Grüne Mode muss gar nicht nach Öko aussehen. Längst vorbei sind die Zeiten als Öko-Mode für Walla-Walla-Kleider, Schafwoll-Socken und braune Naturleder-Sandalen stand. Immer mehr Kunden schätzen es, wenn ein Kleidungsstück nicht nur gut aussieht, sondern auch sozial- und umweltverträglich hergestellt wurde. Jede Saison kommen deshalb neue Labels hinzu und das Angebot an umweltverträglicher Mode mit Design-Anspruch wächst. Die Mode-Redakion der TW hat eine Auswahl zusammengestellt:

Deepmello
Deepmello
Deepmello. Rhabarberkuchen, Rhabarberschorle, okay. Aber „Rhabarberleder“ für Textilien und Accessoires? Auf diese Idee kam Anne-Christin Bansleben, Wissenschaftlerin auf dem Gebiet Aromastoffanalytik von Pflanzen. Sie war auf der Suche nach einer innovativen, natürlichen Alternative für den Prozess der konventionellen Ledergerbung – und wurde fündig. Mit Rhabarberwurzeln lässt sich Leder nämlich vegetabil gerben. Unter dem Namen Deepmello entwickelt Bansleben nachhaltige, luxuriöse Mode. Neben Rhabarberleder werden ausschließlich Bioseide, Biosatin und Organza verwendet. Im Fokus der Kollektion stehen Kleider, Röcke und Jacken aus Naturleder, sowie feminine Blusen und Hosen aus Seidensatin, Schuhe, Taschen und Accessoires. Die VK-Preise: 169 Euro für eine Seidenbluse, 349 Euro für Wedges, 999 Euro für eine Lederjacke. Erhältlich sind die Produkte unter www.deepmello.com.

Eve in Paradise
Eve in Paradise
Eve in Paradise. Hochwertige Naturstoffe aus nachhaltiger Produktion + trendiges Design = entspannte Mode in ökologischer Qualität. So definiert sich Eve in Paradise, ein Label der Senatex GmbH in Hannover. „Wir packen den Körper behutsam in Seide, Baumwolle und Leinen“, heißt es. Das Ergebnis: edle Knitwear und lässig konstruierte Konfektion in Nudetönen und viel Weiß. Dezente Raffungen, Transparenzen und Layerings stehen für den frischen Sommer-Look. EK-Preise: Feinstrick (Seide/Baumwolle) um 50 Euro, Grobstrick (Leinen) ab 40, Leinenjersey um 30 Euro. Kleider, Röcke und Tops aus Seide/BW-Crepe kosten zwischen 36 und 70 Euro.

Slowmo
Slowmo
Slowmo. Mensch und Natur sollen im Mittelpunkt stehen. Das ist der Anspruch des Berliner Labels Slowmo, ganz im Sinne der Ableitung von „slow motion“. Ruhe, Beständigkeit und Entschleunigung als Gegenpol zur Schnelllebigkeit der heutigen Zeit. Hinter dem Familienunternehmen stehen die Geschwister Felicia und Melchior Moss, die das Label in einem Berliner Hinterhof gründeten. Die Handschrift: klare Linie, zeitloser Stil, kontrolliert-biologische Materialien und sorgfältige Verarbeitung. Pro Jahr gibt es je zwei Kollektionen für Frauen und Männer. Alle Produkte werden in Deutschland gefertigt. Vertrieb: Moss&Moss GbR, Berlin. EK-Preise Damen: Shirts ab 12,50 Euro, Kleid und Jerseyhosen ab 31 Euro, Strick ab 56 Euro, Anorak 84 Euro. Herren: T-Shirts ab 14 Euro, Pullis ab 60 Euro, Hosen ab 51 Euro und Jacken ab 84 Euro.

Wunderwerk
Wunderwerk
Wunderwerk. Kein Wunder. Die kritischsten Häuser konnten sie in der ersten Orderrunde überzeugen: Glore in Nürnberg, Hamburg und Stuttgart, Coccon in Heidelberg, Freudenhaus in Mannheim, Dear Goods in München und Berlin, Wie es Euch gefällt in Hamburg oder Grüne Wiese in Münster. Die Produkte sind auf dem neuesten ökologischen Stand – ohne Chlor, ohne Permanganat, ohne Chemiefasern, färben statt bleachen, Waschungen per Laserverfahren usw. – doch letztendlich muss die Mode überzeugen. Die erste Auslieferung mit dem Sommer-Flash ist in den Läden und kommt offenbar bestens an. Margen bis zu 2,9 sind je nach Menge für den Handel möglich. Preislich liegt Wunderwerk im mittleren Rahmen. Die aufwendigen Denims liegen zwischen 89 und 139 Euro im Verkauf.

LangerChen
LangerChen
LangerChen. Fair und nachhaltig. Das ist auch in China möglich. Seit 2009 produziert Philipp Langer mit seinem Unternehmen It’s Organic mit Münchner Sitz in Shanghai. Die neueste Entwicklung ist ein Technowalk aus australischer Ecowool und Bio-Baumwolle mit einer  Wettermembrane. Die Softshell-Jacken unter dem Label LangerChen für Frauen und Männer wurden für den Herbst 2013 erstmals vorgestellt. Langer: „Wir haben aus dem Stand heraus 1500 Jacken verkauft.“ Das innovative Material hat die Kenner aus dem Einzelhandel offenbar überzeugt. Zum Frühjahr 2014 kommt die nächste Entwicklung der dreilagigen Stoffe aus feinster Bio-Baumwolle – eben falls für Jacken. Im Herbst liegen die EK-Preise zwischen 74 und 129 Euro.

Aluc
Aluc
Aluc. Upcycling. Das Wort sollte man sich merken. Denn immer mehr junge Designer arbeiten vorhandene Reststoffe oder Altkleider zu neuen Styles um. Aluc aus Berlin zählt zu diesen Vorreitern. Die Macher Carina Bischof und Jonathan Leupert arbeiten mit dem österreichischen Stoffhersteller Getzner Textil zusammen, dessen Produkte mit dem Bluesign Standard zertifiziert sind. Blusenstreifen oder Hemdenstoffe – die Modelle daraus sind stets nur in limitierter Auflage erhältlich. Der Clou: Die Kragen sind abnehmbar, und somit ermöglicht bereits ein neuer Kragen einen neuen Look. Die Aluc-Macher betreiben neben ihrer Kollektion auch den Upcycling Fashion Store in Berlin, der nach dem Umzug nun vergrößert wurde. Hier wird nicht nur das hauseigene Label, sondern auch andere, wie Globe Hope, ReClothing, Milch und Steinwidder präsentiert.

Format
Format
Format. Ob aus der Kollektion von 2008 oder aus der von 2013. Die Mode der Berliner Designerin Mareike Ulman lässt sich immer weiter tragen und kombinieren. Das alleine begründet allerdings nicht den nachhaltigen Gedanken. In der Kollektion Format dreht sich zudem alles um ökologische und fair produzierte Mode, die aus Berlin und Brandenburg kommt. Die Grundtendenz ist minimalistisch, der Look lässig. Die Kollektion wächst pro Saison um etwa zehn neue Teile, neue Stoffe und neue Farben weiter.  Zu den Kunden gehören Häuser wie Deargoods in Berlin, Glore in Stuttgart, Kiss the inuit in Köln, Soulid in Darmstadt und Ela Selected in Düsseldorf.

Inka Koffke
Inka Koffke
Inka Koffke. Kleider sind die Stärke der Designerin Inka Koffke. Die Ingolstädterin fertigt ausschließlich in Deutschland und setzt auf Naturmaterialien, Fair Trade-Kriterien und nachhaltige Grundsätze. Die Trägerin soll ein gutes Gewissen haben und sich durch exklusives Design abheben können. Organic Couture lebt durch klare Schnittlinien und künstlerische Dessins, die immer ein Hingucker sind.

L'Herbe Rouge
L'Herbe Rouge
L'Herbe Rouge. Bezahlbar und fair. Arielle Levy und Thibaud Decroo aus Frankreich hatten nach fünfzehn Jahren in der Modebranche die Vision, dass man „richtige Mode auch mit richtigen Werten verbinden kann. Respekt und Qualität – das sind zwei Begriffe, die Levy immer wieder benutzt. Seit 2008 gibt es die Kollektion L’Herbe Rouge und mittlerweile werden 100 Kunden bedient, bis nach Japan. Der Hauptmarkt neben Frankreich sei Deutschland. Ob mit den Händlern Glore oder Zündstoff, es seien enge Partnerschaften entstanden. Im Durchschnitt liegen die VK-Preise bei 80 Euro. Startend bei 25 Euro für TShirts bis zu 200 Euro für Outdoor.

Awash
Awash
Atelier Awash. In diesen Tagen ist er in Sydney unterwegs. Reisen inspirieren den Künstler und Designer Daniele Grazioli besonders. Der Italiener mit Arbeitsplatz in Berlin betreibt in der deutschen Hauptstadt seinen Flagship-Store für seine Herrenmodekollektion, der zudem als Showroom fungiert. Ob Hanf oder Baumwolle – alles stammt aus kontrollierten und zertifizierten Materialien. Die lässige Verarbeitung wird in Italien realisiert mit Augenmerk für handwerkliche Details und Passformen. Ob mit Hemden, Anzügen oder Hosen aus der Atelier Awash-Kollektion drückt der Träger einen gewissen Hang zur Abenteuer-Lust aus.

Alma & Lovis
Alma & Lovis
Alma & Lovis. 20 Jahre Hess Natur. Annette Hoffman kennt sich wie kaum eine andere aus in der Green Fashion-Welt. Als sie sich vor knapp zwei Jahren mit ihrer Kollektion Alma & Lovis selbstständig machte, konnte sie die üblichen Anfangs-Schwierigkeiten gleich überspringen. Materialkenntnisse und den Zugang zu den richtigen Produktionsorten waren schließlich lange erarbeitet. Heute beliefert Hoffman 30 Kunden und betreibt einen eigenen Laden in Bonn. Ihr Look kommt an, denn ihre Mode ist nicht nur leger. Bei Alma & Lovis kann sich auch die Business-Frau einkleiden. Nicht mit dem altbackenen Hosenanzug, sondern Semi-Business, also leger und modern. Was sich einfach anhört, ist eine Herausforderung, denn Konfektion auf ökologischer Basis ist ein schwieriges Unterfangen, da auch das Innenleben der Modelle und die Zutaten den Richtlinien der Gütesiegel entsprechen müssen. Annette Hoffman kann hier ihre Expertise spielen lassen.