Es ist eine dieser vielzitierten Weisheiten. „Wer eine Reise tut, kann etwas erzählen.“ Ähnliches kann man über einen Museumsbesuch sagen. Auch solcher ist eine Reise, die einen fortführt vom Alltäglichen und hineinzieht in eine andere Welt. Gemälde, Skulpturen, Grafiken, Fotografien und Filme geben die Weltsichten von Künstlern wieder und regen den Betrachter an, Dinge neu und anders zu sehen. Und sie inspirieren. Pünktlich zum Herbstbeginn locken die Museen mit einer Vielzahl von Ausstellungen. Verregnete und kühle Tage bieten sich wunderbar an, um auf eine kleine Reise zu gehen. Dabei können die gezeigten Kunstwerke sogar noch mehr sein. Inspirationsquelle für Designer und Visual Merchandiser für die nächsten Kollektionen und Dekorationen.



Friedrich Wilhelm Murnau: Faust – Eine deutsche Volkssage; © Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
Friedrich Wilhelm Murnau: Faust – Eine deutsche Volkssage; © Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
SCHWARZE ROMANTIK. VON GOYA BIS MAX ERNST, FRANKFURT AM MAIN. „Der Nachtmahr“, „Der Flug der Hexen“ – schon die Titel der Kunstwerke, die in der Ausstellung „Schwarze Romantik“ noch bis Ende Januar im Städel Museum zu sehen sind, verheißen eine gewissen Gruselfaktor. Die Ausstellung widmet sich der dunklen Seite der Romantik. Künstler wie Francisco de Goya, Eugène Delacroix, Franz von Stuck und Max Ernst beschäftigten sich mit düsteren Sagen und Märchen. Das Schreckliche, das Wundersame und Groteske machten dem Schönen und Makellosen die Vorherrschaft streitig, heißt es in der Ausstellungsbeschreibung. Die Prozession von Mönchen durch den Nebel, ein Totenschädel mit hervortretenden Augen und ein roter Drache sind nur einige Motive, die im Städel Museum zu sehen sind und den Besucher in eine düster romantische Stimmung ziehen.

Schwarze Romantik, Frankfurt am Main, bis zum 20. Januar 2013



REGARDING WARHOL. SIXTY ARTISTS, FIFTY YEARS, NEW YORK. Wie Andy Warhol Künstler der verschiedensten Stilrichtungen und Epochen beeinflusst hat, zeigt die aktuelle Ausstellung des Metropolitan Museum of Art in New York. Unter dem Titel „Regarding Warhol“ werden die Arbeiten von 60 Künstlern aus den vergangenen 50 Jahren gezeigt, die von Warhol und seiner Kunst beeinflusst sind. Dazu gehören Werke von Ai Weiwei, Keith Haring, Damien Hirst oder auch Takashi Murakami und Julian Schnabel. Das Museum feiert so auf eine ganz besondere Weise das Lebenswerk des 1928 geborenen Künstlers, der einst als Illustrator für Modemagazine begonnen hatte. Die Ausstellung zeigt, wie Vorlagen unterschiedlich interpretiert und je nach Technik umgesetzt werden.

Regarding Warhol, New York, bis zum 31. Dezember 2012



IMPRESSIONISMUS UND MODE, PARIS. Fast könnte man die Künstler, deren Werke aktuell im Musée d'Orsay gezeigt werden, als die Blogger ihrer Zeit beschreiben. Die Impressionisten wollten mit ihren Gemälden die Tendenzen in der Mode und der Gesellschaft ihrer Zeit wiedergeben. Ihre Porträts sind Momentaufnahmen von Menschen in ihrer vertrauten Umgebung. Die vom Musée d'Orsay in Paris, dem Metropolitan Museum of Art in New York und The Art Institute in Chicago konzipierte Ausstellung ist zunächst in Paris zu sehen. Noch bis zum 20. Januar können sich Besucher von den Modeporträts aus den 1860er bis 1880er Jahren inspirieren lassen.

Impressionismus und Mode, Paris, bis zum 20. Januar 2013



Andreas Gursky, Bahrain I
Andreas Gursky, Bahrain I
ANDREAS GURSKY, DÜSSELDORF. Sein Bild der übervollen Supermarktregale ist längst legendär. Der in Düsseldorf arbeitende und lebende Fotokünstler steht innerhalb der zeitgenössischen Fotografie für eine Neubewertung des Realismus durch die konzeptuelle Inszenierung bzw. Bild­montage mit den Mitteln digitaler Technologie. Landschaften, Architektur, aber auch Menschenmengen gehören zu seinen Motiven. Das zeigt sich auch deutlich in der Ausstellung, die das Museum Kunstpalast dem 1955 in Leipzig geborenen Künstler widmet. Inspirierend ist vor allem die Verfremdung ganz alltäglicher Dinge durch digitale Technologien.

Andreas Gursky, Düsseldorf, bis zum 13. Januar 2013



Ernst Ludwig Kirchner: Mädchen unter Japanschirm; Foto: Walter Klein, Düsseldorf
Ernst Ludwig Kirchner: Mädchen unter Japanschirm; Foto: Walter Klein, Düsseldorf
IM FARBENRAUSCH. MUNCH, MATISSE UND DIE EXPRESSIONISTEN, ESSEN. Farbe läuft, das könnte man durchaus auch in Bezug auf die Expressionisten sagen, wenn man sich die seit Ende September im Folkwang-Museum in Essen laufende Ausstellung anschaut. Erstmals werden hier die Kunstwerke der „Fauves“, den sogenannten Wilden der französischen Kunst wie Henri Matisse, André Derain, Maurice de Vlaminck, den Norweger Edvard Munch und die jungen deutschen und russischen Expressionisten wie Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky, Gabriele Münter und Franz Marc einander gegenübergestellt. Diese Künstler definierten in Werken das Verhältnis zwischen Natur und Kunst neu und setzten dabei vor allem auf das kraftvolle Zusammenspiel der Farben

Im Farbenrausch, Essen, bis zum 13. Januar 2013



Elizabeth: The Golden Age; Universal/Working Title/The Kobal Collection/Greg Williams
Elizabeth: The Golden Age; Universal/Working Title/The Kobal Collection/Greg Williams
HOLLYWOOD COSTUME, LONDON. Wer schon immer einmal den weißen Dreiteiler sehen wollte, den John Travolta in Saturday Night Fever auf dem Dancefloor trug, kann das jetzt in London. Anlässlich der Ausstellung „Hollywood Costume“, die derzeit im Victoria and Albert Museum läuft, startete einer der Kuratoren, Keith Lodwick, einen Aufruf. Denn seit einer Versteigerung bei Christie's 1995 war der Besitzer unbekannt. Er meldete sich beim Museum und so ist der legendäre Polyester-Dreiteiler jetzt neben mehr als 100 Kostümen aus Hollywood-Filmen zu sehen. Dazu gehört etwa Scarlett O'Haras grünes Kleid, das sie aus einem Vorhang nähte. Das kleine Schwarze von Holly Golightly aus Frühstück bei Tiffany oder auch ein Kostüm von Consolata Boyle, das Meryl Streep als Magaret Thatcher in The Iron Lady trug. Die Ausstellung will aber nicht nur die einzelnen Kostüme präsentieren, sondern widmet sich auch der Rolle der Kostümdesigner für das Kino.

Hollywood Costume, London, 20. Oktober 2012 bis 27. Januar 2013



Highlight towers, München
Highlight towers, München
HELMUT JAHN. PROCESS/PROGRESS, NÜRNBERG. Fünf Jahre lang war der Fotograf Rainer Viertlböck mit seiner Kamera in der ganzen Welt unterwegs. Immer auf den Spuren von Helmut Jahn und seinen Werken. Der deutsch-amerikanische Stararchitekt hatte ihm den Auftrag gegeben, weltweit alle Bauwerke von ihm neu zu fotografieren. Entstanden ist so eine Werkschau, die in Bildern die Entwicklungsgeschichte des 1940 in Zirndorf bei Nürnberg geborenen Architekten nacherzählt. Dazu gehören Bilder von Entwürfen wie dem Messeturm in Frankfurt, des Sony Centers in Berlin und des Hochhauses Sign! in Düsseldorf. Die Konstruktionen aus Glas und Stahl sind dabei das Markenzeichen von Helmut Jahn.

Helmut Jahn, Nürnberg, 30. November 2012 bis 24. Februar 2013