Wie lange haben wir ihn uns herbeigesehnt. Und jetzt endlich ist er da! Der Sommer. Mit Sonnenstrahlen aufwachen, sich fit für die Freibadsaison machen, den Duft von frisch aufgetragener Sonnenmilch einatmen, laue Nächte im Strandcafé genießen – das Leben kann wie Urlaub sein. Apropos Urlaubsgefühle, die scheinen jetzt auch beim Kunden eingecheckt zu haben. In den Einkaufstüten landeten in der vergangenen Woche farbenfrohe Bermudas und Polos, Shirts, Blusen, bedruckte Kleider und Chinos in Marine. Und auch bei den Schuhen macht der Sommer nicht halt. Neben guten Umsätzen mit Sandalen, Espadrilles und Ballerinen, kommt die Bastsohle bei den Kundinnen gut an. Kein Wunder, mehr Urlaubs-Feeling könnte ein Schuh auch nicht vermitteln.

Der Handel freut sich also über gute Umsätze mit sommerlicher Ware. Und auch die Modezeitschriften und Kataloge erfasst zu dieser Jahreszeit immer eine tosende Sommerwelle. Mit Modestrecken, Styling-Vorschlägen und Beauty-Tipps werden dem Leser aktuelle Trendthemen schmackhaft gemacht. Dabei fällt auf: In vielen Blättern wird das neue Bauchfrei propagiert. High-Waist-Shorts, hochgearbeitete Bleistiftröcke, Hosen mit hohem Bund sitzen – ganz wichtig – über dem Bauchnabel, so dass nur Sicht auf ein kleines Stückchen Bauch frei wird. Subtile Sexyness. Nichts zu Offensichtliches. Dazu getragen wird ein Crop-Top oder Bustier, darüber auch mal ein Blazer. Inspiriert ist der Bauchfrei-Look von den späten 80er Jahren. Als die taillierte Karottenjeans noch knalleng um die Hüften saß und dazu ein kurzes Shirt getragen wurde. In den 90ern wurde der Bauch dann schon deutlich sichtbarer, der Look aber leider auch deutlich billiger. So richtig durchsetzen konnte sich die Bauchfrei-Thematik im breiten Markt allerdings noch nicht. Vielleicht ändert sich das ja jetzt. Die Kundinnen werden nach neuen Spielteilen für das Sommer-Outfit suchen. Die Palazzo-Hose haben sie im besten Fall schon. So könnten jetzt Crop-Tops ganz oben auf der Liste der Must-haves stehen.

Cut-Outs sind das zweite große Thema, dass in den Hochglanzmagazinen propagiert wird. Und auch hier geht es, ähnlich wie beim neuen bauchfrei um subtil umgesetzte Sexyness. Es geht darum Haut zu zeigen, aber auf keinen Fall zu viel. Gut dosiert, zum Beispiel wie bei einem Etui-Kleid mit einer Aussparung in Rautenform am Rücken, aber ansonsten hochgeschlossen, so wie es H&M aktuell in seinem Magazin zeigt. Verruchter und mit einem Schuß mehr Sex-Appeal präsentiert die französische Vogue den Cut-Out-Trend. Zu Jeans und kurzer Lederjacke trägt das Model einen schwarzen Body, der gewagte Einblicke in die Leistengegend und den Bauch gewährt. Ob nun großzügig verteilt oder dezent eingesetzt – Cut-Outs machen das Produkt aufregend. In den Zeitschriften ist das unübersehbar. Vielleicht sieht das auch bald die Kundin so.

Und Transparenz, wahrscheinlich das kommerziellste der drei Themen. Madame, Hot und Vogue inszenieren die Transparenz als femininen, cleanen Look – der mehr verhüllt als entblößt. Durchsichtigkeit als Akzentuierung. So sieht man im aktuellen Lookbook von Miss Selfridges Kleider, Röcke und Tops, die nur einen Blick auf Beine, Arme oder das Dekolleté zulassen.