Prada, Marni, Sander. Chanel, Dior, Vuitton. Sie sind gesetzt. Sie gelten als die Innovationstreiber und Impulsgeber in Sachen Trends, wenn es um die großen Schauen zwischen Mailand und Paris geht. Das ist seit Saisons so. Das bleibt natürlich auch so. Doch Achtung: In dieser Saison haben vor allem in Mailand auch neue oder unbekannte Namen, auf jeden Fall Kollektionen aus der zweiten Reihe von sich reden gemacht.

Im Zuge von Individualisierung und Profilierung ist auch das Topgenre kontinuierlich auf der Suche nach Aufsteigern. Hier treten in dieser Saison einige stärker in den Blickpunkt. Da wäre zum einen Andrea Incontri mit seiner handwerklich anspruchsvollen, akkuraten Konfektion. Er wurde schon von The Vogue Talents Corner, einem Projekt der italienischen Vogue in Kooperation mit The Corner.com, das wiederum ein Projekt des Online-Händlers Yoox.com ist, gefördert und erfährt jetzt größere Beachtung. Oder der wilde Muster-, Material- und Farben-Mix des Aufsteigerlabels MSGM. Es ist seit ein, zwei Saisons bei informierten Einkäufern im Gespräch. In dieser Saison überzeugt die Präsentation der Kollektion von Designer Massimo Giorgetti unter dem Titel „Romantic Post-Punk“ erneut mit einer eigenen facettenreichen Handschrift.

„Punk Revolution“ ist auch das Motto eines weiteren, noch relativ jungen Kreativen: Fausto Puglisi, der mit Tartans, Leder, Strapsen und Strass in seiner Herbstkollektion auf sich aufmerksam macht. Die Franzosen haben ihn offenbar schon entdeckt. Denn nur wenige Tage nach seiner Vorstellung in Mailand gibt er sein Debüt für das Pariser Haus Ungaro. Eine Premiere, für die er allerdings deutlich weniger Lob erhält als für seine eigene Kollektion. Nicht mehr ganz jung und schon lange im Geschäft ist dagegen Alessandro Dell'Acqua, der bereits unter seinem eigenen Namen designte und mit einer zarten, feminin-dekorierten Handschrift eine treue Fangemeinde hatte. Mit seinem Label No 21 zeigt er eine moderne Eleganz mit subtiler Dekoration, von der nicht nur der Chefeinkäufer des Mailänder Trendstores Antonia nach der Show begeistert schwärmt.

Kein ganz neuer Name ist auch Ports 1961. Das für seine urbane Konfektion bekannte, ursprünglich kanadische Label zeigt erst seit zwei Saisons in Mailand und überzeugt mit einem femininen Twist für modern übersetztes Tailoring. Gar nicht neu in der Branche, aber erstmals mit einem großen Defilee und nicht nur mit einer intimen Präsentation in Paris dabei, sind auch die Macher von Odeeh: Otto Drögsler und Jörg Ehrlich. Ihr subtiler Umgang mit Silhouetten und Proportionen, Stoffen und Mustern zieht von Saison zu Saison größere Kreise. Absolut kein Unbekannter ist auch Christophe Lemaire, den viele schon als Kreativchef von Lacoste oder aktuell von Hermès kennen und schätzen gelernt haben. Mit seinem eigenen Label setzt er auf bodenlange Trenchcoats, coole Konfektion und eine pure Handschrift mit dezenten Details. Ein zeitgemäßer Look, mit dem er auch unter seinem eigenen Namen noch stärker ins Rampenlicht treten könnte.

Im Rampenlicht steht Christian Wijnants bereits, als vielfach ausgezeichneter und prämierter Nachwuchsstar der Designszene. Der Belgier, der wie viele große Namen vor ihm in Antwerpen studiert hat, könnte mit der neuen Kollektion, die experimentellen Strick genauso wie hüllenartige Mäntel beinhaltet, einen größeren Durchbruch schaffen. Also jede Menge neue Namen. Die zweite Reihe ist im Aufbruch.