Anlass läuft. Man muss nur Ende März/Anfang April einen Blick in die entsprechenden Abteilungen bei P&C und Kaufhof werfen. Und die Bedeutung nimmt von Jahr zu Jahr zu. Nicht nur für Abi-Bälle, auch für Hochzeiten und Taufen machen sich Frauen wie Männer mehr zurecht. Ein Segen für den Modehandel, denn der Preis oder auch die Marke sind hier meist nicht ausschlaggebend. Mehr noch, oft kaufen die jungen Frauen und Männer auch gleich ein neues Paar Schuhe dazu. Die Ideen und Inspirationen, wie ein festliches Outfit auszusehen hat, kommen aus vielen Richtungen: Zeitschriften, Freundeskreis, Kataloge, Internetseiten, Blogs und Filme. „Ich habe das Gefühl, junge Frauen wollen Kleider, die sie in amerikanischen Filmen sehen“, sagt Kerstin Schütz von Habakuk in Würzburg. Die Abverkäufe zeigen, die Tendenz geht zu besonderen Cocktailkleidern. „Früher haben junge Frauen mehr lange Abendkleider gekauft, heute interessieren sie sich stärker für Cocktailkleider in allen Variationen, Kleider mit amerikanisch-hochgeschlossenem Ausschnitt zum Beispiel“, sagt Kristine Logemann, Zentraleinkäuferin bei P&C Düsseldorf.

In zwei Wochen eröffnet so ein amerikanischer Film die Filmfestspiele in Cannes. Die Neuverfilmung des Klassikers „The Great Gatsby“. Die Story ist bekannt. Aber der neue Film bietet neues Futter für den Look der 20er Jahre, mit Outfits von Prada und Miu Miu. Ein Look, der prädestiniert ist für Anlassmode. Neue Begehrlichkeiten, die bei Abiturientinnen, Diskomädchen, Taufpaten und Trauzeugen geweckt werden. Und damit auch ein neuer Impuls für alle Kreativen und Einzelhändler.

In der DOB spitzt sich der Look der 20er Jahre ohnehin alle Jahre mal wieder zum Trend zu. Natürlich geht es nie um das gesamte Outfit, immer um Elemente daraus. Etro, Gucci, Tory Burch, Bottega Veneta und Marc Jacobs zeigten bereits vergangenes Jahr junge Frauen mit Flapper-Dresses, geradlinige, knabenhafte Formen, flatternde Stoffe, reichlich Schmuck drauf und dran. Pailletten, Fransen, Federn – aber sachlich, nicht romantisch. Als Gegenpol zum taillierten 50er-Trend.

Was ist mit den Männern? Die Zeiten als sie zwar Anzug trugen, dazu aber Chucks kombinierten, um ihre Aversion gegen den Dresscode auszudrücken, sind vorbei. Blütenweißes Hemd, schwarzer Anzug, gar Dreiteiler. Schwarze Lackschuhe. Als Accessoire eine nachtschwarze, perfekt sitzende Schleife. So sehen junge, modebewusste Männer heute aus, wenn es einen Anlass gibt. Junge, coole Dandys, so wie der große Gatsby einer ist. Also heißt es für die Kreativen und Einzelhändler: In diesen Look weiter hineinarbeiten?

The Great Gatsby wird medial ähnlich starke Wirkung wie Mad Men entfalten. Eine Starbesetzung mit Leonardo DiCaprio und Tobey Maguire als Hauptdarsteller spricht dafür. Es bleibt abzuwarten, ob es ein wichtiger Film für die Mode wird. Ob modisch progressive Männer demnächst mit geölten Frisuren, höher geschnittenen Slacks, Cardigans mit Schalkragen, Westen, Monogramm-Shirts, Schiebermützen oder Collar-Bars herumlaufen werden. Der Look kann funktionieren. Aber nur mit schmaler Strick-Krawatte und reichlich Tattoos. Oder wenigstens Vollbart. Denn das bringt der Film in jedem Fall mit sich, eine Styling-Herausforderung.