Elf Themenwelten, 840 Aussteller aus 39 Ländern in sechs Hallen. Das war die GDS. Jetzt wird nachgearbeitet: Auf welche neuen Labels lohnt es sich, einen genaueren Blick zu werfen? Eine Auswahl, zusammengestellt von der Mode-Redaktion der TW.

Deux Souliers. Der Name ist französisch, die Linie spanisch, der Look eigenwillig. „Soulier“ ist das weniger bekannte französische Wort für Schuhe. Und „Deux“? Zwei davon ist immer gut. Entwickelt wird die Kollektion in Barcelona, produziert in Alicante. Markante Böden, durchgehende Kreppsohlen, hohe Plateaus mit dickem Absatz und mutiger Materialmix zählen zu den typischen Elementen, die traditionelle Mokassins, Loafer, Monks und Schnürer neu und speziell aussehen lassen. Ein Touch Retro spielt immer rein. Originell sind auch Unisex-Modelle, die zum Teil aus Flanell oder wasser-/feuerfestem Canvas gearbeitet sind. Manche lassen sich per Druckknopf sogar mit Gamaschen ausstatten. Die Linie zielt auf modische Geschäfte und Boutiquen, liegt im EK bei rund 73 Euro und wird in Deutschland vertrieben über Meritxell Guasch, Berlin.



Open Closed. Das italienische Label Open Closed startet in seine erste Saison und setzt dabei auf toughe, schlichte Stiefel und Stiefeletten für Männer und Frauen, vornehmlich in Schwarz. Insgesamt gibt es gut 60 Modelle, alle maskulin, alle handmade in Italy – von Boots im Springerstiefel-Stil über kernige Chelseas bis hin zu nietenbesetzten Bikern. Pro Jahr gibt es zwei Kollektionen. EK um 100 Euro. Der Vertrieb läuft über die Agentur Klauser in München.



Mugnai. Schuhe macht es schon lange, das toskanische Familienunternehmen. Und seit zehn Jahren ist auch das eigene Label nicht nur in Frankreich und den USA erfolgreich. Jetzt soll der deutsche Markt erobert werden. Mit „elegantem, aber keineswegs klassischem Schuhwerk“, wie Massimiliano Mugnai sagt. Spitze, kurze Fell-Stiefeletten, Ballerinen mit kleinem Absatz und Nietendekors, Pumps mit architektonischen Schnitt-Details, aber auch kernige Leder-Sneaker mit rustikaler Sohle – aus der Kollektion lassen sich sehr unterschiedliche Pakete schnüren. Zumal jedes Modell in jedem Material und jeder Farbe erhältlich ist. Die EK-Preise reichen von 75 Euro für Ballerinen bis 140 Euro für Stiefel. Der Vertrieb läuft über MAG, Andrea Greuner und Kerstin Scholten, Düsseldorf.



Aerin. Aerin hat viel von ihrer Großmutter gelernt. Den Sinn für Ästhetik und gute Qualität. Geschäftssinn. Was wahrer Luxus ist. Wie wichtig Fleiß und Ehrgeiz sind. Die Rede ist von Estée Lauder. Die US-amerikanische Kosmetik-Unternehmerin, die sich hocharbeitete und ein Milliarden-Unternehmen hinterließ, das ihren Namen weltweit bekannt machte. Dennoch möchte Aerin nicht nur wegen ihres Namens anerkannt werden. Und so heißt ihre Schuhkollektion, die sie im vergangenen Jahr lancierte, schlicht Aerin. Ein Mix aus amerikanischem Glamour und europäischen Pragmatismus. Im kommenden Winter sind das vor allem lässige Ankle-Boots mit aufwendigem Lasercut. Produziert wird in eigenen Fabriken in Asien. Pro Kollektion gibt es rund 50 Styles, die EKs starten bei 99 Euro und gehen hoch bis 199 Euro. Der Vertrieb läuft über Agentur Evelyn Muth in Düsseldorf.



Tila March. In Paris ist die Kollektion bereits eine Instanz für Kenner, die Macherin, arbeitete jahrelang als Moderedakteurin, bevor sie ihr eigenes Label lancierte. Zunächst ein Taschen-Label. Mit einem innovativen Verschluss in Form einer Büroklammer, begeisterte sie 2006 Einkäufer, Presse und Promis - ihr Durchbruch. Mittlerweile gibt es auch Schuhe unter dem Namen Tila March. Tila ist eine Zusammensetzung aus ihren Vornamen, Tamara, und den Namen ihres Mannes, Nicolas. Im März (March) haben sie sich kennengelernt. Minimalismus, graphische Formen und Origami spielen vor allem für Taschen immer eine Rolle. Für Schuhe lässt sich Tamara Taichman von den 70er Jahren inspirieren. So stehen tubeartige Schäfte, Block- und Keilabsätze im Fokus. Alles wird in Brasilien gefertigt. Die Einkaufspreise liegen bei 100 Euro für Schuhe, bei 130 Euro für Taschen. Der Vertrieb läuft über die Modeagentur Monica Stahr, München.



La Bottega di Lisa. Sie sind runtergewaschen, überfärbt, perforiert, mit Applikationen, Nieten oder Stickereien versehen. Die Rede ist von den detailverliebten und dabei doch so coolen Boots und Schuhen des italienischen Labels Bottega di Lisa. Als Produktionsfirma für namhafte andere Labels verfügt das Familienunternehmen über langjährige Erfahrung in der Schuhproduktion. Seit die Kinder das Ruder in der Firma übernommen haben, gibt es allerdings auch eine eigene Linie, eben mit besagtem Namen. Die Modellpalette reicht von soften Bikerboots, über Herrenschnürer bis zu Ballerinen und Mary Janes. Dem Einfallsreichtum scheinen kaum Grenzen gesetzt. EK-Preise variieren zwischen 75 und 150 Euro. Der Vertrieb läuft über die Agentur Knallgrau in Offenbach.



Yijie. „Ein cooles, trendiges Produkt – nicht zu rough, nicht zu feminin“, so beschreibt Ralf Butz die italienisch-französische Kollektion Yijie, deren Vertrieb für Deutschland, Österreich und die Schweiz er mit seiner Agentur Agents of, Düsseldorf, übernommen hat. Im Herbst 2013 dominiert Schwarz die Farbpalette in der rund 60-teiligen, progressiven Damenschuh-Kollektion, die im EK zwischen 50 Euro für Ballerinen und 175 Euro für eine Stiefelette mit Plexiglasabsatz rangiert. Seinen Showroom hat Yijie in Civitanova (Italien), die Inhaber aber sind Franzosen, in deren Designbüro auch Schuhe für Les Kooples und Iro entstehen. Zwei Kollektionen pro Jahr.



Aliso Lillot. Frischer Wind kommt in den Kreis der Lammfell-Boots: Unter dem Namen Aliso Lillot stellt Ingenieur Dmitrijs Janovics gemeinsam mit seinem Bruder das erste Modell, den Stiefel „Loti“, vor. Zu haben in den drei Farben Rot, Blau und Grün, besticht der Boot außen mit zweierlei Arten italienischer Filzwolle, innen hält er Füße mit grauem Lammfell warm. Eine Goretex-Membran im Vorderfuß-Bereich soll für Wasserundurchlässigkeit sorgen, die Sohle aus Light TPU (thermoplastisches Polyurethan) soll sich weder abnutzen noch verformen. Den goldfarbenen Schmuckknopf an der Stiefelaußenseite zieren zwei in sich verschlungene Blumen, Lilie und Lotusblüte. EK: 100 bis 150 Euro. Email-Kontakt: dimisus@gmail.com.



Chiara Ferragni. Sie ist Italienerin. Und sie ist Bloggerin – mit mittlerweile gut 1,2 Millionen Followern. Doch nur mit Posts und Tweets im Modegeschehen mitzumischen, war Chiara Ferragni irgendwann zu wenig. Daher hat die junge Kreative unter ihrem eigenen Namen nun auch eine Schuhkollektion entworfen. Ob Leo-Sneaker, Glitter-Loafer mit Kussmund, Bootie mit Tiergesicht oder nietenbesetzter Biker – die Kollektion hat keine Lücken, wenn es um Schuhe geht, die gerade Trend sind. Gefertigt wird in Süditalien, EKs starten bei 60 Euro. Es gibt zwei Kollektionen pro Jahr – und erste namhafte Kunden wie Lodenfrey in München. Vertrieb über Agentur Klauser, München.



Binné. Ein ungewöhnlich konsequentes Konzept: Brogues. Nur Brogues. Für Frauen. In allen Varianten. Das ganze Jahr hindurch – immer wieder aufgefrischt und angereichert. Erkennungszeichen von Nina Binné, Hamburg, ist die violette Laufsohle. Daneben frech variierte Lochmuster: Sterne, Peace-Zeichen oder Totenköpfe. Die eleganten, charmanten  Schnürer und Chelseas werden in Portugal produziert. Vertrieb: Landen&Landen, Stephanskirchen. VK: 399 Euro.



Hice. Lammfell-Boots kennt man. Modelle aus Pony- und Kuhfell auch. Aber Stiefel aus Seehundfell? Gleich 20 Varianten davon hat das italienische Label Hice in petto. Mal mit Schnürung, mal mit Knöpfen. Mal in Dunkelblau, mal authentisch gefleckt. Für Damen, Herren und Kinder. Die Silhouette orientiert sich an echten Retro-Klassikern: an Schneestiefeln, wie man sie in den 60er Jahren trug. Der Mehrwert der Hice-Modelle: An der Sohle ist eine umdrehbare Spike-Partie angebracht, so dass auch das schlimmste Schneegestöber kein Problem darstellen soll. „Vielleicht mal eine Alternative zu etablierten Kollektionen in diesem Segment wie Ugg oder Pajar“, sagt Agenturchef Norbert Klauser von Klauser in München, verantwortlich für den Vertrieb des Labels. Im EK liegen zwischen 120 und 140 Euro. Wer Bedenken hat in Sachen Tierschutz: Das Seehundfell fällt – analog zu Lachsleder – in der Seehundfleisch-Produktion als Abfallprodukt an.