Über den Tellerrand zu schauen und Dinge einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel oder einer anderen Zeit zu betrachten, inspiriert. Das gilt wohl für jede Branche und für die Mode ganz besonders. Zumal die großen Museen weltweit immer wieder neuen Stoff dafür liefern und die Mode selbst zum Thema großer Ausstellungen machen. Und das zurecht, denn: Mode bestimmt den Alltag, sie beeinflusst seit jeher die Kunst und hat schon oft Geschichte geschrieben.

Herbst-Highlights: Bekannte Museen in San Francisco, New York, London und Hamburg geben Einblicke auf die modischen Einflüsse der letzten Jahrhunderte. Dabei geht es um die Neuaushandlung von Dresscodes, um Uniformen jeglicher Art oder schlichtweg um echte Meisterstücke der Schneiderkunst. Diese Ausstellungen sollte man sich im Kalender notieren.

FASHION IN FLIGHT IN SAN FRANCISCO

Siebzig Variationen der Damen-Flugbekleidung von 1930 bis heute zeigt die Ausstellung „Fashion In Flight: A History of Airline Uniform Design“. Beleuchtet wird die Entwicklung von der zunächst ausschließlichen Berufsbekleidung vor dem zweiten Weltkrieg über erste Zusammenarbeiten mit berühmten Coutouriers und Modehäusern in den 50ern, 60ern und 70ern bis hin zur modischen Relevanz heute. Dabei lassen sich unterschiedlichste Trenddekaden entdecken. Neben Einflüssen aus Paris, New York und Hollywood sind die Uniformen zeitweilig von Krankenschwester-Outfits oder dem Militär-Look inspiriert. Darauf folgt Casual Elegance und Power Dressing, den Abschluss bilden zeitgenössischen Modelle. Insgesamt sind über 30 Designer in der Ausstellung vertreten, darunter Pierre Balmain, Vivienne Westwood und Christian Dior.

Fashion In Flight: A History of Airline Uniform Design, 16. Juni bis 18. Januar, SFO Museum, San Francisco

SPORTS/NO SPORTS IN HAMBURG

Die Wechselwirkung von Sportbekleidung und Mode thematisiert die Ausstellung "sports/no sports" im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe. Denn ob nun Sportstars im Anzug oder Jogginghose und Sneakers im Büro - feste Dresscodes scheinen immer mehr zu verschwimmen. Und auch die Körperideale verändern sich dementsprechend. Die Ausstellung fängt den Wandel solcher Kleidungskonventionen ein: von der Abschaffung des Korsetts über androgyne Formen bis hin zur heutigen Perfektionierung durch Shape-Wear. Rund 150 Kleidungsstücke, Grafiken, Plakate, Fotografien und Filme gibt es zu bestaunen.

sports/no sports, 2. September 2016 bis 26. Februar 2017, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

UNIFORMITY IN NEW YORK

In der Schule, im Fastfood-Restaurant, auf dem Kreuzfahrtschiff: Uniformen sind im Alltag überall präsent. Sie müssen herausstechen, leicht zu erkennen sein – und sich gleichzeitig an gesellschaftliche Konventionen anpassen. Dabei erinnern Uniformen stets an die soziale Ordnung, stehen für Kontrolle, Tradition und Funktionalität. Eintönig und langweilig? Im Gegenteil, selbst in der High Fashion lässt man sich regelmäßig von uniformellen Details inspirieren und verwandelt sie in dekorative Elemente. Vom Football-Dress aus den 1920er Jahren bis zur McDonald's-Uniform von Stan Herman: Das Zusammenspiel lässt sich in der Ausstellung "Uniformity" im Museum des Fashion Institute of Technology in New York bewundern.

Uniformity, 20. Mai bis 19. November, Museum des Fashion Institute of Technology New York

THE VULGAR IN LONDON

Vulgar bedeutet im Deutschen vulgär – ein Begriff, mit dem man zunächst Provokation verbindet. Doch wann verwenden wir diese Bezeichnung im Bezug auf Mode? Und was hat das mit unserem eigenen Geschmack zutun? Eine Möglichkeit zum Überdenken bietet die Ausstellung "The Vulgar – Fashion Redefined" in der Barbican Art Gallery in London. An über 120 historischen Kostümen, Stücken aus der Couture und Ready-To-Wear-Looks von beispielsweise Christian Lacroix, Miuccia Prada oder Viktor & Rolf kann sich der Besucher selbst ein Bild machen. Provozierend, schockierend, vulgär – ja oder nein? Anschauen und selbst entscheiden!

The Vulgar – Fashion Redefined, 13. Oktober 2016 bis 5. Februar 2017, Barbican Art Gallery London

MASTERWORKS IN NEW YORK

Mode im Hinblick auf ihre Bedeutung für Kunst und Geschichte wird in der Ausstellung "Masterworks - Unpacking Fashion" im Anna Wintour Costume Center des New Yorker Metropolitan Museum of Art beleuchtet. 60 Exponate aus dem 18. Jahrhundert bis heute sollen zeigen, welche Moden die jeweilige Zeit geprägt haben. Darunter ist auch das erste Kleid von Karl Lagerfeld für Chanel sowie Roben von Vionnet aus den 1930er Jahren. Eine ausgewählte, spannende Mischung von Meisterwerken also, die die historische und künstlerische Entwicklung von Kleidung ebenso wie die damit verbundenen Schönheitsideale sichtbar macht.

Masterworks: Unpacking Fashion,
8. November 2016 bis 5. Februar 2017, Metropolitan Museum of Art New York

REGINA RELANG IN OBERHAUSEN

Die Fotografin Regina Relang avancierte in der Nachkriegszeit zur führenden deutschen Modefotografin. Die gebürtige Stuttgarterin arbeitete für große Namen wie Christian Dior, Pierre Cardin oder Yves Saint Laurent. Ihre Arbeiten tauchten in der Zeitschrift Madame oder in der Vogue auf. Das Faszinierende: Sie fotografierte Mode vor außergewöhnlichen Schauplätzen wie dem vom Krieg zerstörten München, ließ Reportage- und Modefotografie auf einzigartige Weise verschmelzen. Aber auch die Studioarbeiten spiegeln das fotografische Feingefühl von Regina Relang wider. Ihr beeindruckendes Lebenswerk ist noch bis 18. September in der Ausstellung "Regina Relang. Inszenierte Eleganz. Mode- und Reportagefotografie von 1930 bis 1980" in der Ludwigsgalerie im Schloss Oberhausen zu sehen.

Regina Relang: Inszenierte Eleganz. Mode und Reportagefotografie von 1930 bis 1980. 22. Mai bis 18. September, Ludwigsgalerie Schloss Oberhausen



Laura Diegelmann