Asphalt und Ampeln. Backsteine und Bushaltstellen. Mülleimer, U-Bahn, Feuerwehr. Das Glück liegt auf der Straße: Die neuen Herbst-Kampagnen der internationalen Designer inszenieren ihre neuen Kollektionen als zufällig aufgenommene Szenerien im Alltag. Zunächst: Miu Miu. New York mit seinen Menschenmassen und gigantischen Straßenfluchten. Steven Meisel fotografiert offenbar ohne Stativ. Schnappschüsse aus dem Auto, beim Vorbeigehen. Improvisiert, unperfekt soll die Kampagne mit dem Namen "Subjective Reality" wirken.

Derweil setzt Jeremy Scott für Moschino Katy Perry in einem verlassenen Industriegebiet in Szene. Rau, urban, voll 90er. Auch Gucci gibt sich urbaner denn je: Alessandro Micheles Debüt-Kollektion kam im Netz sehr gut an. Jetzt folgt die dazugehörige Kampagne. Fotografiert von Glen Luchford in Los Angeles, im Großstadt-Dschungel, die Models im Menschen-Gedränge, dicht an dicht mit Passanten. Vorbeirauschende Taxen und U-Bahnen sorgen für einen dramatischen Bildaufbau.

Die Strategen, die Werber, die Kreativen sehen in dieser Kampagnenrunde bewusst von Traumwelten und perfekt aufgebauten Settings ab. Die Mode soll das Elitäre verlieren, volksnah sein. Dazu passt auch, dass Marc Jacobs seine Models bei der jüngsten Präsentation seiner Resort-Kollektion kurzerhand in New York über den Bürgersteig der Mercer Street laufen ließ, damit das Publikum, das nicht mehr in den Store passte, auch etwas von der Show mitbekam. Im Hintergrund: Gehupe und Polizei-Sirenen. Und zwar ganz reale.