Erinnern Sie sich noch daran, als Sie ihr erstes Fahrrad bekommen haben? Vielleicht mit Stützrädern? Oder einer Wimpelfahne, die am Hinterrad befestigt war und beim Fahren immer hin und her geschwenkt ist? Jedenfalls musste es funkelnagelneu sein. Das Fahrrad. Keine Lackschäden, keine Dellen, keine Roststellen durfte es haben.

Mit einem neuen Fahrgestell muss man heutzutage den Hipstern in den Metropolen erst gar nicht kommen. Es scheint die Maxime zu gelten: Je oller der Drahtesel, desto doller der Fahrspaß. Auf den Straßen von Paris, London, Frankfurt, Straßburg, Rotterdam, Mailand und Melbourne sieht man in Mehrzahl die alten Retro-Fahrradmodelle über den Asphalt rollen. Rostige Fahrradkette? Verbogener Lenker? Eigener Anstrich? Alles inbegriffen. Der Kleidungs-Stil dazu ist meistens sportlich, casual bis alternativ: Röhren, Jeans-Shorts, Leggings mit Ikatmuster, verwaschene Jeans-Jacken, Vintage-Sweater und zerschlissene Lederjacken stehen bei den Damen hoch im Kurs. Dazu werden Sneaker, Chucks, Sandalen und derbe Schnürstiefel getragen. Mit High Heels fährt es sich dann doch nicht so gut. Der Look ist trendig, aber immer komfortabel und passabel fürs Rad. Wenn es um Accessoires geht, siegt das Stilempfinden der Damen klar vor der Praktikabilität. Einen Rucksack auf dem Fahrrad tragen die wenigstens. Lieber baumelt da der Jutebeutel oder die weiche Leder-Slouchtasche am Arm.

Eine Mischung aus Skater- und College-Boy-Look zeigt sich bei den Männern. Jeans, Shorts, Muskel-Shirts, Collegejacken und lässige T-Shirts werden – wie könnte es anders sein – am liebsten mit Sneakern kombiniert. Im Gegensatz zu den Mädels, zeigen sich die Jungs als dankbare Rucksack-Träger. Lässigkeit ist beim Radler Trumpf. Es geht aber auch ganz anders. Weniger Retro. Mehr funktionell. Hier ist das Fahrrad nicht mal so nebenbei auf dem Flohmarkt gekauft, sondern mit Bedacht ausgewählt worden. Die Rennrad-/Fixie-Fraktion. Hier avanciert das Fahrrad zum Status-Symbol. Der Look ist eigenwillig. Denim-allover, karierter Jeansdruck oder auch mal ein Jacket mit überschnittener Schulterpartie, darunter ein rotes Hemd und eine Schwarz/Gelb-karierte Krawatte stehen dafür. Ein Erkennungszeichen: Das Hosenbein in den modischen Strumpf gesteckt. Damit nichts in die Speichen kommt.

Das Fahrrad als Statussymbol und der damit verbundene Wunsch nach Individualisierung eröffnet einen schier unbegrenzten Markt für ebenso praktische wie stylische Extras. Von futuristischer Radbeleuchtung bis zu coolen Schutzblechen. Von modischen Helmen bis zu fluoreszierenden Schrauben. All das, was zur neuen Fahrlässigkeit beiträgt.