Wer Louvre sagt, muss seit Neuestem nicht zwangsläufig das weltberühmte Kunstmuseum in Paris meinen. Seit November vergangenen Jahres macht der Louvre Abu Dhabi seinem französischen Namensvetter gehörig Konkurrenz. Auf Saadyat Island, einer dem Festland vorgelagerten und über eine Brücke mit der Hauptstadt des Emirats verbundenen Insel, ist ein Museum der Superlative entstanden. Und eines der ambitioniertesten Bauwerke der jüngeren Zeit.

Gut 400 Mio. Euro soll das Emirat allein für die 30 Jahre lange Nutzung der Namensrechte des Louvre bezahlt haben, mehr als 500 Mio. Euro für die Beratung und Leihgaben von Kunstwerken französischer Museen. Dagegen verblassen die eigentlichen Baukosten – stolze 580 Mio. Euro – fast schon.

Der Louvre Abu Dhabi ist sicher nicht allein deshalb eine Reise Wert. Dem franzöischen Stararchitekten Jean Nouvel ist es gelungen, ein wahres Architekturdenkmal in den heißen Wüstensand zu setzen. Nicht weniger als das hatten ihm die Scheichs bei der Planung vorgegeben. Zehn Jahre dauerte der Bau, etliche Verzögerungen inbegriffen. Mit seiner riesigen, 55 weiße quaderförmige Gebäude überspannenden Kuppel, wirkt der Komplex ein wenig so, als sei ein stählernes Ufo gelandet oder eine gigantische Schildkröte im Begiff aus den Tiefen des Meeres aufzutauchen. Einen „Tempel der Schönheit“, nannte der französische Präsident Emmanuel Macron den Louvre Abu Dhabi anlässlich der Eröffnung.

Die offene Dachkonstruktion hat einen Durchmesser von 180 Meter, wiegt 7500 Tonnen und scheint dennoch zu schweben. Mit seiner Anmutung wie ein Märchen aus 1001 Nacht erinnert das Ensemble an eine orientalische Medina. Verantwortlich dafür ist vor allem die gekonnte Nutzung des natürlichen Lichteinfalls. „Die Dachkuppel besteht aus insgesamt neun Schichten, außen liegen vier Stahlschichten, Innen vier Aluminiumschichten. Dazwischen befindet sich die tragende Stahlkonstruktion“, erklärt ingenieur.de die aufwändige Konstruktion. Durch die Geometrie dieser Schichten entsteht eine Art Sternenhimmel aus fast 8000 Sternen. Je nach Sonneneinstrahlung werfen sie unterschiedliche Schatten an Boden und Wände, zusätzliche Reflektionen entstehen durch die zahlreichen Wasserbassins im Inneren des Museums.

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Eindrucksvoll ist das Bauwerk aber nicht nur unter ästhetischen Gesichtspunkten. Die Dachkonstruktion spendet Schatten für entspanntes Flanieren und Betrachten und schützt gleichzeitig die kostbaren Ausstellungsstücke. Und was erwartet den Kunstliebhaber dort? Nicht weniger als eine Reise durch die gesamte Menschheitsgeschichte, visualisiert durch Ausstellungstücke aus aller Welt und den verschiedensten Epoche, soll den Besuchern geboten werden. Vom alten Ägypten bis zu zeitgenössischer Kunst, von Leonardo da Vinci bis Ai Weiwei.