Was ist da denn los? GDS im März 2011. Auf den Gängen der Whitecubes, zwischen weißen Einheitsständen und geklonten Einkäufern in dunklen Sakkos, schlendert doch tatsächlich einer im Friesennerz herum. Mattes, geöltes Gelb zu khakifarbener Chino. Erster Eindruck: ziemlich gewagt. Also schnell zweimal abbiegen und von vorne betrachten. Smarter Typ, Anfang Dreißig, Einkäufer eines progressiven Männerladens in Paderborn. Zweiter Eindruck: verdammt weit vorne.


Hentsch Man
Hentsch Man




Keine drei Monate später auf dem Pitti Uomo in Florenz zeigt sich, dass er den richtigen Riecher hatte: Ob Closed oder Fidelity, Nigel Cabourn, Blauer, Club du Sport oder Newcomer wie Hentsch Man – sie alle haben scheinbar auf dem gleichen Flohmarkt gefischt und ihre Kollektionen für kommendes Frühjahr mit Klassikern vom Kutter aufgepeppt. Junge Skandinavier wie Suit oder Minimum hatten die Öljacken bereits in diesem Sommer auf den Flächen angetestet.

Nach Cardigan, Norweger und Sakko mit Ärmelpatch also jetzt ein weiterer Griff in die Retro-Kiste. Warum nicht?! Der Ostfriesennerz hat eine, wenn nicht sogar zwei, Generationen übersprungen und kann jetzt vorurteilsfrei wieder angreifen. Wer in den 70ern und 80ern mit ihm groß geworden ist, mag ihn noch als Retroteil wahrnehmen. Für die Jüngeren, Modeaffinen ist er – so lange Zara und Cos ihn noch nicht in den Markt drücken – ein modisches Statement. Es treffen Funktionalität (das Original war eine PVC-beschichtete Wendejacke) und Styling aufeinander. Dabei tritt die Funktionalität eher in den Hintergrund. Verschweißte Nähte sind nett, wichtiger aber ist, dass sie sich farblich sichtbar abheben. Ein Meshfutter, vermeintlich wasserdichte Zipper – alles schön und gut, vor allem aber schön.



Hentsch Man
Hentsch Man




Pro Friesenjuppe spricht nicht zuletzt auch das Farbspiel. Das Original in Knallgelb mit blauem Innenleben ist ein Hingucker. Abstufungen in Richtung Orange oder auch Grün sind spannende Alternativen und vor allem sinnvolle Ergänzungen zu den Naturfarben, die im kommenden Frühjahr noch einmal die Basis bei den Hosen bilden. In progressiven Kollektionen wie Hugo werden azide Sommerfarben ohnehin für ein überraschendes Bild sorgen.