Während die Händler mitten in der Order stecken und sich Gedanken darüber machen, wie die Sortimentsgestaltung für die nächste Frühjahr-/Sommersaison aussehen könnnte, eröffnet sich für den Verbraucher in Modemagazinen und Katalogen gerade die schöne neue Herbstwelt. Die Leserin werden hier vor allem auf Gewürztöne eingestimmt: Paprika, Zimt, Muskatnuss, Safran, Mango-Chutney, Hot Chilli und Curry. Keine Spur mehr von knalligen Neontönen, die dem Leser beim Blättern entgegenleuchten. Ob Vogue, Madame, Instyle, Elle, Gala, Brigitte oder Kundenmagazine wie Apropos, Eickhoff, Impressionen und Zalando – auf allen Seiten werden die neuen Gewürzfarben propagiert.

Gestylt wird dabei Ton in Ton oder zumindest farbverwandt. Komplett in Curry, Himbeere oder Safran, so zeigt es beispielsweise die Brigitte in ihrer August-Ausgabe. Farbtupfer kommen über ähnliche Töne wie Rot, Orange oder sanfte Nudes. Etwas provokativer präsentiert Elle die Gewürztöne. Unter dem rot-orangenen Spitzenkleid blitzt eine curryfarbene Bluse hervor. Der rosafarbene Kragen am Kleid sorgt für einen gekonnten Farbbruch. Im Zalando-Katalog wird der curry-gelbe Rock zu bravem schwarzen Rolli, schwarzer Strumpfhose und schwarzer Strickjacke kombiniert und avanciert so zum Hingucker des Looks.

Hauptsächlich zeigen sich die Gewürztöne in den Magazinen über leichte Strickteile wie Capes, Pullover, Wollkleider, Röcke und Strickjacken. Als hervorragender Kombi-Partner zu gewürzfarbenen Oberteilen eignet sich auch die schlichte Blue-Jeans, so gesehen in der aktuellen Instyle. Glänzende, schimmernde Gewürzfarben sieht man in den Modezeitschriften eher in den Werbeanzeigen. Jimmy Choo wirbt mit einer Schlangenleder-Tasche in Glanzoptik in gebranntem Orange, Brombeere, Himbeere und Bordeaux. In der Calvin Klein-Anzeige posiert das Model in einer beschichteten, safranfarbenen Jeans. Steffen Schraut zeigt in seiner Kampagne weinroten Gewürzglanz auf Seide.

Wer sich in Gewürzfarben nicht wohlfühlt, dem bieten die Hochglanzmagazine ein Farbkontrast-Programm: Schwarz. Viel wird hier über Leder gestylt und auch entsprechend betitelt: „Von Kopf bis Fuß auf Leder eingestellt",  „Black Power" und „Dandy-Chic" sind nur einige Beispiele aus Instyle und Elle. Der Look ist extrem cool, die Schnitte gerade: knackige Lederröhren, knallenge Lederröcke, körperbetonende Lederkleider, Lederjacken im Bikerstil – alles in Schwarz versteht sich. Dazu werden schicke Accessoires wie Lacklederpumps, Clutch und silberner Schmuck gestylt.

„Soft Couture", „Pastelle", „Eleganz", „Hart-Rosa". Neben dem Gewürz- und Schwarz-Thema spitzt sich in den Hochglanzmagazinen ein weiteres Thema zu. Softe Nude-Töne und zarte Pastelle wie Beige, Perlmutt, Karamell, Rosé, Mint und Lachs werden der Leserin auch für den Herbst schmackhaft gemacht. Dabei rücken architektonische Schnitte in den Vordergrund. Scharf geschnittene Westen, Zigarettenhosen, Tuxedo-Blazer, kerzengerade geschnittene Mäntel erzeugen eine strenge Attitüde. Die Farbe mag zwar lieblich sein, der Look ist es jedoch nicht.

Auch Druck spielt eine wichtige Rolle in den Modemagazinen. Ob in Hochglanzblättern wie Elle, Madame und Vogue, in der Prada-Kampagne oder in Frauenzeitschriften wie Brigitte, Grazia, Instyle und der Cambio-Anzeige. Druck wird genreübergreifend propagiert. Für jüngere Kundinnen könnten die Sternchen und Galaxien auf Blusen, Jeansjacken, Leggings und Vokuhila-Blusen, die Grazia zeigt, interessant sein. In der Brigitte findet die reife Frau Vorschläge zum Mustermix. Mutig werden hier Fischgratmuster mit orientalischem Ornamentdruck sowie Paisleymuster mit Hahnentritt zusammengestellt. Die Aufforderung an die Leserin ist klar: je wilder der Druckmix, desto besser das Outfit. Es wird sich zeigen, inwieweit die Leserin sich von den Vorschlägen der Zeitschriften unter Druck setzen lässt. Aber vielleicht landet beim nächsten Einkauf nicht nur eine Blumenprint-Jeans sondern noch die passende Paisley-Bluse in der Tüte.