Nicht nur auf der Panorama waren sie zu finden: Labels wie Nü aus Dänemark. Dunkle Feenkleider, die einen trendigen Vampirfilm bestens illustrieren würden. Paillettenjacken, kernige Boots und prächtiger Schmuck schaffen den Dreh in einen angesagten Look. Vor ein, zwei Saisons wären viele Einkäufer achtlos an vermeintlichen Nischen-Labels vorbei gegangen. In dieser Saison ist es anders. Selbst die Einkäufer, die sich in der Mitte des Marktes bewegen, proben den Aufbruch in ein neues Angebots-Level. Sie setzen sich mit neuen Kollektionen intensiv auseinander. Sie sind gezwungen dazu, wurden sie doch links und rechts vom Anspruch ihrer Kundinnen überholt. Somit kamen diesmal deutlich mehr Einkäufer in die Hauptstadt, um sich heranzuarbeiten an die Trends, an die Must-haves der Saison.

Nicht nur Einkäufer aus dem progressiven Feld haben stets Bedarf an coolen, neuen Sweats, an Shirts, neuen Lederjacken oder Strick-Programmen. Auch im mittleren Segment wird auf all die spitz formulierten Mode-Trends gesetzt. Verfremdete Camouflage-Looks in neuen Farben oder mit neuer Wirkung auf Seide werden gekauft. Die Händler setzen auf alles Schimmernde, Glänzende rund um all die Metallic-Beschichtungen, die Nieten- und Paillettenthemen. Sie suchen neue Intarsienpullis, Brokat- oder Printhosen und sind begeistert von Jacquardstrick-Kleidern und neuen Pullover-Formen. Sie finden Leder super, kombiniert mit Gitzerglanz und opulentem Halsschmuck. Haariges – ob aus Garnen oder Pelz – bleibt ein heißes Thema. Genauso wie Biker- und Boucléjacken mit Zippern, Wollmäntel mit coolem Schnitt oder Lederleggings. Neben viel Schwarz, Gold und Kupfer blitzt mal ein Blau. Daneben vereinen sich verschiedene Rottöne bis zu Burgund. Schwarz/Weiß wird für einen Look mit Schliff und cooler Techno-Attitüde als wichtige Alternative gesehen.

All diese scharf formulierten Themen rund um barocke Opulenz bis hin zu cooler Rockstar-Allüre schwappen nun stärker in bislang eher klassisch aufgebaute Sortimente. Der Handel ist offener für die besonderen Teile, im Sinne von Lieblingsteilen. Ob das nun Leichtdaunenjacken mit Stretch sind oder ungefütterte Jerseyblazer. Ob beschichtete Strickteile, Bikerjacken oder Kleider im Beckham-Stil. Im breiten Markt werden all die Kombinationen aus Leder oder Jersey plus Glanzbeschichtungen, Bouclés, Jacquards oder Strick ein großes Thema. Insgesamt jedoch verlangen die Einkäufer der Mitte mehr Farbe als die Progressiven. Sie haben die Befürchtung, dass zu dunkle Sortimente abschrecken und wollen nicht auf die Kraft von Farbe verzichten. Aber Glanz für den Tag. Das ist gesetzt. Jedes Outfit muss mindestens ein Glitzerteil haben. So lautet die Devise für kommenden Herbst.

Eine ausführliche Analyse der Trends aus Berlin lesen Sie in der TW 4 vom 24. Januar 2013. Die digitale Ausgabe steht bereits am 23. Januar 2013 ab 18 Uhr als Download im iTunes-Store zur Verfügung.