Die Krawatte von James Bond fliegt nicht. Ob bei einer turbulenten Verfolgungsjagd auf dem Motorrad oder einem wilden Kampf mit einem der gewieften Gegner – die Krawatte fliegt nicht. Was keiner weiß: In der Krawatte sind Gewichte, aber das ist egal. Denn keiner ist so perfekt wie James Bond, wenn er zum mittlerweile 23. Mal Martini trinkt, Frauenherzen bricht und ganz nebenbei die Welt rettet. Über die Bond-Filme mag man streiten, doch eines begleitet den smarten englischen Agenten seit dem ersten Film: Der unverwechselbare Stil eines „Perfectly Dressed English Gentleman“. Und dieser Stil weckt Begehrlichkeiten.

Wer Bond im Kino sieht, dem wird noch einmal mehr bewusst, dass perfekt geschnittene, eng anliegende Anzüge einfach ein Must-have im Männerschrank sind. Und wer so aussehen möchte wie Bond, der kauft neben dem Anzug die passende Krawatte, die edlen Lederschuhe, die Sonnenbrille oder auch die sportliche Uhr gleich mit. Deswegen hat sich auch der Handel auf Bond-affine Kunden eingestellt.

Bei Apropos in Köln fragen Kunden vermehrt nach Bond-Artikeln. "Wir merken die Reaktion der Endverbraucher auf die James Bond Movies immer sehr stark. Im vorletzten James Bond war es der Cardigan von Tom Ford, der ständig ausverkauft war, im letzten die Tom Ford Pilotenbrille", beschreibt Klaus Ritzenhöfer, Inhaber von Apropos, den Hype um den Film. Aber auch beim Filialisten Wormland beispielsweise wird der Film online mit einem Gewinnspiel beworben. Der Gewinn: Fünf Shopping-Gutscheine. Die Gewinner werden sicherlich mehr Geld im Laden lassen als die 100 Euro des Gutscheins. Der Kristall-Spezialist Swarovski hat eine Bond-Schmuckkollektion entworfen und vermarktet diese seit Mitte Oktober in allen Stores. Und das erste offizielle James Bond-Parfüm ist seit September im Handel erhältlich.

Bonds Look kommt nicht von ungefähr: Schon im ersten Film wurden Sean Connery die Anzüge vom legendären Herrenschneider Anthony Sinclair auf den Leib geschneidert. Der Schnitt der Anzüge ging als Conduit Cut in die Anzug-Geschichte ein. Auch Giorgio Armani, Roberto Cavalli, Gucci, Brioni, Prada und Persol haben sich in der 007-Reihe ein Denkmal gesetzt und ihren Teil zum Styling des Agenten und seiner Bond-Girls beigetragen.

Die Anzüge im aktuellen Film „Skyfall“ hat Tom Ford entworfen. Besonders der nachtblaue Tuxedo, den Daniel Craig auch auf dem Filmplakat zu „Skyfall“ trägt, sticht heraus – sind doch die Dinneranzüge seit jeher in Schwarz gehalten. Auch die Sonnenbrillen und Krawatten stammen von dem amerikanischen Label. Ob sich die Kooperation von Tom Ford mit Bond auch auf der Fläche niederschlägt, bleibt abzuwarten. Möglich wäre es allemal. Apropos-Kunden jedenfalls stehen auf den Bond-Look: "Wir hatten schon vor dem offiziellen Kinostart eine Warteliste mit Kunden, die informiert werden möchten, sobald die ersten Tom Ford-Anzüge geliefert werden", so Ritzenhöfer.

Für den Handel, vor allem für die Herrenaustatter bietet dieser Film die Möglichkeit, den jungen Anzug aus dem Schatten des ewigen Topsellers Sakko zu holen. Denn nur jeder fünfte Mann (18%) trägt laut TW Anzug-Studie auch in der Freizeit Anzug. 59% der Männer holen ihren Anzug nur zu besonderen Anlässen aus dem Schrank – für James Bond undenkbar. Er trägt den Zweiteiler in allen Lebenslagen und ist neben den Men in Black einer der wenigen positiv besetzten Anzughelden im Kino. Also der perfekte Anlass, um das Geschäft mit dem jungen Anzug zu pushen.