Hey. Halt mal an. Mach das Handy aus. Oder wenigstens den TV. Zumindest mal für einen Moment. Atme durch. Immer mehr Menschen haben keine Lust mehr auf die stressige, schnelle, anonyme 24/7/365-Welt. Immer ereichbar, immer unter Strom, immer am Limit. Die Sehnsucht nach Ruhe und Entschleunigung beschäftigt viele zurzeit. Frauen. Männer. Und Berater. Manager. Sie entwickeln schlaue Konzepte: Slow Food. Slow Retail. Und jetzt auch Slow Advertising?

Die neuen Herbst-Kampagnen der Designer zumindest sind betont langsam und entspannt inszeniert. Teetrinken bei Miu Miu. Schachspielen bei Prada. Zugfahren bei Louis Vuitton. Nostalgische Hutschachtel inklusive. Entspannt auf dem Sofa liegen die Models gleich in mehreren Hochglanz-Kampagnen: Belstaff, Brioni und Gucci. Calvin Klein lässt ein Pärchen schön im Gras relaxen. Und ein bisschen schmusen. Bei Burberry zwingt die schöne Frau den schönen Mann stehenzubleiben. Hey. Halt mal an. Das kann kein Zufall sein. Vielmehr ist es ein bewusster Gegenentwurf zur Werbung der schnellen Konkurrenz. Denn Zara&Co lassen ihre Models bevorzugt tanzen, laufen oder gar rennen. Jung, dynamisch, immer in Bewegung. Auch zum Herbst wieder. Keine Zeit für Pausen, kaufen, kaufen, kaufen.



Die Strategen, die Werber, die Kreativen wissen um den immer stärker werdenden Wunsch vieler Kunden nach guten Produkten. Viele wollen kein Plastik mehr, nichts aus China. Das hat sich in den vergangenen Jahren so nachhaltig in die Lebensbereiche eingeschlichen, dass es auch aus der Mode nicht mehr wegzudenken ist. Diese Befindlichkeiten bedienen die großen Luxus-Marken mit ihren Inszenierungen. Zumindest mal für einen Moment.