Anzüge über Anzüge. Der Name ist Programm bei „Suits“, der Serie, die jetzt auf dem Abo-Sender Fox angelaufen ist und immer montags um 21 Uhr ausgestrahlt wird. In den USA ist die Geschichte um eine Anwaltskanzlei so erfolgreich, dass bereits die dritte Staffel produziert wird. Es sind nicht die Fälle, die diese Serie so unvergleichlich machen. Viel faszinierender sind die Intrigen innerhalb der Kanzlei. Es sind die Charaktere und nicht zuletzt auch deren Kleidung, die begeistern.

Bei „Suits“ wird schnell klar, wer die Macht hat. Nicht nur der Habitus, sondern auch die Anzüge machen den Unterschied. Die Serie zeigt die Details und Unterschiede, die einen guten, auf den Leib geschneiderten Anzug von einem Anzug von der Stange unterscheiden. Auf die handwerkliche Spitze treibt dieses Spiel Harvey Specter, der karrieregeile Playboy und Star-Anwalt, der mit Vorliebe breite Binder zu voluminösen Kragen trägt. Dazu Anzug mit Weste. Und zwar so geschnitten, dass in die Fenster zwischen Ellbogen und Taille locker ein Fußball passen würde. Von haselnussgroßen Mengen Gel hält er nicht viel. Bei Specter darf es schon ein bisschen mehr von allem sein. Mehr Revers, mehr Krawatte, mehr Kragen.

Sein Konterpart und Kollege ist der schlagfertige, blitzgescheite Mike Ross, der per Zufall zum kongenialen Partner Specters avanciert. Ross schlägt sich bis dahin mit Gelegenheitsjobs durch. Nach einem geplatzten Deal flieht er vor Gangstern und landet bei Specter in der Kanzlei. Dort stellt er sein fotografisches Gedächtnis unter Beweis. Specter ist begeistert.

Die Geschichte des ungleichen Duos beginnt und Anzugverkäufer dürfen sich freuen. Hier wird der feine Zwirn ins rechte Licht gerückt. Er zeigt sich in vielen Facetten. Ross trägt Chucks zum Anzug. Zerknautscht seine billigen Jackets mit klobigen Umhängetaschen. Kurzum: Er hat Nachholbedarf in Sachen Businesswear und reizt Specter ein ums andere Mal mit seinen viel zu rumpeligen Anzügen und viel zu schmalen Krawatten. Ross bewegt sich zwischen coolem Draufgängertum und egozentrischem Anwaltsgehabe. Doch Specter weiß, was er an ihm hat. „Think bigger“, sagt er und grinst sein Kapitalistengrinsen.