Der Ethno-Trend ist abgegrast. Ikat-Muster? Im jungen Markt sind sie bereits seit mehreren Saisons auf Leggings, Sweatern, Shorts und Kleidern zu sehen. Genauso wie andere exotische Muster aus Fernost, Afrika oder Südamerika. Ein Sommer ohne Ethno-Muster bei Topshop und Asos würde wahrscheinlich zu einer radikalen Reduzierung der Kollektionsteile im Online-Shop führen. Und auch auf der vergangenen Skate- und Streetwear Messe, der Bright in Berlin, war das Ethno-Thema auffallend häufig in den Kollektionen vertreten: Kapuzen-Shirts, Hemdblusen, T-Shirts, Röcke und weiche Jogginghosen mit markanten Indianer-Tribal-Drucken und Ikatmustern konnte man nicht nur bei Labels wie Element Eden, Cleptomanicx, RVCA, Sitka und Hurley sehen.

Ethno bleibt eine unerschöpfliche Quelle. Ein Blick in die aktuellen Modezeitschriften zeigt, dass die Erfolgsthemen rund um Ethno weitergespielt werden. In zahlreichen Hochglanzmagazinen springen einem die „Farben Afrikas", „Wild West", „African Tribals" „Urban Ethnos", „Glamazonen" und der „Orient Trend" entgegen, um nur einige Titel zu nennen. Aber was ist wirklich neu an dem Thema Ethno? Und wie kann es in den kommenden Saisons weitergedreht werden, ohne das sich eine gewisse Redundanz einstellt?



Die Antwort darauf geben Grazia, Vogue und Co. Denn da zeigt sich das Ethno-Thema in einem neuen Licht – und vor allen Dingen deutlich erwachsener: Statt verspielten Ikat-Mustern, oft auch an den romantischen Hippie-Style angelehnt, zeigt sich der Ethno-Look viel rauer und cooler. Mexikanische Ornamente oder Tocapu-Muster auf Ponchos werden zu enganliegenden Denims und derben Boots getragen. Die Silhouette funktioniert aber auch umgekehrt: Zu verkürzten, schmaleren Oberteilen kombiniert man weite Hosen oder Cord-Flares. Insgesamt zeigt sich die Silhouette deutlich geradliniger, das Outfit deutlich angezogener. Die obligatorischen Federn und Fransen bleiben im Schrank. Im Mittelpunkt des neuen Ethno-Looks steht nicht mehr das verträumte Hippie-Mädchen, sondern der raue Gaucho. Die südamerikanische Version des Cowboys sozusagen. Der Hut als neckisches Accessoire rundet den Gaucho-Look ab.



Es gibt aber auch noch eine weitere Seite des Ethno-Looks, der in den Zeitschriften propagiert wird. Die schicke Seite. Wäre Coco Chanel nach Asien, Afrika oder die Anden gereist, dann wäre sie vielleicht mit Ethno-Einflüssen für ihr berühmtes Chanel-Jäckchen zurückgekommen. Denn Ethno muss nicht immer orientalisch-kitschig oder romantisch-verspielt umgesetzt werden. Es geht auch anders: Strenge Kastenjacken mit peruanischen Stickereien, cleane Röhren mit dezenten Ornamenten, glamouröse Kleider mit Pailletten. Ethno für die Großstadt.