kreativ und experimentell im Detail. Die Silhouette ist schmal, kantig, eher androgyn. Suits, Hemden, Bermudas und Mäntel könnten auch aus dem Boyfriend-Kleiderschrank sein. Ein Plus an Stofflichkeit und warme Farben sorgen für Sinnlichkeit. Ausreißer wie Tüll-Lagen und Metallic-Einsätze für Spannung. Die EK-Preise starten bei Shirts und Sweats mit 29 Euro und gehen bis zu 170 Euro für Highlight-Teile wie Mäntel. Der Vertrieb läuft über Maria Westerman Agenturer in Stockholm.