Buchmesse-Bilanz, aus modischer Sicht. Welches sind die spannendsten Neuererscheinungen mit Blick auf Stil, Fashion, Design und Kunst? Unser Best of Buchmesse:

Olafur Eliasson. Reality Machines. Meist sind Kataloge ja so etwas wie eine große Kiste: Kommt Kunst rein. Kommen Texte rein. Doch wenn sich zwei Giganten ihres Fachs zusammen tun - nämlich der Kunstweltstar Olafur Eliasson und die Buchkünstlerin Irma Boom - dann kommt Kunst dabei raus. Die beiden haben nämlich keinen Katalog gestaltet, der Werke abbildet, erklärende Interviews und Essays darunter mischt. Sondern ein Buch, in dem es nichts zu sehen und nichts zu lesen gibt. Dessen Seiten mal zarter sind, dann wieder steif wie Karton oder einfach nur tief Orange. In dem man sich kaum zurechtfindet, weil man - nach dem Umblättern von ein paar dieser verwirrenden Seiten - verloren geht im Ansehen. Es ist ein Buch ohne Inhalt, denn das Buch ist der Inhalt. Da bleibt es ganz bei sich. Und schließt so an, an die großen Unternehmungen von Olafur Eliasson, dessen „Weather“-Projekt in der Londoner Tate Gallery mehr als eine Million Besucher sahen. Und so ist dieses Buch auch ein von allem befreiter, ganz konzentrierte Freude für die, die Bücher lieben. Der 300 seitige Katalog erscheint beim Verlag der Buchhandlung Walther König und kostet 48 Euro.

I Actually Wore This: Clothes We Can’t Believe We Bought. Es gibt diese Outfits die als Idee im Kopf noch revolutionär gut funktioniert haben, mit denen man die Mode-Trends von morgen schon heute alt aussehen lassen und neue Maßstäbe setzen wollte – und dann sieht man sich plötzlich auf Bildern einen pink farbenen Samt-Jumpsuit zu Cowboy Boots tragen. So ähnlich muss es auch Britney Spears und Justin Timberlake mit ihrem legendären Jeans-Partnerlook gegangen sein. So ähnlich ist es wohl schon jedem von uns gegangen bei dem Versuch etwas zu wagen, jemanden zu beeindrucken, uns selbst neu zu erfinden. Um die Geschichte hinter genau diesen modischen Entgleisungen geht es in dem Buch „I Actually Wore This“. Denn auch wenn die Bilder von gelungenen Outfits aus ästhetischen Gesichtspunkten interessanter sein mögen, stecken gerade hinter Teilen, die Fragen nach Ganzkörperspiegeln nahe legen, die besseren Geschichten. Für den Autor und Filmemacher Tom Coleman erzählen modisch versierte Leute wie Fashion Director von Bergdorf Goodman Linda Fargo oder Schauspielerin Molly Shannon, wie eben diese Kleidungsstücke den Weg in ihren Schrank gefunden haben und was in ihrem Kopf vor sich ging, als sie noch dachten: Das kann ich tragen. Die skurrilen Geschichten werden mit Photographien, festgehalten von Jerome Jakubiec untermalt, für die sich noch einmal in die modischen Fehltritte gewagt wurde. Diese Sammlung persönlicher Einblicke und unterhaltsamster Momente, von mutig bis größenwahnsinnig erscheint am 21. März beim Rizzoli Verlag und kann für 35 US-Dollar (32 Euro) erworben werden.

Dalís Bärte. Moustage, Dreitage-oder Vollbart? Geht inzwischen alles. Und das nicht nur in der Freizeit, die Bart-Variationen sind genauso im Büro zum Anzug, mit und ohne Krawatte zu Meetings oder beim Feiern Teil des männlichen Bildes und gehören ganz selbstverständlich zur Selbstinszenierung. Diese haarige Angelegenheit ist allerdings nicht erst Thema des 21. Jahrhunderts – die Frage, ob mit oder ohne, lang oder kurz, bewegt schon länger – ob von Alexander dem Großen beim Militär verboten (um nicht von Gegnern auf dem Feld am Bart gepackt werden zu können) oder Ende des 19. Jahrhunderts wieder gefeiert als Symbol der Männlichkeit. Einer der bekanntesten Bart-Träger und Meister der Selbstinszenierung ist wohl der spanische Maler Salvador Dalí der seinen Bart zum Markenzeichen machte. Das Buch „Dalís Bärte“ widmet sich dem Leben und Schaffen des Künstlers – als roter Faden die haarigen Highlights vom „kleinsten Schnurrbart der Welt“, oder dem „unendlichen Schnauz“ bis zur „Antenne zum Diesseits“. Der Kunsthistoriker Boris Friedewald fasst auf 144 Seiten das bärtige Phänomen zusammen: Vorbilder Dalís, Freundschaften und Anekdoten an den exzentrischen Bart-Kreationen des Künstlers entlangerzählt, geben einen Einblick in das Leben und Schaffen Dalís und eine Idee was im Zuge der aktuellen Bart-Mode noch auf uns zukommen könnte. Das Buch erscheint bei Randomhouse und ist ab dem 31. Oktober für 19,95 Euro erhältlich.

Neville Jacobs: I’m Marc’s Dog. Er hat 196 000 Follower bei Instagram, bereist die Welt und hat schon mit einigen Supermodels – Kendall Jenner, Karlie Kloss, Gigi Hadid – vor der Kamera gestanden. Neville Jacobs führt ein aufregendes Leben, das nun auch in einem Buch festgehalten wurde. Neville ist ein Bullterrier, aber vor allem der Hund von Modedesigner Marc Jacobs, der gemeinsam mit Nicoals Newbold Autor des Buches ist. Die über 200 Bilder begleiten Neville von seiner Zeit als Welpe bis zur Gegenwart und sind eine Mischung aus Schnappschüssen, inszenierten Fotoshootings und Reiseberichten. So wird auf charmante Art ein Einblick in das New Yorker Leben, die aktuelle Mode und insbesondere Marc Jakobs Welt ermöglicht. Das Buch ist am 27. September im Rizzoli Verlag erschienen und kostet 22,50 US-Dollar (20 Euro).

1000 Sneakers. Walk of Fame – Läuft. Adidas Superstars, Puma Clyde, Nike Air Force 1, Reebok Question oder Adidas Jabbar. In diesem Buch tummeln sich das Who is Who der Sneaker-Szene. Autor Mathieu Le Maux hat in seiner Turnschuh Enzyklopädie die 1000 wichtigsten Sneaker-Vertreter zusammengetragen und photographiert. Der Sneaker-Fan besitzt selbst um die 300 Exemplare und beleuchtet das Turnschuh-Phänomen aus allen Winkeln: Die Geschichten hinter dem Schuh; von der Entstehung über die  Designer, zu den neuesten Entwicklungen und  Anekdoten aus der Sneaker-Historie die inzwischen so komplex wie der Trend-Schuh selbst ist. Ab dem 18. Oktober ist diese bunte Enzyklopädie bei Rizzoli für 29,95 US-Dollar (27.50 Euro) zu erwerben, die für alle Sport-, Mode- und Street-Fashion Enthusiasten einen Überblick zum Walk of Fame des Turnschuhs gibt.

Digital Girls. Sie sind Pioniere der Modwelt die, um Trends zu setzen weder Stylisten noch Vogue-Cover brauchen und mit einem Klick mehr beeinflussen können als mancher Mode-Redakteur mit einem seitenlangen Artikel. Eine Revolution über Selfies, Likes und Follower – Blogs, Websites und Social-Media-Profile. Die Persönlichkeiten hinter den Blogeinträgen und digitalen Profilen hat der Fashion- und Lifestyle-Photograph Marko MacPhereson in  Interviews und Fotostrecken portraitiert: Wie stylen sich die Fashion Influencer im Alltag, welche Themen beschäftigt und was inspiriert die „Digital Girls“, die inzwischen nicht nur riesige Followerschaften haben, sondern auch mit Luxus Marken und Konzernen kooperieren. Legen normalerweise die Digital-Profis selbst ganz genau den Bildausschnitt den sie der Öffentlichkeit von sich präsentieren möchten fest, lernen wir sie in „Digital Girls“ von einer anderen Seite kennen: Einer Außenperspektive. Hinter der „The Man Repeller Website“ steht zum Beispiel Blogger-Star Leandra Medine, Chiara Ferragni konzipiert die Website „The Blonde Salad“.  Auf 280 Seiten führt Macphereson durch die Welt der Protagonisten. Ab März 2017 ist das Buch bei Rizzoli für 35 US-Dollar (32 Euro) erhältlich.

Women in Dior: Portraits of Elegance. Prinzessin Diana tat es. Elisabeth Taylor tat es. Und Rihanna tut es immer noch. Dior tragen. Als Tasche am Arm, als Cocktailkleid oder als rosafarbenes, weites, wolliges Cape. Seit Christian Dior in Paris sein Modehaus eröffnete, sind es nicht nur die Schönen und Reichen - sondern auch die Berühmten, die sich darauf verlassen, dass Dior der Mann ist, der sie perfekt aussehen lässt. Das Buch „Women in Dior: Portraits of Elegance“ ist auf so etwas wie eine Parade geworden, ein bißchen wirkt es, als verließen all die Grandes Dames gerade das Atelier des Couturiers. Dazu bietet es hervorragende Lektüre, denn die Autorin Laurence Benaim ist nicht nur eine versierte Historikerin, sondern eine Kennerin der französischen Schneiderkunst. Erschienen ist das Buch bei Rizzoli und kann dort seit September 2016 für 45 US-Dollar (41 Euro) erworben werden.

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