Noch spitzer, noch cooler, noch individueller – so müssen modisch progressive Sortimente sein. Nur permanenter Wandel, ständige Bewegung garantiert hier den Erfolg. Immer neue Labels müssen gelistet werden, um den Kunden zu überraschen. Denn sie sind immer infomierter, immer mutiger, immer experimentierfreudiger. Für viele kleinere Händler ist das das Segment der Zukunft. Aber auch die Großen, ob P&C oder KaDeWe, Karstadt oder Galeries Lafayette, setzen auf Contemporary – auf zeitgemäße Looks und Kollektionen zu noch bezahlbaren Preisen unterhalb des Designergenres. Modisch eine Mischung aus französischer Raffinesse, amerikanischer Lässigkeit und skandinavischer Coolness. Die Labels to watch:

Barena.
Das Label ist inspiriert von der Kultur und der Tradition Venedigs. Natürliche Materialien wie Wolle und Leinen werden detailgetreu verarbeitet. Das Ergebnis sind lässige, leichte Teile, die selbstverständlich daherkommen. Es gibt 40 Styles, unter anderem unkonstruierte Blazer mit offenen Kanten, Strickjacken, Leinen-Anzüge, Taschen und Schals. Es entstehen zwei Kollektionen pro Jahr, den Vertrieb für Deutschland hat die Agentur Toepfer in Düsseldorf übernommen. Die EK-Preise für Blazer liegen bei 100 Euro und starten für Jacken ab 189 Euro.

Stutterheim Raincoats.
Wenn’s mal wieder länger regnet. Dann kommt das junge Label Stutterheim Raincoats aus Stockholm zum Zuge. Die Macher haben es sich zur Aufgabe gemacht, historische Regenjackenmodelle neu aufzulegen. Puristisch, handwerklich, haltbar. Ohne großen Schnickschnack. Das Motto der Skandinavier lautet: Swedish melancholy at its driest – schwedischer Schwermut, aufs Trockenste. Damit es dennoch nicht trist wird, kommen die satten Regenjacken nicht nur in klassischem Schwarz oder Weiß, sondern auch in leuchtendem Rot oder Gelb. VK-Preise liegen um die 230 Euro. Daneben gibt es auch robuste Gummistiefel (VK 215 Euro) sowie Armee-Socken (25 Euro). Der Deutschland-Vertrieb läuft über die Agentur Wunschnaht, Seligenstadt.

Ishikawa.
Es könnte ein neuer Stern am Sneaker-Himmel werden. Zumindest ist der Stern das Wiedererkennungsmerkmal der lässigen Stadt-Turnschuhe aus Italien. Der Look ist used und ein wenig abgeratzt bei flachen und knöchelhohen Varianten in Velours- oder Glattleder. Dabei strahlen kontrastfarbene Sterne in Rot oder Blau auf Weiß oder Grau. Das erinnert ein wenig an die Sneaker von Philippe Model oder Golden Goose. Was nicht weiter verwunderlich ist, denn der italienische Macher hinter dem Label, Angelo Lupis, hat zuvor unter anderem für Golden Goose und Diadora Heritage gearbeitet. Sein eigenes Label hat er nach seiner japanischen Freundin benannt. Im VK kosten Ishikawas zwischen 130 bis 180 Euro. Vertrieb: Agentur Klauser, München.

Norwegian Rain.
Eines ist sicher. Es regnet morgen. Oder übermorgen. Die Rede ist von Bergen in Norwegen, der Heimatstadt von Creative Director und Gründer des Labels Alexander Helle. „Bei Regenbekleidung musste man sich bisher aber immer zwischen Style und Funktion entscheiden“, erklärt Helle seinen Ausgangspunkt für sein Projekt Norwegian Rain. So entwickelt er Jacken und Mäntel, die Funktion und Schneiderhandwerk kombinieren. Wiederverwertete Funktionstextilien aus Japan machen die Jacken wasser- und winddicht, bleiben dabei aber luftdurchlässig. Neben klassischen Trench-Coats gibt es ausgefallenere Modelle wie Capes oder Jacken mit drapiertem Stehkragen. Im EK kosten die Jacken und Mäntel 200 bis 440 Euro. Norwegian Rain macht den Vertrieb selbst.

Two Italian Boys
. Zwei Italiener, seit zwei Saisons am Start. Mit einem coolen, unkonventionellen Komplett-Look für Männer. Die Kollektion: Schlanke Anzüge zu Crewneck-Sweats mit Artwork-Print, Samt-Jackets in blitzendem Türkis zu Oberhemd und Schleife, abgeräumte Blackwatch-Mäntel und auch Taschen im gleichen Dessin. Ein Highlight: Der schwarze Wendemantel aus cleanem Neopren außen (oder innen, je nachdem wie er getragen wird) und reichem Moleskin innen. Der Vertrieb läuft bisher direkt über das italienische Label.

BWGH.
Brooklyn We Go Hard - das steckt hinter dem Akronym BWGH. Guter Name für ein Label, das aus Paris kommt. Macht zumindest neugierig. Die Geschichte dazu auch: Das Label, 2010 gegründet, seit 2011 in Deutschland erhältlich, hat mit T-Shirts begonnen, die von Straßenkünstlern aus Brooklyn bedruckt wurden. Mittlerweile ist die Kollektion um Strick und Outerwear gewachsen. Die EK-Preise liegen bei 22 Euro für Shirts, bei 60 Euro für Hemden. Der Vertrieb läuft über Further Development, Berlin.

Harris Wharf London.
Kante zeigen. Und zwar offene Kante. Das ist ein Charakteristikum von Harris Wharf London. Das junge Formalwear-Label besteht seit drei Jahren. Rund 30 Jacken, Blazer und Mäntel umfasst die Kollektion für Männer und Frauen. Immer aus Maschenware, immer ungefüttert und immer auch offenkantig verarbeitet. Für einen progressiv-smarten Großstadt-Look. Preislich liegen Sakkos für Männer um die 130 Euro im EK, Mäntel bei 150 Euro. Der Vertrieb für Deutschland, Österreich und die Schweiz läuft über McAlpine Consulting, München.

Han Kjobenhavn.
Han Kjobenhavn, ursprünglich ein reines HAKA-Label, ist mittlerweile fast bekannter und sehr beliebt für seine markanten Brillen. Wie bei den Shorts, Chinos und Jacken lassen sich die Designer vom 50er Jahre Look und derber Workwear inspirieren. Die Brillen-Rahmen sind kräftig und kantig. Mit dicken Horn-Bügeln wirken die Teile insgesamt robust, aber der Look bleibt immer clean. VK-Preise liegen im Schwerpunkt bei 135 Euro. Auch die Jacken und Sweater kommen allesamt im Workwear-Stil daher. Denimstoffe und andere schwere Materialen werden in cleanen Schnitten verarbeitet und schaffen so eine neue dänische Ästhetik. Der Vertrieb läuft über das Unternehmen mit Sitz in Kopenhagen.

Hien Le.
Er lässt alles in Deutschland mit europäischen Stoffen produzieren und er wird seit seinem Debüt im Sommer 2010 als neues Gesicht des Berliner Minimalismus gefeiert. Zu Recht, Hien Le, der Berliner mit laotischen Wurzeln, überzeugt mit seiner Idee von Modernität und reduzierter Ästhetik. Obwohl er noch am Anfang seiner Karriere steht, kennt er das Business genau. Er hat es aus allen Perspektiven gesehen: Schneiderlehre, Praktika bei verschiedenen Designern, PR-Agent, Moderedakteur, Designstudium. Vielleicht ist es das, was ihn so bodenständig und unprätentiös macht. Wo andere Jungdesigner experimentieren, setzt er auf Tragbarkeit. Der Key-Look für Männer: Wollhose und grob gestrickte Blousons. Hien Le brachte einen Hauch Céline in die Männerwelt. Der Vertrieb läuft über die Agentur V, Berlin.

MSGM.
Das Label kommt aus Italien, wo es zu den Aufsteigern schlechthin gehört. 2008 durch die Partnerschaft von Designer Massimo Giorgetti mit der Paoloni Group gegründet, ist das Label 2010 mit der ersten Kollektion gestartet. Ein wilder, individueller Mix aus Farben, Mustern und Stoffen steht für die typische Handschrift, die internationale Einkäufer von Luisa via Roma, Florenz, bis Matches, London, spontan begeistert hat. In Deutschland ist das Label unter anderem bei Hayashi in Frankfurt erhältlich. Vertrieben wird MSGM über Showroom Grassi, Mailand.

Olasul.
2300 Kilometer unberührte peruanische Küste, türkisblaues Meer und ein Surfbrett – das klingt wie der Traum eines jeden Surfers. Fehlt nur noch die passende Badehose. Das hat sich wohl Lorenz Korder Fort gedacht, als er das Swimwear-Label Olasul ins Leben rief. Inspiriert von seiner peruanischen Heimat hat er das Label gegründet, dessen Name sich aus „Ola“ (= Welle) und Azul ( = Azulblau) zusammensetzt. Verwendet werden ausschließlich sehr schnell trocknende High-Tech-Stoffe, die eigens für die Kollektion entwickelt wurden. Die Prints sind Reminiszenzen an den peruanischen Regenwald oder locale Speisen. Produziert wird die Swimwear ebenfalls in Peru, wobei großer Wert auf Nachhaltigkeit gelegt wird. Der Vertrieb läuft direkt über das Label selbst.

A Question Of.
Eine Frage des guten Geschmacks – bei diesem dänischen Label gibt es da sicher keine Zweifel. 2010 begannen drei Freunde mit der Produktion einer kleinen T-Shirt-Kollektion. Die Shirts mit den großen Buchstaben sprachen sich herum und waren auch bald in London, Paris und Berlin gefragt. Mittlerweile umfasst die Kollektion auch komfortable Sweater, Jacken und Schuhe auf denen ebenfalls markante Statements oder andere auffällige Muster prangen. Alle Produkte sind aus zertifizierter Biobaumwolle gefertigt. So sollen Nachhaltigkeit und Streetfashion auf einen Nenner gebracht werden.

Antony Morato.
Coole Menswear aus Italien. Das HAKA-Label wurde bis vor kurzem noch als Geheimtipp gehandelt und verschafft sich jetzt langsam aber sicher Raum. Oft als Einstiegspreislage für die progressive HAKA. Mit einem Total-Look aus jungen, knackigen Anzügen, Sakkos, schlanken Chinos und Denims und auch mal Sweatpants, Print-T-Shirts oder Jeanswesten gehen die Italiener an den Start. VK-Preise liegen bei rund 80 Euro für Jeans, 40 Euro für Polo-Shirts, 140 Euro für Baumwoll-Sakkos und 30 Euro für T-Shirts. Der Vertrieb läuft über die Modeagentur, München, sowie Eyegasm, Berlin.

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