Frisch gestrichen, Farbflash? Das kann jeder. Für echte Fashion-Victims geht der Trend jetzt einen deutlichen Schritt weiter. Denn da wird frisch gelackt. Hochglänzende Lack-Oberflächen sind ein Aufsteigerthema in der modischen Spitze. Ob geknautscht oder glatt und strahlend, ist dabei vollkommen gleich. Beides ist gleichermaßen hip. Und zwar in Echtleder – das ist natürlich die edlere Variante. Oder als Imitat – das inzwischen aufgrund innovativer Qualitäten aber längst genauso akzeptiert ist.

Das Revival dieses Materials, das eigentlich eher verruchten, zwielichten Milieus zugeschrieben wird, ist sicher in Zusammenhang mit dem massiven Comeback der 80er und 90er zu sehen, das seit Saisons immer wieder die internationalen Laufstegkollektionen durchzieht. Ob bei Isabel Marant, Kenzo oder Philosophy di Lorenzo Serafini. Ob Vivetta, Mugler oder Marni. Und wer erinnert sich nicht an die oberschenkelhohen Overknees, mit denen Julia Roberts in „Pretty Woman“ einst Richard Gere becirct hat. Wem das zu romantisch ist, der erinnert sich vielleicht noch an typische Techno-Raves der 90er. Love Parade lässt grüßen – keine ohne Lackhose oder Lack-Oberteil zu geschmacklosen Plateau-Turnschuhen.

Fast alles ist wieder da. Von Hosen und Röcken mit Hochglanz bis zu Trenchcoats, Blousons, Bikerjacken und natürlich auch Accessoires von Gürtel bis Bootie. Allerdings wird Lack in der aktuellen modernen Form eher clean und chic kombiniert. Ganz ohne Trash-Attitüde – das ist elementar. Sweat, haariger Strick, schlichtes Shirt oder maskuline Streifenbluse machen Lackhose oder -Rock alltags-, und eben nicht mehr nur Club- oder Disco-tauglich. Gleiches gilt für Lackmäntel oder Bikerjacken – sie werden am besten zu schlichten Hosen, Feinstrickrolli oder weißer Bluse getragen und so fast business-fähig. Zur Entschärfung trägt übrigens auch das Zusammenspiel mit Sneakern oder maskulinen Loafern bei. Bloß nicht zuviel Sexappeal bei diesem Trend. Sonst wirkt’s schnell billig. Also: No High Heels, please!