Es ist keine klassische Modeausstellung, die das Frankfurter Museum für Moderne Kunst, MMK2, derzeit dem Designer Kostas Murkudis widmet. Doch Murkudis ist auch kein klassischer Modedesigner. Zwar hat Murkudis immer wieder erfolgreich auch als Kreativer für Unternehmen wie Balenciaga, Schiesser und Closed gearbeitet. Doch ihn hat schon immer das Experimentelle am Design interessiert. In Laborkollektionen entwirft er seit 2009 Mode als Prototyp, nicht zum Verkauf gedacht. Unterläuft so die traditionellen Modestandards. Und macht sich frei von kommerziellen Zwängen. Diese freien Gestaltungsmöglichkeiten sorgen dafür, dass sich Murkudis‘ Entwürfe der Kunst annähern. Und so ist die Ausstellung den vielfältigen Beziehungen zwischen Mode und bildender Kunst gewidmet.

Zu sehen sind nicht nur fertige Kleidungsstücke, sondern auch Stoffproben, Fotos, Videoinstallationen und Moodboards. Sie geben einen Einblick in das Schaffen des Designers. Murkudis, der die Ausstellung zusammen mit dem Künstler Carsten Nicolai und dem Architekten Aaron Werbick konzipiert hat, war es wichtig, „dass der Besucher ganz nah herangehen kann an die Ausstellungsstücke und so vielleicht ähnliche Erfahrungen macht, wie ich, wenn ich arbeite“, verrät der Kreative. „Tuchfühlung“ – so lautet passenderweise auch der Titel der Ausstellung.

Alle Ausstellungsstücke werden zudem im Dialog mit Werken aus der Sammlung des MMK gezeigt. Und bekommen dadurch einen neuen Aspekt hinzu. Moodboards beispielsweise werden durch ein blaues Bild von Yves Klein ergänzt. Die skulpturalen Stücke der Winterkollektionen aus den Jahren 2010-2012 stehen in Korrelation zu einem dreidimensionalen Gemälde von Steven Parrino. Und Handyfotos von Murkudis, die unter dem Namen „Digitales Gedächtnis“ zusammengefasst sind, werden in Beziehung gesetzt zu Modefotografien von Jürgen Teller aus den 90ern. Murkudis selbst hat die Werke aus der Sammlung des MMK ausgewählt. „Ich habe Künstler gesucht, die mich in meinem kreativen Arbeiten beeinflusst haben und die habe ich tatsächlich in der Sammlung gefunden“, so Murkudis.

Beim Wandeln durch die insgesamt 14 Stationen wird klar, dass Murkudis ein Grenzgänger zwischen den Welten Mode und Kunst ist. Er experimentiert mit Materialien und Produktionsweisen. Seine Entwürfe sind oft skulptural und aus orthopädischen Stoffen, Bast oder Rosshaar gefertigt. Die Ausstellung ist deshalb interessant für alle Kreativen, die sich jenseits der Laufstege modisch inspirieren lassen möchten.

„Tuchfühlung“ läuft noch bis 14. Februar 2016 im MMK2 in Frankfurt und wird von zahlreichen Events, wie Filmvorführungen, Performances und Workshops flankiert.