Erst vor kurzem ist in London die Ausstellung „Savage Beauty“ über das Werk Alexander McQueens zu Ende gegangen. Das Besondere: In nur fünf Monaten lockte sie mehr als eine halbe Millionen Menschen ins Victoria & Albert Museum. Besucherrekord. An den letzten beiden Wochenenden war das Museum sogar rund um die Uhr geöffnet, um dem Andrang gerecht zu werden. Das zeigt: Mode zieht die Massen an. Auch die im Museum.

Die aktuelle Ausstellung im Victoria & Albert Museum beschäftigt sich ebenfalls mit Mode. Für „Shoes, Pleasure and Pain“ wurden mehr als 250 Exponate aus aller Welt zusammengetragen. Sie zeigen: Vor allem für die Damen war Schönheit und Schmerz zu allen Zeiten über das Schuhwerk eng miteinander verknüpft. Um gemütliche Schuhe geht es dagegen im Brooklyn Museum in New York. Sie nehmen Sneaker genauer unter die Lupe und gehen der Frage nach, wie sich der Sneaker-Kult entwickelt und über die Jahre verändert hat. Ein Muss, nicht nur für Sneakerheads.

Die Münchner Kunsthalle widmet derweil Jean Paul Gaultier und dessen Schaffen die Ausstellung „From the Sidewalk to the Catwalk“, die Mitte September beginnt. Und das Kassler Museum für Sepulkralkultur geht der Frage nach, warum Totenköpfe und Skelette so gern genutzte Motive auf Kleidung sind. Das sind die Top 5 Mode-Ausstellungen zum Herbst:

1. SNEAKER KULTUR IN NEW YORK

Sneaker sind spätestens seit den 60er Jahren ein zentraler Bestandteil der amerikanischen Gesellschaft und wurden mit der Hiphop-Bewegung und dem Run DMC-Hit “My Adidas” in den 80er Jahren zum absoluten Must-have, insbesondere der afro-amerikanischen Kultur. Jetzt hat das Brooklyn Museum dem Phänomen eine eigene Ausstellung gewidmet. Bis zum 4. Oktober veranschaulicht “The Rise of Sneaker Culture” am Beispiel von rund 150 Turnschuh-Paaren den rasanten Aufstieg der Leisetreter. Von authentischen Retro-Modellen aus dem mittleren 19. Jahrhundert über den Nike Waffle Trainer und punkig-schwarze Converse Chuck Taylor High-Tops aus den 1960er und 70er Jahren bis hin zu den aktuell so erfolgreichen Celebrity- und Künstler-Kooperationen sowie Kanye Wests Yesszys. Kritiker bemängeln zwar, dass die von Elizabeth Semmelhack kuratierte Ausstellung zwar einiges über den Werdegang der Sneaker, aber wenig über die Entwicklung der Sneaker-Kultur aussagt, und lästern, dass jeder Foot Locker-Store mehr Styles aufweist. Mag sein, die gezeigten Modelle und Video-Clips geben aber zumindest einen guten, chronologischen Überblick.

The Rise of Sneaker Culture: 10. Juli bis 4. Oktober, Brooklyn Museum, New York City

2. FASZINATION SCHUH IN LONDON

Shoes, Pleasure and Pain – der Titel der Ausstellung im Victoria & Albert Museum ist vielversprechend. So beschäftigt sie sich mit den Freuden, aber auch mit dem Leid, das Schuhe bei ihren Trägern verursachen können. Rund 250 Exponate aus aller Welt hat Kuratorin Helen Persson zusammengetragen, historische und zeitgenössische. Kostbare indische Brautschuhe und Sandalen aus Papyrus und altem Leder sind genauso dabei wie die legendären roten Ballettschuhe, die für den Film "The Red Shoes" gefertigt wurden. Schuhe von rund 70 namhaften Designer, darunter Manolo Blahnik, Christian Louboutin, Jimmy Choo und Prada sind zu sehen. Die Ausstellung belegt zwei Stockwerke des Museums und ist in drei Themen gegliedert: Transformation, Status und Seduction. Dazu gehört auch ein Bereich, der sich mit der Produktion von Schuhen beschäftigt, angefangen bei einer Werkstatt für günstige Schuhe aus dem 18. Jahrhundert über eine Manfufaktur für feine Brogues bis zur Sneaker-Produktion in China. Fazit: ein Muss für jeden Schuh- und Design-Interessierten.

Shoes, Pleasure and Pain: 13. Juni 2015 bis 31. Januar 2016, Victoria & Albert Museum, London

3. GAULTIERS MODE IN MÜNCHEN

Die Münchner Kunsthalle macht ihren Besuchern anlässlich des 30-jährigen Bestehens ein ganz besonderes Geschenk: Die erste Modeausstellung des Museums. „From the sidewalk to the catwalk“ ist dem Lebenswerk von Jean Paul Gaultier gewidmet. Der 63-jährige Franzose ist bekannt für seine exzentrischen Kreationen vom Korsett bis zum Herrenrock, aber auch für seine schlichten Ringelshirts. Die Kunsthalle zeigt 140 seiner Modelle, von Haute Couture bis Prêt-à-Porter. Ein besonderer Leckerbissen sind die legendären Bühnenoutfits, z.B. das berühmte Korsett, das Madonna auf ihrer Blonde-Ambition-Tour 1990 trug. Aber auch Kylie Minogue hat ihre Outfits für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Künstlerisches und dokumentarisches Filmmaterial, Videos und Fotos präsentieren Arbeiten mit Künstlern wie Pierre et Gilles, Peter Lindbergh, Cindy Sherman und Andy Warhol und machen die Ausstellung zu einer spektakulären multimedialen Inszenierung.

From the sidewalk to the catwalk: 18. September 2015 bis 14. Februar 2016, Kunsthalle München

4. ALLES ÜBER DAS HAUS CHANEL IN LONDON

Die Geschichte des Hauses Chanel steht im Mittelpunkt einer Ausstellung, die im Oktober in der Saatchi-Galerie in London beginnt. Die Ausstellung ist eine Reise von den Anfängen Chanels bis zur Gegenwart und spannt den Bogen von Coco Chanel zu Karl Lagerfeld. Zu sehen sind sowohl Entwürfe, insbesondere aus dem Bereich Haute Couture, aber auch eine Neuedition der Schmuckkollektion „Bijoux de Diamants“ aus dem Jahr 1932 und das Parfum Chanel No 5, das ikonisch für das Haus steht. Über drei Etagen des Hauses gewährt die Ausstellung Einblicke in das Schaffen von Coco Chanel und Karl Lagerfeld und fängt deren außergewöhnliche Persönlichkeiten ein.

Mademoiselle Privé: 13.Oktober 2015 – 1. November 2015, Saatchi Gallery, London

5. TOTENKÖPFE IN DER MODE IN KASSEL

Seit jeher haben Totenmotive wie Totenköpfe und Skelette Künstler und Designer inspiriert. In fast allen Bereichen, ob High Fashion oder kommerzieller Mode, spielen Totenmotive eine wichtige Rolle. Unter dem Motto „Buy now, die later!“ widmet das Kassler Museum für Sepulkralkultur der Beziehung von Mode und Totenmotiven eine Ausstellung. Es wird der Frage nachgegangen, warum Skulls ein gern genutztes Bild sind und weshalb sie überhaupt Künstler und Designer inspirieren. In einer fiktiven Shoppingtour kann der Besucher im Museum durch Regale an mit Totenköpfen verzierten Schuhen vorbeischlendern und sich durch Kleiderständer und Tische mit Totenkopf-Mode wühlen. Im Sepulkralkaufhaus können zudem alle Besucher beim Late Night-Shopping u.a. T-Shirts und Stoffbeutel aus der eigens für die Ausstellung entworfenen Vanitas-Kollektion kaufen.

Das Sepulkralkaufhaus – Buy now, die later! 25. Juli 2015 – 8. November 2015, Museum für Sepulkralkultur, Kassel