Oh je, Patchwork? Da fallen einem doch sofort diese furchtbaren Jeanshosen von vor zehn Jahrn ein, mit vorne Cord und hinten Denim. Am besten noch als Bootcut. Das soll jetzt wiederkommen? Natürlich nicht. Jetzt ist von Outerwear die Rede. Von Jacken mit neuem Charakter. Vor allem aus Japan kommen hier richtungsweisende Inspirationen. Von Junya Watanabe natürlich, aber auch von Labels wie White Mountaineering, Nanamica, Anachronorm und Visvim. Nie gehört? Dann wird es höchste Zeit. Denn das sind nur einige Namen, die jeder Jackenfan im Kopf haben sollte, wenn er auf der Suche nach innovativen Styles und unkonventionellen Kombinationen ist. Es geht um Jacken, zusammengesetzt aus den unterschiedlichsten Qualitäten, ein Stoff schöner als der andere.


Lifetime Collective
Lifetime Collective



Zugegeben, die Idee an sich ist nicht brandneu. Bei Sportausrüstern wird schon länger geflickt. Das nennt sich dann Bodymapping und kombiniert unterschiedlichste Funktionsmaterialien so, dass das Kleidungsstück optimal zur Aktivität passt. Von der Nordic-Walking-Socke bis zur Radlerhose. Aber natürlich geht die Geschichte noch weiter zurück. Um zu erahnen, woher die Designer das ganze Gepatche haben, braucht man sich nur beim Jagdbekleider seines Vertrauens die Schießjacken-Ecke zeigen zu lassen. Einzigartige Outerwear hängt hier am Haken. Rückstoßresistente Schulter für den Schuss und Hasentasche für den Fang inklusive. Vielleicht für ein polarisierendes Freizeitvergnügen, aber ganz sicher für einen großartigen Look.

Aus dieser Welt kommen die Shetlands und Tweeds, die jetzt wieder zu gewachster Baumwolle gestellt werden, hierher stammen Loden und Leder, Cord und Canvas, die jetzt wieder fleißig zusammengenäht werden. Selbst gewaschener Samt ist mit von der Partie.

Die Fashion-Meute übernimmt die Waidmanns-Idee und patcht, je nach Extrovertiertheit, so viele Einzelteile die Jacke eben hergibt. Wer es kommerzieller mag, beschränkt sich auf zwei halbwegs tonige Qualitäten, die pro Jacke aufeinandertreffen. Passe, Ärmel und Kragen aus geölter Baumwolle, Rumpf und Pattentaschen aus dickem Loden. So wird der Mann an den Look geführt. Die Farben dürften für ihn kein Problem sein: Hier geht es fast nur um Naturtöne. Tabak, Khaki, Beige und Braun bringen einen gepflegten Herbst ins Haus.

Und diese Förster-Fashion, die für alte Männer begann, ist - wie sollte es anders sein - jetzt auch für die jungen attraktiv. Vereinzelte Urbanwear-Labels beweisen es. Namen wie Lifetime Collective, Penfield und Minimum haben bereits an der Idee genippt und ihre Daunenwesten und Winterparkas schon jetzt mit braunen Lederpassen und -aufnähern versehen.

Wer also dachte, nach dem Ellbogen-Patch-Hype der Sakko-Leute sei generell Schluss mit Aufnähen, der hat die Rechnung ohne den Forstwirt gemacht.