Was haben Trenchcoat, weißes T-Shirt und das kleine Schwarze gemeinsam? Richtig, sie sind absolute Klassiker der Mode. Nicht fehlen darf in dieser Riege das Polohemd: Anfang des 20. Jahrhunderts in Indien für den Polosport entwickelt, modifizierte es der Tennisspieler René Lacoste in den 30ern – ein Kassenschlager war geboren. Bereits 1939 verkaufte die gleichnamige Firma des Franzosen rund 300.000 Exemplare mit dem Krokodil auf der Brust.

Topshop
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Heute ist es wohl ein Vielfaches dessen, denn ein Schlager ist es geblieben. Nicht nur bei Lacoste. Mit dem Shirt haben sich unter anderem Ralph Lauren und Fred Perry eine goldene Nase verdient. Und das durchaus auch mit Modellen für Frauen: Spätestens seit den 80ern hat das Poloshirt auch die DOB im Griff. Dank Knopf und Kragen gut gekleidet, trotzdem bequem – so hat Sie’s gern.

Heute gilt der Allrounder in der Modewelt aber vor allem als eines: als spießig. Man trifft ihn in allen Schattierungen auf dem Golfplatz (meist in Begleitung einer Perlenkette). Am Frühstücksbuffet des Allinclusive-Hotels in der Türkei (Markenware vom Basar). Oder in der Wandergruppe im Harz (dann gerne im Rudel). Caprihose und Schirmmütze vervollständigen den Look. Modegrad der Trägerin: schwach bis unterirdisch.

Jetzt bekommt der schnieke Langweiler jedoch trendmäßig Auftrieb. Überschnitten. In Weiß. Mit oder ohne Logo auf der Brust. Zu verdanken ist das in erster Linie der Lust auf schräge Kombinationen: oversized zum Spitzenrock. Zum ausgestellten Rock mit 50er Jahre-Flair. Verkürzt zur hochgeschnittenen Jeans. Oder in Mesh oder Spitze statt Pikee. So tragen ihn Hipster von Berlin bis London. Ein klarer Fall von Pologamie.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Dass Polohemden an dieser Stelle als modische Aufsteiger beschrieben werden, heißt nicht, dass sie in den vergangenen Jahren Ladenhüter waren. Sie waren immer allgegenwärtig. Und werden es wohl immer sein. Was wäre die Frühjahrs-Kollektion von Gerry Weber ohne Polo? Was träge Frau Müller von gegenüber zum Einkaufen? Ganz zu schweigen von der Dame auf dem Golfplatz. Nun wird der Klassiker aber eben auch für Modefans wieder relevant. In neuen Materialien, aktualisierten Silhouetten. Ein Liebling für alle. Solo Polo. Dio mio.