Die Macht der Bilder. Sie war auch 2012 entscheidend für die Wahrnehmung und Durchschlagkraft von Werbekampagnen. Welche Idee faszinierte besonders? Welche Inszenierung fesselte? Welche Strategie war wirkungsvoll? Die Top 5 Kampagnen dieses Jahr im Medien-Check.

Jil Sander
Jil Sander
Jil Sander. Unberechenbare Schatten, Dunkelheit, eine zerbrochene Fensterscheibe, die Augen erstarrt vor Angst. Das könnte ein Hitchcock-Streifen sein. Es handelt sich aber um die Frühjahr/Sommer-Kampagne von Jil Sander. Während die meisten Kampagnen auf Farbe, Heiterkeit und Panorama-Bilder setzen, geht Raf Simons für Jil Sander wieder seinen eigenen Weg. Und zwar genau in die andere Richtung. Er zeigt zusammen mit dem Fotografen Willy Vanderperre, dass man den 50er Jahre-Trend auch auf eine andere Weise interpretieren kann. Ohne Rock'n'Roll. Ganz simpel, ganz schick – und düster. Hitchcock gilt als einer der stilistisch einflussreichsten Regisseure. Thriller. Horror. Beklemmende Situationen. Unschuldig Verfolgte. Dass er aber auch starken Einfluss in der Werbung hat, ist neu. Und ungewöhnlich in der sonst so fröhlichen, hellen, glücklichen Ästhetik der Kampagnen-Welt. Aber gerade deswegen so wirkungsvoll. Denn: Der Betrachter bleibt am Bild hängen. Ganz gebannt. Wie bei einem Hitchcock-Film.

Miu Miu
Miu Miu
Miu Miu. Durchatmen. Sich Zeit nehmen. Das suggeriert die Herbst-Kampagne von Miu Miu. Ein bewusster Gegenentwurf zur Werbung der schnellen Konkurrenz? Denn die lässt ihre Models laufen, eilen, tanzen, springen. Keine Zeit für Pausen, kaufen, kaufen, kaufen. Aber der Ruf nach Ruhe und Entschleunigung wird immer lauter. Die Strategen, die Werber, die Kreativen wissen um den immer stärker werdenden Wunsch vieler Kunden danach. Und entwickeln schlaue Konzepte: Slow Food. Slow Retail. Und jetzt eben auch Slow Advertising.

Mulberry
Mulberry
Mulberry. Kuschelige große Monster spielen mit dem zerbrechlich wirkenden, verträumten Model Lindsey Wixson Verstecken. Die Szenerie: weite Wälder, ein wenig mysteriöser Nebel, ein Hauch Zauber liegt in der Luft. Mulberrys aktuelle Kampagne ist mysteriös und fantastisch zugleich. Das Setting wirkt wie ein Drehort von Spike Jonze für die Verfilmung des Kinderbuch-Klassikers „Wo die wilden Kerle wohnen“. Mulberry trifft damit den Zeitgeist, denn Märchen haben wieder Konjunktur. Kinofilme, neue Serien und Bücher erzählen fantastische Geschichten und zeichnen eine schöne, heile Welt. Märchen faszinieren die Verbraucher derzeit wie nie zuvor. Wirtschaftskrise und gesellschaftliche Umwälzungen wecken die Sehnsucht nach einer heilen Welt. Nach der Zeit der Forensik-Serien wie CSI, Dexter und Bones, die Knochenjägerin, die keinen Raum für Fantasie lassen, kommt der Gegentrend hoch. Denn der Wunsch nach Imaginationsräumen ist da.

Prada Men
Prada Men
Prada Men. Der King lebt. Zumindest in der Prada Men-Kampagne. Das Unternehmen zeigt ein Model im Stil von Hollywood-Ikonen der 50er Jahre. Fotografiert wie typische Hollywood Studio-Portraits. Nach Saisons von Kampagnen im Metrosexual-Look waren zuletzt viele Werbeanzeigen mit betont maskulinen, harten, bärtigen Typen zu sehen. Prada gibt mal wieder einen neuen Ton an und setzt auf maskuline, aber introvertierte, verletzlich wirkende Männer. Vorbild: James Dean. Maskulin, aber lässig, Schmollmund, melancholischer Blick, jugendlicher Charme. Zusammen mit der zunehmenden Präsenz von Musik-Bands wie Mona und Kitty, Daisy & Lewis, die den Look der 50er Jahre ins Heute übersetzen, ist die Kampagne ein starkes Signal an modebewusste Männer.

Prada
Prada
Prada. Eine abgelegene Tankstelle. Power-Frauen lehnen fordernd an Muscle-Cars, auf denen Flammen prangen. Findet hier gerade ein illegales Autorennen statt? Warten die zurechtgemachten Frauen auf ihre Helden? Auf jeden Fall liegt etwas Verbotenes in der Luft. Und die Protagonistinnen haben Spaß an Verbotenem. Fotograf Steven Meisel hat für Prada eine hyperreale Kampagne im Fifties-Flair insziniert. Mit gestochen scharfe Farben, mit einer Szenerie, die einem Filmset gleicht. Gewollt untersichtig fotografiert, um beim Betrachter Ehrfurcht oder Erregung zu erwecken. Ein starkes Frauenbild, das Prada wieder zeichnet, weniger streng als noch die Saisons zuvor, dafür haben sie umso mehr Feuer.